Eine kleine Schneegeschichte …


Auf dem Nachhauseweg von der Weihnachtsfeier

Am Montagabend war die Weihnachtsfeier vom Amrumer Shantychor. Es war ein geselliges und feuchtfröhliches Fest mit leckerem Essen und viel Gesang, traditionsgemäß bei André in der Post. Als zu etwas fortgeschrittener Stunde die Raucher mal kurz vor der Tür waren, kamen sie mit der Meldung „es schneit!“ zurück ins Warme. Und als ich mich kurz vor Mitternacht auf den Nachhauseweg machte, bin ich durch eine wundervolle Schneelandschaft gegangen.

Verschneiter Zugang zum Haus

Zuhause angekommen (der Weg war nicht weit) war der Zugang zu unserem Haus und zur Praxis gut 2 cm hoch mit lockerem Pulverschnee bedeckt.  Es schneite auch nicht mehr, und in der Meinung, dass keine weiteren Schneefälle mehr kommen würden, machte ich mich gleich ans Schneeschippen. Eigentlich war es mehr ein Schneefegen, denn die weiße Pracht ließ sich tatsächlich rasch mit einem Straßenbesen beseitigen und ich begab mich zufrieden ins Bett, in der Hoffnung lange schlafen zu können. Dem war aber nicht so. Um 6:00 Uhr weckte mich Claudia, meine liebe Ehefrau, mit den Worten „Schaaatz, es hat geschneit. Kannst Du bitte Schneeräumen gehen?“. Natürlich habe ich ihr diesen Wunsch prompt erfüllt. Erneut konnte ich den Zugang zum Haus wieder mit dem Besen vom Schnee befreien, und auch wenn es noch dunkel war, die körperliche Tätigkeit an der frischen Luft hat erst gar keine Katerstimmung aufkommen lassen. Dennoch bin ich danach noch mal ins Bett gekrochen, als Rentner kann ich mir so etwas erlauben. Claudia hingegen musste ja in die Praxis.

Auf dem Geestrücken

Tief geschlafen habe ich aber nicht mehr, und als es nach dem Frühstück so gegen 9:00 Uhr endlich etwas heller wurde habe ich unseren „Leihhund“ Wilma geholt um einen schönen Winterspaziergang zu machen. Erst musste ich aber erneut den Weg freikehren, zum dritten Mal, es hatte weiter geschneit. Der Spaziergang führte mich mit Wilma über Süddorf, dort ein Stück durch die Dünen, weiter durch den Wald und über die Inselstraße, am Hof Martinen vorbei über den Geestrücken wieder nach Nebel. Die Durchgangsstraßen waren geräumt, an den Nebenwegen, da wo Autos den Schnee festgefahren hatten, war es aber teilweise schon rutschig. Mit gutem Schuhwerk und beim Laufen im lockeren Schnee war ich aber trittfest. Es knirschte regelrecht bei jedem Schritt unter den Wanderstiefeln. Ich konnte mich gar nicht mehr so recht daran erinnern, wann ich dieses Geräusch zuletzt so wahrgenommen hatte. Erinnerungen an meine Kindheit, die ich einige Jahre in Landsberg am Lech in Bayern verbracht hatte, wurden wach. Auch wenn der Himmel über Amrum an diesem Tag sehr trüb und grau war, und es immer wieder ein wenig schneite, konnte ich mich an der herrlichen Winterlandschaft erfreuen. Reetdachhäuser mit Puderzuckerüberguss haben auch einen ganz besonderen Reiz!

Reetdach mit Puderzucker

Leider hat die  weiße Pracht nicht lange angehalten. Nach dem Mittagessen habe ich mich aufs Sofa gelegt, ich war dann doch etwas müde. So gegen 14:30 Uhr wurde ich wach, weil plötzlich heftiger Regen gegen die Fenster prasselte. Die Temperaturen waren knapp über den Gefrierpunkt angestiegen und ein Großteil des Schnees wurde weggespült. Jetzt war es an vielen Stellen glitschig, so dass wir auf dem Zugang zur Praxis Sand streuen mussten, damit niemand Gefahr lief auszurutschen. Ich bin dann noch mal schnell durch den Matsch zum Bäcker gegangen, da schneite es schon wieder und ich fand es amüsant, dass mir dabei ausgerechnet noch der „Bofrost-Laster“ begegnete.

Froh wieder zuhause zu sein konnte ich dann zum Abschluss dieses Amrumer Wintertages auch noch um 16:00 Uhr (!) einen Sonnenuntergang aus unserem Wohnzimmerfenster beobachten. Ein Blick aus dem Küchenfenster um 17:30 Uhr (bei völliger Dunkelheit) zeigte keinen weiteren Schneefall, allerdings war in der Ferne ein Donnergrollen zu hören und in Richtung Föhr waren Blitze auszumachen. Ich entschloss mich nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Gespannt war ich aber darauf wie ich wohl am nächsten Morgen von meiner Frau geweckt werden würde.

Es sind nicht mehr so viele Tage bis zur längsten Nacht des Jahres. Am 21.12. ist der Tag der Wintersonnenwende, danach werden die Tage allmählich wieder länger. Gott sei Dank. Ich kann es kaum mehr erwarten. Und gespannt bin ich, ob es endlich mal wieder „Weiße Weihnachten“ gibt. Da glaube ich allerdings nicht so recht daran.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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