Oner üs – Unter uns; Jan Berkemeier …


Jan Berkemeier: „Ich wollte mich eigentlich in dieser Lederjacke porträtieren und musste dann feststellen, dass eine Lederjacke sich kaum zeichnen lässt. Also hab‘ ich für das Selbstporträt doch den Anzug genommen.“

Auf Amrum kennt jeder jeden? Stimmt nur fast und nachfragen lohnt sich trotzdem: Hoker beest dü? An: Hü gong’t? Wer bist du? Und: Wie geht’s?

Jan Berkemeier – Ab sofort Cartoonist bei Amrum News

„Sobald ich einen guten Witz habe, setze ich mich hin und probiere etwas aus. Manches schüttele ich innerhalb von Minuten aus dem Handgelenk, an anderem sitze ich Stunden. Das finale Produkt kann auch sehr spontan entstehen.

Ich zeichne schon eine ganze Weile. Angefangen hat es in der Schule. In Fächern, in denen ich mich langweilte, habe ich meine Arbeitsmaterialen vollgekritzelt. Seitdem mache ich immer so ein bisschen was nebenbei.

Der Wunsch, professionell Comics zu zeichnen, ist schon lange da. Das hier bei Amrum News ist meine erste Veröffentlichung.

Ich bin 26 Jahre alt. Die letzten fünf Jahre habe ich in Kiel studiert. Deutsch und Geschichte. Die Fächer interessieren mich sehr, aber das Studium war nicht das Richtige für mich. Letzten Oktober bin ich zurück nach Amrum gegangen.

In der Figur von Frances, die ich auch in meine Comics einbringe, steckt viel von mir drin. Dieses: „Ich war auf dem Festland, hatte mich ans Festland gewöhnt, und jetzt bin ich zurück auf der Insel und muss mich erst wieder umstellen.“ Das ist ungefähr da, wo ich gerade bin. Es sind die kleinen Dinge. Das Konzept der Mittagspause etwa.

Jan Berkemeier im Selbstporträt

Insgesamt geht es mir aber blendend hier auf Amrum. Der Stress von der Uni ist weg, meine Familie ist vor Ort, und es ist Tempo herausgenommen. Ich habe es nicht mehr eilig.

Ich würde keine Comics zeichnen, wenn ich mich nicht auch für das Medium und die Kunstform Comic interessieren würde. Ich lese sehr viele Comics, lese auch sonst sehr viele Bücher. Literatur ist eine ganz große Sache für mich.

Ich lese alles, was ich in die Finger kriege, alles, was irgendwie interessant aussieht. Zuletzt habe ich hauptsächlich Sachbücher gelesen, über den Amerikanischen Bürgerkrieg, über die Weimarer Republik und über Kriminologie. Und ich liebe das Fantasy Genre. Jan Huke, der bei Quedens arbeitet, hat immer tolle Vorschläge für mich. Die Hälfte meiner Lieblingsbücher kommt von ihm.

Eines meiner absolut liebsten Stücke Literatur ist die Graphic Novel „From Hell“ von Alan Moore. Sie erzählt gleichzeitig eine gute Geschichte und ist minutiös recherchiert. Das ist historische Fiktion vom Allerfeinsten. Zeichnerisch gefällt mir Bruce Timm besonders, ein Batman-Zeichner aus den 1990ern. Er hat einen minimalistischen Stil, sehr kantig, sehr klare Linien. Das bewundere ich, weil es so einfach aussieht.

Für mich ist es interessant, jetzt meine eigene Stimme herauszuarbeiten. Das wird eine Herausforderung. Ich freue mich drauf.“

 

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Über Anna Jannen

Anna Jannen, geboren 1982, aufgewachsen auf Amrum, studierte Germanistik, Politik und Pädagogik in Hamburg und Aix-en-Provence. Sie ist Studienrätin und freie Journalistin. Seit 2016 lebt sie mit ihrer Familie wieder auf der Insel, unterrichtet Öömrang und schreibt.

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