Seit den 26. September 1971 fährt die W.D.R. „fast“ tidefrei …


Das dänische Baggerschiff Peter Madsen aus Aarhus baggert den Fährhafen in Wittdün aus

Seit 1885 fährt die Wyker Dampfschiffs-Reederei auf der Route Dagebüll-Wyk-Wittdün. Zudem gab es aber auch noch die sogenannte Bäderlinie, von Albert Ballin gegründet, die von Hamburg über Helgoland und über Wyk nach Wittdün führte. Mit den schmucken Seebäderschiffen, z.B. dem Dampfer „Silvana“ und dem Seitenraddampfer „Cobra“, der Nordseelinie bzw. HAPAG hatte man eine Seeverbindung nach Hamburg. Es folgte eine weitere Verbindung durch den Norddeutschen Lloyd ab Bremerhaven nach Helgoland und zu den nordfriesischen Inseln mit dem Dampfer „Seeadler“. Doch damit nicht genug – von Husum aus kam noch eine vierte Schiffsverbindung nach Wittdün hinzu. Es gab Anlegestellen in Wittdün, in Steenodde und am Norddorfer Strand. Soviel zu den Anfängen der Schiffsverbindungen zu den Inseln.
Heutzutage bieten zwei Reedereien Verbindungen zu den nordfriesischen Inseln an, dass ist die Wyker Dampfschiffs-Reederei und Adler-Schiffe.

Am alten Reedereigebäude in Wittdün gab es an der Südseite, links neben dem Eingang, eine Anzeigetafel auf der die Abfahrtszeiten der Schiffe bekanntgegeben wurden. Täglich wurde diese mit Einstecktafeln aktualisiert, der Fahrplan war bis zum Spätsommer 1971 etwas dicker, gab es doch Tag für Tag tideabhängige Abfahrtzeiten.
Bereits Ende der 1960er-Jahre gab es Bestrebungen dieses zu verändern, doch es dauerte bis zum 26. September 1971 ehe es den ersten tidefreien Fahrplan gab.
Mit einem Saugbagger wurde die Fahrrinne vor Dagebüll vertieft, der Schlick wurde mehrere hundert Meter nördlich des Hafens unterhalb des Schutzdeiches ins Watt, über ein extra verlegtes Rohrsystem, wieder eingeleitet.
Heutzutage ist eine solche Entnahme kaum noch durchführbar, man bekommt schon Ärger wenn man sich mit einer Schaufel ins Watt begibt. Seit 1974 gibt es das Naturschutzgebiet Nordfriesisches Wattenmeer, dieses ist seit 1985 Bestandteil des Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.
In den 1970er-Jahren kam es zu einem Zwischenfall zwischen einem vor Dagebüll an Anker liegenden Spülbagger und der Fähre MS „Insel Föhr“. Wegen fehlender Kommunikation hatte der Spülbagger die Ankerseile, die ihn während der Arbeit auf Position hielten, noch gespannt als die Fähre diesen, bei schlechten Wetterverhältnissen, passierte. Es gab einen Kontakt zwischen Fähre und Ankerseil. Nach Absprache liegen normalerweise die “entspannten” Ankerseile während des Vorbeifahrens auf dem Meeresboden und die Fähre kann dann problemlos drüber weg fahren.
Schon damals war es den Verantwortlichen bewusst, dass die Tideunabhängigkeit stets hohe Folgekosten bedeuten würden. Wer trägt die Kosten für die Freihaltung der Häfen, da diese doch über einer Bundeswasserschifffahrtstraße zu erreichen sind? Der Bund, der die Notwendigkeit einer tidenfreien Verbindung für nicht erforderlich hält, wollte dafür nicht aufkommen und so traf man sich vor Gericht wieder. Leider zog die Reederei den Kürzeren, denn der Prozess wurde verloren. Man wollte aber auf alle Fälle den tidefreien Schiffsverkehr beibehalten und so wurden die laufenden Kosten für diese Maßnahmen akzeptiert.

Seit nunmehr über 50 Jahren fahren die Schiffe der W.D.R. tidefrei – fast! Hin und wieder kommt es vor, dass der Fahrplan etwas durcheinandergewirbelt wird. Bei Ostwind fällt der Wasserstand im Wattenmeer mehr zurück als wie bei Wind aus anderen Richtungen, dass bedeutet das der notwendige Wasserstand für die Schiffe nicht mehr ausreicht. Dann kommt es zu Änderungen im Fahrplan, im Internet unter www.faehre.de/aktuell/ werden diese dann bekanntgegeben. Meistens aber steht dort: „ Alle Fähren fahren planmäßig“.
Bei extremen Niedrigwasser sind die Sedimentablagerungen in den Fährhafen deutlich zu sehen. Um einer totalen Verschlickung vorzubeugen kommt hier in den Wintermonaten ein Baggerschiff, wie z.B. die MS „Peter Madsen“, zum Einsatz. Dieses baggert wie auch ein Saug- und Hopperbagger den Fährhafen aus und verklappt die entnommene Masse wieder an festgelegten Orten in der Nordsee. Danach kommen Injektionsbagger zum Einsatz, hier werden Schlickablagerungen in Fahrwassern und Hafenbecken mit einem Spülrohr beseitigt. Die gelösten Sedimente werden aufgewirbelt und fließen mit der Strömung (Ebbstrom) ab.
Behinderungen durch Sandablagerungen und extremes Niedrigwasser bei Ostwind gibt es schon seit langem, aber das Fahrwasser und vor allen die Anlegestellen der Fähren versanden immer schneller. Um auch weiterhin einen tidefreien Fahrplan zwischen Dagebüll-Wyk-Wittdün nutzen zu können müssen kostenintensive Maßnahmen dafür regelmäßig durchgeführt werden. Nur so kann weiterhin „nach Plan“ mit den Schiffen der W.D.R. gefahren werden.

 

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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