Wanderurlaub auf Hooge – eine kleine Homage an die Hallig …


Hooge – auf dem Weg zur Backenswarft

Wanderurlaub auf Hallig Hooge – geht das?

Oh ja! 5,6 km² groß ist die Hallig, von einem 11 km begehbaren Sommerdeich umgeben. Die 10 Warften (9 davon bewohnt) im Inneren von Hooge sind spinnennetzartig untereinander verbunden und mehrere Stichwege führen zum Hafen, zum Fähranleger und zu den Badestellen.

Vom 19. – 22. September 2022 haben wir (Claudia, Peter und Wilma) wieder einmal einen Kurzurlaub auf Hooge verbringen dürfen und haben in dieser Zeit insgesamt 56 km (!) zu Fuß zurückgelegt (sagt mein Schrittzähler). Wilma, die uns begleitende Hündin, ist mit Sicherheit 3x so viel gelaufen.

Hooger Karibik – die Badestelle an der Westerwarft

Es war nicht das erste Mal, dass wir Inseln und Halligen in der Nachbarschaft von Amrum besucht haben: Föhr, Sylt, Pellworm, Helgoland, Langeness, Oland, Gröde und eben Hooge. Hier waren wir schon mehrere Male. Fast jedes Jahr zieht es uns einmal dorthin. Was macht man denn 4 Tage auf Hooge? Das wurden wir schon oft gefragt. Die Antwort ist einfach: “Nichts”. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Viele Spaziergänge, abschalten, lesen, schlafen und gut essen gehen ist dann ja doch eine Menge Ablenkung insbesondere vom beruflichen Alltagsstress auf Amrum. Keine Praxistätigkeit, kein Notarzt-Piepser, kein Diensttelefon, einfach mal weg sein. Die An- und Abreisen sind stressfrei (ca. 30 Minuten mit Adler Express), man ist also schnell da und ist doch weit weg. Natürlich geht das so nur wenn Adler fährt. Im Winter wäre die Anreise zwar möglich, aber doch ungleich beschwerlicher (Wittdün – Dagebüll – Niebüll – Husum – Schlüttsiel – Hooge). Man kann sagen, dass wir uns auf Hooge einigermaßen gut auskennen, trotzdem kann man immer wieder etwas Neues entdecken, je nach Wetterlage unterschiedliche Eindrücke gewinnen und auch schon bekannte Fotomotive bei unterschiedlichem Licht betrachten. Und dieses Jahr war das Wetter perfekt. Nachdem es während der Anreise noch ordentlich geregnet hatte, riss mit an Land gehen der Himmel auf, und wir mussten die mitgebrachten Regensachen gar nicht erst auspacken. Vier herrliche Spätsommertage mit allenfalls nur lockerer Bewölkung, überwiegend windstill, zumindest zur Mittagszeit T-Shirt-Temperaturen und milde Nächte mit wunderbaren Morgen- und Abendstimmungen ließen uns bei diesem Aufenthalt erneut die Besonderheiten der Hallig sowie die weiten Blicke von ihr rundum genießen.

Tagesgäste auf dem Weg vom Fähranleger zur Hanswarft – im Hintergrund die Kirchwarft

Hooge hat ca. 100 Einwohner, etwas mehr als 500 Gästebetten mit ca. 43.000 Übernachtungen pro Jahr und ca. 90.000 Tagesbesucher pro Jahr. Über die Mittagszeit kann es schon mal richtig “voll” auf der Hallig werden, aber am späteren Nachmittag, wenn alle Ausflugsschiffe und Fährverbindungen weg sind, wird es still und leise und man hat viele Orte für sich allein.

Auf allen bewohnten Warften (Westerwarft, Ipkenswarft, Volkertswarft, Mitteltritt und Lorenzwarft, Ockelützwarft („Schulwarft“), Backenswarft, Hanswarft und Ockenswarft) kann man Privatunterkünfte buchen. Auch gibt es Gruppenunterkünfte und ein Zelt-Camp. Auf der Kirchwarft befinden sich die Hallig-Kirche, das Pastorat und der Friedhof. Die Pohnswarft ist seit einer Sturmflut im Jahr 1882 eine Ruine und unbewohnt, sie dient heute als Mess-Station des DWD (Deutscher Wetter Dienst).

Die Hanswarft nach der Deicherhöhung mit dem neuen Hallig Hus

Die Hanswarft ist so etwas wie die “City”. Hier sind das Feuerwehrgerätehaus, die Krankenstation, der Halligkaufmann, die Schutzstation Wattenmeer, das Sturmflutkino, mehrere Museen, Gastronomie und Läden. Hier waren wir, wie schon öfters, im Haus Ingeborg in einer Ferienwohnung.

Die Hanswarft hat im Hinblick auf die Meeresspiegelerhöhung und dem Klimawandel im Rahmen eines “Pilotprojekts” eine Warfterhöhung erhalten. Rund um die Warft wurde eine Deicherhöhung vorgenommen, nun steht die Hanswarft quasi in einer “Suppenschüssel”. Mit den jahrelangen Baumaßnahmen ist auch das neue “Hallig Hus” entstanden, hier ist u. a. auch der Halligkaufmann mit einem umfangreichen Warenangebot zu Festlandspreisen! Es ist eine Filiale eines Edeka-Marktes in Niebüll und kann seine Waren zu den niedrigen Preisen anbieten, da die Gemeinde Hooge die Transportkosten übernimmt.

Feuerwehr, Gemeindepfleger*in und Rettungshubschrauber sind auch auf Hallig Hooge ein gewohntes Bild und wichtige Einrichtungen.

Der Friesenpesel auf der Backenswarft

Auf der Backenswarft befindet sich u. a. das Traditionslokal “Friesenpesel”, deren “Stammgäste” wir sind. Bei den Wirtsleuten Annemarie Pezzi und Raymund Bichler sind wir wie immer herzlich willkommen gewesen, hervorragend bekocht und großzügig bewirtet worden. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächsten Besuche auf Hooge und im Friesenpesel! Und Wilma auch!

Einen Kurzurlaub auf Hooge verbringen zu können betrachten wir als Geschenk. Ohne stressige Anreise kann man dort sofort entspannen und in drei oder vier Tagen kommt auch keine Langeweile auf. Und notfalls kann man ja immer noch einen Blick nach Hause werfen, der Amrumer Leuchtturm ist in Sichtweite!

Blick von Hooge nach Amrum

Anmerkung des Verfassers:

Wir möchten wir uns an dieser Stelle bei der Freiwilligen Feuerwehr Norddorf auf Amrum bedanken, die uns diesen herrlichen Aufenthalt auf Hallig Hooge möglich gemacht hat. Das “Gesamtpaket”  (Fährkosten, die Unterkunft und ein Teil der Bewirtungskosten) hat uns die FF als Dank für die durch uns durchgeführten großen Impfaktionen in den Corona-Jahren geschenkt. Wir haben uns über diese Anerkennung sehr gefreut! Es wäre überhaupt nicht nötig gewesen, haben es aber dankbar angenommen!

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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