Milch von glücklichen Kühen  …


Drei Generationen: „Ualaatj” Korl-Hinne, Caroline und Nanning Schult

Es ist ruhig im Stall, die Kühe fressen, die Kälber liegen und schmusen zusammen. Familie und Zufriedenheit, das sind die Worte, die einem direkt einfallen, wenn man den Milchkuhstall der Familie Schult betritt.

Mit einem Lachen kommt Caroline Schult und ihr Vater Nanning um die Ecke, während „Ualaatj” (Großvater auf Deutsch) Korl-Hinne die Kühe im Blick hat, dass jede von ihnen auch genug zu Fressen bekommt. Mit 91 Jahren steht er noch täglich im Stall und schaut nach den Tieren. Drei Generationen, eine Familie, und so werden auch ihre Tiere gehalten. „Wir betreiben hier eine Muttergebundene Kälberaufzucht, das heißt die Kälber bleiben bei ihren Müttern. Wir bekommen den Überschuss der Mutterkuh zum Melken und Verarbeiten diese dann zu unserer Hofmilch zum Verkauf”, erklärt uns die junge Caroline Schult, die zusammen mit ihrem Vater die Leidenschaft zur Milchkuh teilt. „Ich bin mit den Kühen groß geworden, leider haben meine Eltern die Milchkuhwirtschaft aus bürokratischen Gründen 1979 aufgeben. Der Aufwand wurde zu groß und so stellten wir Ende der siebziger Jahre auf Fleischkuh, Angus Rinder, um und später kam der Gemüseanbau dazu”, erzählt Nanning Schult. Doch irgendwie haben ihm die Milchkühe immer gefehlt, er hatte schon lange den Wunsch, diesen Teil Familiengeschichte wieder nach Amrum zu holen.
Nach der Schule flogen die beiden Zwillinge Maayken und Caroline allerdings erst einmal aus dem Elternhaus und ab auf das Festland, Hansestadt Hamburg war das Ziel, wo Caroline die Lehre zur Hotelfachfrau im Hotel Atlantic absolvierte. „Meine Kollegen haben mich immer gefragt, was ich denn nach der Lehre mache, in welches feine Haus ich gehen werde. Ich antwortete immer ich gehe zurück nach Amrum zu meiner Familie, in den Stall, das ist mein Leben. Die haben alle geschmunzelt und konnten das gar nicht glauben”, strahlt die Insulanerin mitten in ihrer Kälberherde und zeigt wie richtig dieser Schritt für sie war.
In ganz viel Eigenleistung hat die Familie Schult die Stallgebäude umgebaut, Hand in Hand gingen sie dabei mit dem Veterinäramt in Husum. „Die haben uns wirklich sehr geholfen und uns in unserem Vorhaben unterstützt. Wir sind da sehr dankbar, daß das alles so gut geklappt hat”, freut sich Nanning Schult. Was ist denn der Unterschied zwischen einer Muttergebundenen Kälberaufzucht zu einer sonst „üblichen” Milchviehhaltung? „Wir lassen die Kälber ganz normal bei ihren Müttern. Alle leben hier im Stall und später auf der Wiese im Familienverbund. Es wird zusammen gespielt, gekrault, geschlafen und gefressen, die Kälber trinken bei ihren Müttern und brauchen so auch keine künstliche Muttermilch in Pulverform. Wenn die Kälber abgesetzt werden und die Milchproduktion bei der Mutterkuh eingestellt wird, gibt es bei uns auch eine Milchpause,” erklärt Caroline und zeigt die mobile Melkmaschine, die mit einem Vakuumverfahren die Milch absaugt. Das Melken haben sie zeitlich verschoben und sich auf den Rhythmus der Kühe eingestellt, die erst nach der Fütterung ihre Kälber säugen und „dann konnten wir ganz in Ruhe den Überschuss melken. Vorher haben sie nicht richtig Milch gegeben und waren sehr unruhig”,erklären die Beiden und bestätigen das die Freude und der Spass an der Milchviehzucht im Vordergrund stehe. Natürlich soll auch Geld dabei verdient werden, doch den Druck, den viele Milchbauern haben, Preisdumping etc, den haben sie hier mit ihrer kleinen Kuhherde nicht und wollen sich auch überhaupt nicht mit den harten Konkurrenzkämpfen auf dem Festland, wo es um hunderte von Kühen geht, vergleichen. 
Caroline Schult gibt ihren Kühen/Kälbern gerne eine extra Portion Streicheleinheiten

Caroline hat ein schönes 3 wöchiges Praktikum bei der netten Familie Hassold, auf Föhr gemacht und konnte dort einiges über die Milchwirtschaft lernen. Das sie jetzt hier auf ihrem eigenen Familienhof täglich dazu lernt, das erzählt sie während die Kälber eine kleine Streicheleinheit bekommen, einige haben auch schon einen Namen. Neben den Milchkühen und Angus Rindern betreibt die Familie Schult auch Gemüseanbau, das neben den frischen Eiern am Hofstand in Norddorf im Nei Stich 2 verkauft wird, wo nun auch der Kühlschrank mit der Milch steht. 1 Liter kostet 2,-€ und wird in Glasflaschen verkauft die gerne wieder zurück genommen werden, da sie ein eigenes Flaschenreinigungssystem besitzen. Caroline bekommt von ihrem Bruder Janne noch Hilfe am Stall, der im Bereich Fleischrinder und dem Gemüse tätig ist und Mama Britta versorgt alle im Hintergrund, ”ohne sie läuft nichts”, lächelt Caroline und verabschiedet sich in die Mittagsstunde, denn der Tag ist immer sehr lang, doch er macht glücklich, so glücklich, wie auch die Kühe mit ihren Kälbern sind. 

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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