Bundesweiter Warntag am 8. Dezember …


Sirenenalarm am bundesweiten Warntag

Zum zweiten Mal seit der Wiedervereinigung findet am Donnerstag dem 8. Dezember um 11:00 Uhr ein bundesweiter Warntag statt. Bereits im September 2020 sollten überall in unserem Land die Sirenen heulen (Amrum News berichtete), damals zeigten sich jedoch zahlreiche Schwachstellen im Alarmierungswesen.

Ziel eines Warntages ist es zum einen die Bevölkerung auf das Thema „Warnung“ zu sensibilisieren um auf mögliche Gefahrenlagen aufmerksam zu werden, zum anderen die zur Verfügung stehenden Warnsysteme zu erproben und die Alarmierungswege zu optimieren.

Während im Bereich behördlich aktiver Schutzorganisationen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Technisches Hilfswerk und auch Bundeswehr gut funktionierende Meldesysteme vorhanden sind, sind in den letzten Jahrzehnten die möglichen Alarmvorrichtungen im Bereich Zivilschutz sehr vernachlässigt worden. Bereits im Deutschen Kaiserreich wurden neben den Feuerwehren und dem Roten Kreuz militärische Hilfskommandos zum Schutze der Zivilbevölkerung bei Großschadensereignissen eingesetzt. In den Zeiten des Nationalsozialismus wurde insbesondere der sog. Luftschutz im Hinblick auf den Bombenkrieg durch eine weitflächige Installation von Sirenenanlagen ausgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zunächst alle Maßnahmen zum Luftschutz durch die Siegermächte verboten worden, erst 1951 wurden bestehende Vereinigungen in den sog. „Bundesluftschutzverband“ umbenannt und 1968 der „Bundesverband für den Selbstschutz“ installiert. 1997 wurde der Bundesverband aufgelöst, die Aufgabe „Schutz der Zivilbevölkerung“ wurde danach vom „Bundesamt für Zivilschutz“, heute “Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ (BBK) wahrgenommen.

Politische Ereignisse wie der „Kalte Krieg“, „Kubakrise“, „Prager Frühling“ und Angst vor einem Atomkrieg haben jahrzehntelang weitreichende Vorkehrungsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, wie die Einrichtung von Hilfskrankenhäusern, Bevorratung von Hilfsmitteln und Medikamenten und Ausrüstung von Hilfsorganisationen, mit sich gebracht.

Ältere Sirenenanlage auf dem Dach der Öömrang-Skuul

Mit Beendigung des “Kalten Krieges“, dem Zerfall der Sowjetunion, dem Mauerfall und der Wiedervereinigung war dann eine Angst vor einer möglichen militärischen Auseinandersetzung in unserem Land nahezu verschwunden, was zu einer Vernachlässigung der Vorkehrungsmaßnahmen geführt hat. Insbesondere vorhandene Sirenenanlagen wurden nicht mehr gewartet oder wurden entfernt. Auch technische Neuerungen wie die Einführung von Funkmeldeempfängen und deren Digitalisierung haben Sirenenanlagen, zumindest für den Rettungsdienst und die Feuerwehren, lange Zeit als unnütz erscheinen lassen.

Spätestens die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine haben zu einem Umdenken geführt und den Bevölkerungsschutz wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gestellt. Überregionale Katastrophenlagen hat es auch in Deutschland immer wieder gegeben. Die Flutkatastrophe an der Nordseeküste 1962, die sog. Jahrhundertflut der Elbe 2002 und nicht zuletzt die Unwetterkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 haben gezeigt, dass die bestehenden Schutzmaßnahmen der Bevölkerung dringend verbessert werden müssen

Das BBK ist eine Bundesbehörde, deren Aufgabe es ist den Schutz der Bevölkerung bei überörtlichen Gefahrenlagen (z. B. Unwettergeschehen, Elementarschadenslagen wie Erdbeben, Flutkatastrophen oder Waldbrände, Industrieschäden wie Chemieunfälle oder Großbrände, sowie biologische und nukleare Bedrohungen) wahrzunehmen und zu koordinieren, die Umsetzung der Schutzmaßnahmen ist in unserem föderalistischen System jedoch Ländersache. Gemeinsam von Bund und Ländern werden am 8. 12. im Rahmen  des „MoWaS“ (Modulares Warnsystem) mit angeschlossenen sog. Multiplikatoren zeitversetzt Nachrichten über folgende Einrichtungen verbreitet:

  • Öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten
  • Ein Großteil der privaten Medienhäuser
  • Behörden, Organisationen und Unternehmen wie z. B. die Deutsche Bahn
  • Internet- und Pagingdienste
  • WarnApps (z. B. NINA, KATWARN, BIWAPP)

Über diese Warnmultiplikatoren können an die Bevölkerung Nachrichten über Radio, Fernsehen und Smartphones verschickt werden. Auf Länderebene werden die teilnehmenden Landkreise auch Lautsprecherdurchsagen durch Feuerwehr, Polizei und andere öffentliche Einrichtungen, sowie Warnhinweise über digitale Werbetafeln oder innerstädtischen Bildschirmen vornehmen.

Sendemast einer Funkzelle im Postwai

Am Warntag wird ab 11:00 Uhr erstmalig auch die „Cell-Broadcast-Technik“ erprobt. Hierbei werden Nachrichten an alle sich in einer sog. Funkzelle befindlichen Handys verschickt. Mobiltelefone melden sich automatisch in diesen, den Netzempfang herstellenden, Funkzellen an. Umgekehrt können Nachrichten an alle mit den entsprechenden Funkzellen verbundenen Geräte gesendet werden, wobei, im Gegensatz zu einer klassischen SMS, eine Cell-Broadcast-Nachricht anonym ist, da hierzu keine Mobilfunkrufnummer benötigt wird. Diese Technik ist auf den meisten Smartphones, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, vorinstalliert und muss ggf. aktiviert werden. Man geht davon aus, dass aktuell hierüber derzeit rund die Hälfte aller in Deutschland sich in Gebrauch befindlichen Smartphones erreichbar sind. Bei den Cell-Broadcast Nachrichten handelt es sich ausschließlich um Textnachrichten die standardmäßig auf den meisten Mobiltelefonen eingespeichert sind. Je nach Warnstufe können auch Alarmsignale ausgelöst werde, selbst dann, wenn das Telefon stumm geschaltet ist. Theoretisch sollte diese Technik auch mit älteren Smartphones funktionieren, dann jedoch mit der Übermittlung einer „klassischen“ SMS.

Das BKK erhofft sich durch die Erprobung dieser neuen Technik am Warntag Erkenntnisse über den Erreichungsgrad der Bevölkerung zu erlangen. Diese Erreichbarkeit soll in der Folge dann stetig gesteigert werden, eine offizielle Freischaltung im MoWaS ist für Februar geplant.

Näheres über Cell-Broadcast, sowie eine Liste der diese moderne Technik unterstützenden Geräte, sind unter folgendem Link zu erfahren:

https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Warnung-in-Deutschland/So-werden-Sie-gewarnt/Cell-Broadcast/cell-broadcast_node.html

Nachfragen bei der Feuerwehr, der Polizei und der Amrum Touristik haben haben ergeben, dass sich die Probealarmierungen auf Amrum auf die Sirenenalarme, Radiodurchsagen und Mitteilungen über die o. g. WarnApps beschränken werden. Inwieweit eine Nachrichtenübermittlung über Cell-Broadcast bereits, vielleicht auch nur in Einzelfällen, gelingen wird, ist eine spannende Angelegenheit und bleibt abzuwarten.

Auf Amrum sind Sirenen auf den vier Feuerwehrgerätehäusern, auf dem Dach des Badelandes und auf der Öömrang-Skuul vorhanden, wobei die Sirenenanlage auf der Schule, die die älteste derartige Einrichtung ist, derzeit außer Betrieb ist.

Den Inselbewohnern dürften die Sirenenalarme wohlbekannt sein, werden doch jeden Samstag um 12:00 Uhr durch die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Nord Probealarme ausgelöst. Hier erklingt lediglich ein einmaliger Heulton. Bei einer realen Alarmierung der Feuerwehr würden drei an- und abschwellender Sirenentöne in einer Minute erfolgen.

Bei einer Warnmeldung im Sinne des Zivilschutzes erklingt ein an- und abschwellender Sirenenton über eine Minute. Bei einer solchen Warnung wird empfohlen Ruhe zu bewahren, sichere Räumlichkeiten aufzusuchen, Fenster und Türen geschlossen zu halten, ggf. Nachbarn zu informieren und nach Möglichkeit Radio oder Fernsehen mit Lokalnachrichten anzuschalten.

Ein Sirenen-Dauerton von einer Minute bedeutet „Entwarnung“.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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