Blühwiesen auf Amrum …


Blühwiese an der Nebeler Mühle

Das Bundesamt für Naturschutz hat in Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege („DVL“) und dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik(„IPN“) das Programm „Blütenbunt–Insektenreich“ ins Leben gerufen, hierzu können bis ins Jahr 2026 Fördermittel bewilligt werden.

„Blütenbunt-Insektenreich“ fördert die Entwicklung von artenreichen Wiesen und Säumen auf nicht-landwirtschaftlichen Flächen. Dies können kommunale Grünflächen, Säume entlang von Wirtschaftswegen oder Wäldern bzw. Freiflächen auf Firmengeländen sein.

Blüten sind Nahrung für Insekten

Auch auf Amrum gibt es in allen Kommunen mehrere artenreiche Siedlungsflächen, deren Erhalt einen großen Beitrag dazu leisten kann dem drastischen Rückgang der Insektenpopulationen entgegenzuwirken. Diese innerörtlichen Grünflächen, auch „Blühwiesen“ genannt, bieten zahlreichen Insektenarten Nahrung und Rückzugsraum. Die Flächen können extra angelegt, bzw. durch Pflege und Entwicklung gefördert werden. Eine Blühwiese sieht nicht nur schön aus, sondern sie fördert insbesondere die biologische Vielfalt und soll als Nahrungsquelle für Bienen und andere Blütenbesucher dienen. Sie bildet zudem einen ganzjährigen Schutz gegen Erosion und bietet neben Insekten auch Vögeln, Kleintieren und Niederwild einen Lebens- und Rückzugsraum. Insekten sind die Nahrungsgrundlage vieler anderer Tierarten, v. a. von Vögeln. Je mehr Insekten da sind, desto mehr Vögel werden kommen.

Ortsbegehung durch Frank Timpe, Hanna Zimmermann, Norma Kujath und Cornelius Bendixen

Hanna Zimmermann, die Naturschutzkoordinatorin auf Amrum bei der Amrum Touristik, hat unter dem Thema „Blühendes Amrum“ bereits im Frühjahr des Jahres einen Orientierungstermin mit den Gemeinden der Insel  und einigen Flächeneigentümern iniziiert um mögliche Flächen, die als „Blühwiesen“ in Frage kommen, auszumachen. Nun hat auf Amrum eine Begehung und Begutachtung durch Hanna Zimmermann zusammen mit Norma Kujath als Vertreterin des DVL, sowie den Bürgermeistern der Gemeinden, Besitzern von entsprechenden Flächen und Frank Timpe von der Amrum Touristik stattgefunden. Ziel dieser Aktion ist es innerörtliche Flächen auszumachen die bereits artenreich sind, bzw. ein Potential aufweisen um den Artenreichtum durch angepasste Pflege zu verbessern. Im Rahmen des Projektes „Blütenbunt-Insektenreich“ wird die Anlage und Pflege dauerhafter blütenreicher Wiesen und Säume gefördert, auch kann ein speziell für den jeweiligen Standort angepasstes Saatgut gebietsheimischer Wildpflanzen zur Verfügung gestellt werden. Kommunen, Unternehmer und andere Flächeneigentümer*innen übernehmen über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren die fachgerechte Pflege der bunten Wiesen, wobei der DVL und die lokalen Aktionen beratend mitwirken.

Privat angelegter Blühstreifen im Waasterstigh in Nebel

Die Öömrang-Skuul ist über dem IPN bereits Partnerschule des Projektes geworden. Hierbei geht es darum, dass Schulen entsprechende Flächen entwickeln und betreuen, wobei die Amrumer Schule durch den historischen Krümwaal bereits eine für Insekten bedeutsame Fläche auf dem Schulgelände hat. Die Schule erhält Unterrichtsmaterial und Lupen um Falter und andere Insekten bestimmen zu können. Auch werden Experten aus dem Projekt an die Schule kommen, um gemeinsam mit Schülern und Lehrern auf Entdeckungstour zu gehen.

Wie die Begehung ergeben hat, gibt es auf Amrum über 7500 m² entsprechende Flächen, die für „Blütenbunt-Insektenreich“ in Frage kommen, zunächst werden davon ca. 4300 m² in das Projekt aufgenommen. Unabhängig davon gibt es auf unserer Insel bereits diverse private Aktionen, in vielen Gärten sind Blühwiesen entstanden, auch manche Randstreifen werden als solche gekennzeichnet.

Die Sand-Grasnelke ist stark gefährdet

Grundsätzlich sollen die entsprechenden Flächen die heimische Flora aufrechterhalten um eben dem Insektensterben entgegen zu wirken, aber auch farbenfroh das Auge des Betrachters erfreuen. Sie werden maximal ein bis zweimal im Jahr gemäht um keine Brachflächen entstehen zu lassen und den zu den unterschiedlichen Jahreszeiten wachsenden Pflanzen eine Chance zum Blühen und damit den Insekten ein Nahrungsangebot zu geben. Die bunten Wiesen verlocken zum Pflücken großer Blumensträuße, was einmal mehr das Bewusstsein und die Wahrnehmung dieser Blumenpracht durch die Betrachter*innen zeigt. Die Wertschätzung der Blühwiesen liegt allerdings darin, die Blumen stehen zu lassen, damit die Wiesen weiter blühen und sich weiterhin alle, Tiere wie Menschen, daran erfreuen können. Zudem stehen auf Amrums Wiesen auch viele Arten, die auf der „Roten Liste“ als gefährdet oder stark gefährdet geführt werden und somit unter Naturschutz stehen. Als Bespiel hierfür sei die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. longata) genannt,  die auf Amrum noch häufig vorkommt, in vielen anderen Gegenden unseres Landes jedoch nahezu verschwunden ist. Es ist immer besser lieber zu schauen und ein Foto zu machen als zu pflücken und niemals das letzte Exemplar mitzunehmen. Auch gibt es gute Bestimmungs-Apps (z. B. Flora Incognita), mit denen auch der Laie ganz einfach Pflanzen bestimmen und sich über den Schutzstatus informieren kann.

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

schon gelesen?

9 Millionen Tonnen Plastik landen pro Jahr im Meer – kann eine App helfen …?

Durchschnittlich landen jedes Jahr weltweit 9 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Das ist eine LKW-Ladung …

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com