Zeitlos und Atmosphärisch


Claudia Haarmann

 Zur Fotografieausstellung „Die Insel“ von Claudia Haarmann in der Galerie und Bücherstube im Gemeindehaus Norddorf

 „Wenn das Licht am frühen Morgen nur die geringste Chance hat, durch die Wolkendecke zu brechen, stehe ich auch um fünf Uhr auf – aber nur auf Amrum“, erzählt mir die Fotografin Claudia Haarmann lachend, die auch heute wieder in der Frühe unterwegs war, in Amrums Natur, in einer Landschaft, zu der es sie immer wieder hinzieht. So oft es geht, besucht sie Amrum; den Inseln der Nordsee und der Nordseelandschaft fühlt sie sich seit ihrer Kindheit, durch Ferienreisen und einen nach dem Abitur mehrere Monate währenden Arbeitsaufenthalt auf Langeoog, verbunden.

 Fotografiert hat sie schon immer und Fahrt aufgenommen hat ihr Weg in die künstlerische Fotografie mit Aufnahmen von Wasserspiegelungen an den Ufern von Spree und Havel: Gebürtig aus Hagen, Nordrhein-Westfalen, wohnt und arbeitet Claudia Haarmann seit mehreren Jahrzehnten in Berlin. 2012 war ihre erste von inzwischen über zwanzig Ausstellungen; 2015 gewann sie einen regionalen Fotografiewettbewerb.

 In der Galerie im Gemeindehaus Norddorf sind ausschließlich Fotoarbeiten von Claudia Haarmann zu sehen, die auf Amrum entstanden sind. „Es geht mir nicht um realitätsgetreue Abbildung, sondern um Atmosphären, die durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse bestimmt werden. Ich versuche, die Landschaft zu erfassen, die durch die Launen von Sonne, Wind, Wolken und Gezeiten einem ständigen Wechsel unterworfen ist.“ Stimmungen, die im nächsten Moment im wahrsten Sinne des Wortes wieder verflogen sind oder überflutet wurden, möchte Claudia Haarmann festhalten. „Immer wieder. Weil sie sich ständig ändern. Und weil sie so unvergleichlich schön sind“, sagt sie.

 Durch eine bestimmte Aufnahmetechnik – nicht durch anschließende Bildbearbeitung am Computer – verlieren sich bei den Amrumer Landschaftsfotografien von Claudia Haarmann die scharfen Konturen und damit die Orte einen Teil ihres Wiedererkennungswertes. Die Arbeiten, die so entstehen, bewegen sich an der Grenze zur Malerei. Es geht ihr um die Ursprünglichkeit und Einzigartigkeit dieser Landschaft. Dazu gehören die Wasservögel, das Strandgut und die Pflanzen der Insel, die sie auch ins Visier nimmt.

 „Ich bin so gerne in Norddorf, Richtung Nordspitze. Da kann ich entscheiden: Gehe ich zur Wattseite im Osten oder zum offenen Meer im Westen der Insel? Bei dem Übergang an den Fahrradständern kann ich sogar schnell noch einmal die Seite wechseln, je nachdem, wo ich das Licht gerade spannender finde”, berichtet mir Claudia Haarmann von ihren täglichen Streifzügen, auf denen sie die Natur mit all ihren Sinnen wahrnimmt, immer die Kamera dabei. Ihr großer Wunsch ist es, einmal über einen längeren Zeitraum in den Wintermonaten nach Amrum zu kommen, wenn der Strand noch leerer und einsamer ist, die großen, weiten Flächen noch endloser scheinen und Hinweise auf menschliche Zivilisation kaum noch zu finden sind.

 Die Ausstellung „Die Insel“ mit den Fotografien von Claudia Haarmann ist in der Galerie und Bücherstube im Gemeindehaus Norddorf, Henershuuch 5, bis Ostern 2022 zu sehen und zu den Öffnungszeiten der Bücherstube besuchbar.

 Weitere Werke der Fotografin finden Sie auf ihrer Homepage unter www.fotografie-claudia-haarmann.de oder auf Instagram unter: https://www.instagram.com/fotografie_haarmann/

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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