Corona – Durchseuchungsgrad steigt auch auf Amrum …


 „RKI meldet deutlich gestiegene Sieben-Tage Inzidenz“ –  „Läuft Deutschland blind in die nächste Pandemiewelle?“ –  „Der Expertenrat der Bundesregierung erwartet für den Herbst eine neue Coronawelle“. So lauteten in den letzten Tagen einige Schlagzeilen in den Medien.

Insgesamt gesehen war es in den letzten Wochen ja recht ruhig um die Corona-Pandemie geworden. Presse, Funk und Fernsehen hatten lange Zeit andere Prioritäten in ihrer Berichterstattung gesetzt, Wissenschaftler und fachkompetente Berater kamen in den Medien nur noch „unter ferner liefen“ zu Wort, und auch die Politik hat sich in Sachen Corona sehr zurückgehalten.

Nun scheint es jedoch wieder zu einem Umdenken zu kommen. Wurden in vielen Bereichen die Einschränkungen wie Maskenpflicht, Impfpflicht, Testpflicht, Meldepflicht, Isolationsmaßnahmen, Kontaktvermeidung, Verbot von Großveranstaltungen etc. nahezu auf „null“ heruntergefahren, muss man sich nun doch weiter Gedanken über das anhaltende Infektionsgeschehen und ggf. neue oder erneute Vorsichtsmaßnahmen machen. Fakt ist, dass Corona weiterhin präsent ist, sich  neue Virusvarianten entwickelt haben und täglich neue positiv getestete Fälle auftreten. Zu bedenken ist, dass die gemeldeten und derzeit Deutschlandweit wieder ansteigenden Zahlen bezüglich Inzidenz, Neuerkrankungen und Genesenen-Status allenfalls Trendmeldungen sind. Die tatsächliche Anzahl an Krankheitsfällen ist mit Sicherheit um ein vielfaches höher, gehen doch in die Statistiken der Gesundheitsämter und des RKI (Robert-Koch-Institut) nur per PCR-Test (Polymerase chain reaction, „Labortest“) positiv Getestete ein. Die Mehrzahl der Erkrankten hat jedoch lediglich einen positiven Schnelltest, der nicht durch PCR bestätigt wird und somit auch nicht an die Gesundheitsämter gemeldet wird. Die Betroffenen müssen sich nur noch 5 Tage in Isolation begeben, können bei typischen Symptomen auch ohne PCR-Test eine ärztliche Krankmeldung erhalten und müssen sich auch nicht mehr „freitesten“.

Auch auf Amrum steigt die Infektionsrate weiterhin stetig an, täglich melden sich neue Infizierte mit positiven Schnelltests in den Arztpraxen. Die Erfahrung zeigt, dass auch Geimpfte und Geboosterte an Corona erkranken, jedoch auf Grund eben der Impfungen fast ausschließlich nur milde Infektzeichen haben. Ein ausreichender Impfschutz schützt vor lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen, darüber sind sich Wissenschaftler und Politiker einig.

Auch ein angestrebter hoher „Durchseuchungsgrad“ der Bevölkerung scheint noch nicht zu einer Beendigung der Pandemie zu führen. Die ersten Patienten mit nachgewiesener zweifacher Coronainfektion sind registriert, was vermuten lässt, dass ein Impfschutz begrenzt ist bzw. nur gegen bestimmte Virusvarianten wirksam ist. Beängstigend ist, dass, auch auf Amrum, mittlerweile alle Bevölkerungsgruppen betroffen sind, d. h. auch ungeimpfte Kinder und geimpfte und geboosterte ältere Mitbürger erkranken. Gerade in diesen Altersgruppen ist leider weiterhin auf Grund mangelnden Impfschutzes oder bestehender Vorerkrankungen mit schwereren Verläufen zu rechnen.

Kein Mensch möchte wieder mit schärferen Coronaregeln oder gar einem erneuten Lockdown konfrontiert werden, dennoch gilt es weiterhin ausreichende Vorsichtsmaßnahmen, wie z. B. das Tragen einer Maske und Einhalten von Abstandsregeln in sensiblen Bereichen beizubehalten. Auch die Möglichkeit der Durchführung von Schnell-Tests in Eigenverantwortung potentiell Erkrankter muss weiterhin gewährleistet bleiben.

Die Praxis an der Mühle in Nebel bietet für Patienten mit entsprechenden Krankheitssymptomen weiterhin eine separate Infektsprechstunde an, die aber nicht mehr im Haus des Gastes, sondern zu gesonderten Zeiten wieder innerhalb der eigentlichen Praxisräume stattfindet. Zur Wahrnehmung hierzu ist eine telefonische Terminvereinbarung sowie das korrekte Tragen einer FFP2-Maske auf dem Gelände der Praxis unabdingbar. Schnelltestungen werden an Patienten in der Praxis nicht durchgeführt, PCR-Abstriche können hingegen bei entsprechender Indikation vorgenommen werden.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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