Bürgerinitiative „Wohnen und Leben auf Amrum“ …


Die ost- und nordfriesischen Inseln und Küsten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu attraktiven Touristenregionen entwickelt.  Auch die Insel Amrum lebt mit und von den vielen Urlaubsgästen.  Die steigende Nachfrage nach Urlaubsunterkünften hat dazu geführt, dass vielfach Dauerwohnungen in Ferienwohnungen umgebaut wurden. Gleichzeitig stieg die Anzahl von Zweitwohnungen, die oft nur wenige Wochen im Jahr benutzt werden. Neben dem Effekt, dass Dauerwohnraum für Einheimische verloren geht, stiegen die Immobilienpreise in den vergangenen 5 Jahren um fast 50%. Der Verkaufspreis von Häusern liegt oft im hohen 6-stelligem oder sogar 7-stelligem Bereich. Ursache hierfür ist auch, dass der Immobilienmarkt für Investoren eine lukrative und vor allem sichere Geldanlage ist. Dieses führt dazu, dass kaum noch bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener vorhanden ist.  Neben der generell schon angespannten Personallage in der Gastronomie wird es auch für Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen immer schwieriger, Personal zu bekommen. Immer wieder müssen Einwohner die Insel verlassen, da die Wohnungskosten entweder zu hoch sind oder es auch kaum Wohnungen für Familien gibt.

Wenn dieser Trend nicht gestoppt werden kann, mache ich mir große Sorgen um die Zukunft unserer Insel,“ so Bandix Tadsen, „so entstand die Idee eine Bürgerinitiative gründen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzt und versucht, an einer Lösung mitzuarbeiten. Wer soll unsere Gäste später einmal bewirten oder die Infrastruktur aufrechterhalten, wenn sich niemand mehr eine Wohnung leisten kann?“

Die Bürgerinitiative möchte bei der Gestaltung für ein zukünftiges „Wohnen und Leben auf Amrum“ mitwirken. „Es gibt auf Amrum schon einige Beispiele für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“, so Bandix Tadsen, „Initiativen wie Üüs aran in Wittdün, die Amrum Stiftung in Nebel oder die neu gegründete Wohnungsbaugesellschaft Föhr-Amrum e.G. sind ein guter Anfang. Auch die gerade geplanten Änderungen der Bebauungspläne in den Amrumer Gemeinden, die teilweise mehr Dauerwohnungen oder sogar eine Einschränkung für Zweitwohnungen (Gemeinde Norddorf) vorsehen, sind ein sehr guter Start. Wir möchten weitere Alternativen aufzeigen.“

Gedacht ist unter anderem auch daran, eine Gesellschaft zu gründen, die auf der Grundlage einer Gemeinnützigkeit bezahlbaren Wohnraum anbieten soll. Neben Spenden können auch Immobilien gestiftet werden, die dann von der gGmbH weiter an Personen vermietet werden, um sich Wohnen auf Amrum weiterhin „leisten“ zu können. Die Satzung wird den Weiterverkauf von gespendetem Wohnraum ausschließen.

Wir möchten aber auch andere Themen, die unser zukünftiges Leben auf Amrum betreffen, ansprechen,“ so Anke Tadsen, eine weitere Initiatorin der geplanten Bürgerinitiative, „wir brauchen für die Zukunft strategische Ziele für eine Vielzahl von Themen, die unser Leben beeinflussen. Hierbei geht es unter anderem um Infrastruktur, Medizinische Versorgung, Tourismus, Sprache und Kultur oder Nachhaltigkeit.“

Den Initiatoren der Bürgerinitiative ist es wichtig, dass sie sich nicht in Konkurrenz zur Kommunalpolitik oder anderen Initiativen sehen, sondern mit diesen zusammen und als Ergänzung an der Lösung der Probleme mitarbeiten wollen.

Die Bürgerinitiative „Leben und Wohnen auf Amrum“ trifft sich erstmals öffentlich am Sonntag, den 24.April um 17:00 Uhr im Gemeindehaus in Norddorf um die bisherigen Ideen vorzustellen.  Die Initiatoren freuen sich über jeden Interessierten Zuhörer und hoffen, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit nutzen, sich über die Thematik zu informieren, weitere Anregungen einzubringen und eventuell mitzuarbeiten.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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