Der Nikolaus kommt, 6. Dezember 1958 …


Erinnerungen an den Nikolaustag 1958 – eine 64 Jahre alte Tonbandaufzeichnung

Beim Aufräumen habe ich alte Tonbänder gefunden, die mein Vater und meine beiden Onkel in den 1950er und 1960er Jahren gemacht haben. Alle drei waren technikbegeisterte Menschen, die schon früh gerne fotografiert und eben auch Tonbandaufnahmen gemacht haben. Mein Onkel Ewald war zu dieser Zeit Ingenieur bei der Fa. Grundig und kam wohl auch etwas günstiger an die jeweils neu entwickelten Tonbandgeräte. Mein Onkel Otto hatte das 1958 auf den Markt gekommene „GrundigTK 35“,  welches für damalige Verhältnisse ein sehr aufwendig konstruiertes Gerät und ein absolutes Highlight für frühe HiFi – Freunde war. Und eben mit diesem Gerät hat er die Nikolausfeier am 6. Dezember 1958 aufgenommen. Ich, damals 4 ½ Jahre alt, war die Hauptperson, bei dieser hörspielartigen Aktion. Der Nikolaus war mein Patenonkel Ewald, Bruder meiner Mutter.

Der kleine Peter Totzauer Bernd wartet auf den Nikolaus

Es ist mir gelungen diese 64 Jahre alte Tonbandaufnahme digitalisieren zu lassen. Verständlicherweise ist die Tonqualität für heutige Verhältnisse nicht besonders gut, aber ich denke, wenn man ein entsprechendes Abspielprogramm hat und den Lautstärkeregler etwas nach oben dreht, wird man das kleine Hörspiel durchaus genießen können. Dennoch muss ich dazu vorab einige Erklärungen geben:

Nach einleitender Weihnachtsmusik kündigt der Sprecher der Aufnahme, mein Onkel Otto, Oberlehrer an einer Volksschule, Schwager meines Vaters, das Geschehen an: Der Nikolaus kommt, Aufnahme vom 6. Dezember 1958 in der Wohnung Schwabacher Straße 169 in Fürth. Personen: Der Nikolaus – Onkel Ewald, das Kind: Peter Totzauer Bernd. Außerdem eine Stube voller Zuschauer und Zuhörer mit mehr oder weniger diszipliniertem Verhalten.“

Ich habe einen zweiten Vornamen, Bernd, die abgekürzte Form von Bernhard, dem Vornamen meines Vaters. Warum ich, im Alter von 4 Jahren, immer Peter Totzauer Bernd satt Peter Bernd Totzauer gesagt habe, wenn ich nach meinem Namen gefragt wurde, weiß ich nicht, und ich glaube, dass auch meine Eltern nie erklären konnten, warum ich das so gesagt habe.

Während der insgesamt 11 Minuten 37 Sekunden dauernden Aufzeichnung gibt es noch ein paar andere Szenen die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen:

In Form eines Gedichtes stellt der Nikolaus Fragen an mich, auf die er eine bestimmte Antwort erwartet. Auf „Wirst Du Mutti und Vati immer folgsam sein?“ wurde die Antwort „Ja“ erwartet. Ich war aber ehrlich und sagte: „Immer mal nicht, immer mal bin ich bös.“ Da hat der Nikolaus kurz den Faden verloren: „So … so … – aber das erfreut trotzdem das Christkindlein.“

“Und manchmal hör ich ein Knautschen wie kleine Mädchen hier” …,

Etwas später fragt der Nikolaus: „Und manchmal hör ich ein Knautschen wie kleine Mädchen hier, Peter, das kommt doch nicht von Dir?“ Da habe ich kurz die Fassung verloren, es folgte ein betretenes Schweigen meinerseits, bis meine Mutter mir weiterhalf: „Kommt das von Dir, Peter?“

Ich sah mich wohl dazu genötigt diese Peinlichkeit einigermaßen ehrlich zu bereinigen und sagte:  „Halb.“

Nach dem üblichen Aufsagen von Gebet und Gedicht kommt dann die Aufforderung „Kannst Du auch singen?“, der ich bereitwillig nachkam. Singen bereitete mir offensichtlich große Freude und ich fragte nach dem Pflichtlied den Nikolaus: „Darf ich auch das Lied von den Großen?“

Der Nikolaus: „Jaaa, kannst Du!“ Darauf gab ich zum Besten: „Ich muss a Schnäpsle ham ….“ (hört selbst!), was für großes Gelächter bei den Zuschauern und Zuhörern mit mehr oder weniger diszipliniertem Verhalten sorgte.

Dann gab es natürlich Geschenke aus dem großen Sack, und beschenkt wurden außer mir noch Christl, meine Cousine, Dietmar, der Nachbarssohn, Tante Traudl, meine Patentante (Ehefrau von Onkel Ewald, dem Nikolaus) und Omi, meine Großmutter, Mutter von Onkel Ewald und meiner Mutti.

Zu Schluss wurde meiner Mutter noch die Rute überreicht, „für alle Fälle“. 1958 war man noch weit von antiautoritärer Erziehung entfernt. Ich denke aber, dass es mir letztendlich nicht geschadet hat.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Anhören des Geschehens rund um den Nikolaus und Peter Totzauer Bernd vom 6.12.1958!

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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