Geburtenzeit der Kegelrobben- Abstand halten …


Ein Kegelrobbenjunges am Strand wird von seiner Mutter im Wasser beobachtet. © Öömrang Ferian

Anders als bei Seehunden, die im Sommer ihre Jungtiere zur Welt bringen, steht im Winter die Geburtenzeit der Kegelrobben an. Kegelrobben sind mit etwa 2,5 Meter Länge und über 300 Kilogramm Schwere die größten in Deutschland vorkommenden Raubtiere. Ihre Jungtiere sind für den Laien nicht so einfach von ausgewachsenen Seehunden zu unterscheiden. Ist das Fell eines Seehundes, der sich am Strand aufhält, getrocknet, so sieht es ähnlich hell und plüschig aus wie das „Lanugo“ bzw. Babyfell einer Kegelrobbe. Beide Arten kommen natürlicherweise im Wattenmeer um Amrum und Föhr herum vor und so ist es auch völlig normal, diese Arten am Strand anzutreffen. Die Tiere verbringen auf Sandbänken, wie auch dem Amrumer Kniepsand, ihre Ruhephasen, in denen sie ungestört bleiben wollen. Jede Störung führt zu einem unnötigen Energieverlust.

Ein besonderes Ereignis stellen die Kegelrobbengeburten dar. Nachdem das Jungtier auf einer Sandbank oder am Strand geboren wurde, zieht sich das Muttertier in die Nordsee zurück. Von dort beobachtet sie ihr Jungtier und sucht es regelmäßig auf, um es zu säugen. Damit das Junge schnell an Gewicht zulegt, benötigt es die fettreiche Milch der Mutter. Fast 50 % der Milch ist Fett, sodass das Junge am Tag knapp 2 kg zunehmen kann. Halten sich jedoch Spaziergänger oder Hunde in der Nähe des Jungen auf, bleibt die Mutter beobachtend im Wasser und die lebensnotwendige Milchzufuhr bleibt aus. Pech für das Junge, Glück für den Spaziergänger. Besonders mutige oder verzweifelte Muttertiere kommen durchaus auch aus dem Wasser, um ihr Junges zu verteidigen. Erfahrungen nach weiß man, 300 Kilogramm Masse können erstaunlich schnell werden. Glück für das Junge, unschöne Lehrsekunden für den Spaziergänger.

Ist das Fell der Seehunde trocken, so sieht es ähnlich hell und plüschig aus wie das „Lanugo“ eines Kegelrobbenjunges. © N. Jürgensen

Während auf Helgoland aktuell 618 Kegelrobbenjungtiere gezählt werden, gab es auf Amrum in den letzten Wintern nur vereinzelt Kegelrobbenjunge zu beobachten. Nicht jedes der Tiere wurde auf Amrum geboren. Einige wurden auch auf Sandbänken im Wattenmeer geboren und sind während eines Sturms nach Amrum gedriftet. Dies stellt oft kein Problem für die Jungen dar, die Muttertiere finden ihre Schützlinge wieder und setzen ihre Fürsorge am Fundort fort. So geschah es zum Beispiel 2004, als ein Junges zum Fähranleger nach Amrum gedriftet wurde. Zwei Wochen lang lag es dort noch und wurde von der Mutter versorgt, wofür diese jeden Tag die Treppe vom Wasser auf den Fähranleger hochrobbte.

Die Naturschutzvereine der Insel Amrum, der Verein Jordsand, die Schutzstation Wattenmeer und der Öömrang Ferian sowie die Seehundjäger führen zurzeit täglich auf dem Amrumer Kniep Monitoringgänge durch und melden dem Nationalpark am Ende der Geburtensaison ihre Beobachtungen. Die Meeressäuger benötigen in der Regel keine weitere Hilfe, sondern Ruhe. Die Naturschutzvereine und Seehundjäger sprechen den dringenden Appell an die vielen Weihnachts- und Silvestergäste der Insel aus, größtmöglichen Abstand von den Meeressäugern zu halten, damit auch diese die Feiertage gut überstehen und die Kegelrobbenjungen eine ungestörte Kindheit auf Amrum verbringen können.

 

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Über Lotte von Komorski

Lotte von Komorski wurde 1988 in Heidelberg geboren und wuchs später in der Lüneburger Heide auf. Nach dem Bachelorstudium der Forstwirtschaft in Göttingen absolvierte sie noch ihren Master in Wildtierökologie und Wildtiermanagement in Wien. Nach vielen praktischen Erfahrungen in der Wildtierforschung und ersten Berufserfahrungen in der Naturschutzarbeit in Osteuropa zog es sie Ende 2018 aus Frankfurt am Main nach Amrum, um hier das Naturzentrum zu leiten.

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