Amrum Originale …


Gönnen Sie sich zu Weihnachten ein Kunstwerk. Diesen Gedanken wollte ich Ihnen schon lange ans Herz legen und in unserem Adventskalender drei Originale von Amrumer Kunstschaffenden präsentieren. In diesem Jahr hat es geklappt. Frei nach dem Motto „Es lebe die Vielfalt!“ hatte ich drei freiberufliche Amrumer Künstler*innen gebeten, eines ihrer Werke auszusuchen und vorzustellen. Ich traf Anna Susanne Jahn, Matthias Menk und Kai Quedens zusammen in Annas schönem, lichtdurchfluteten Atelier im Alten Pastorat in Nebel.

Matthias Menk. Frau mit orangenem Strickpulli. Keramik/Holz. Figur 40 x 20 cm (mit Holz 45 x 32 cm, Höhe 26 cm) 690,- Euro

Matthias Menk brachte eine Strandschönheit mit ins Alte Pastorat. „Auf dieses Holz vom Strand musste ich einfach eine Figur setzen!“, erinnert sich der Nebler Keramik-Künstler an den Ursprung seiner Idee zur „Frau mit orangenem Strickpulli“. Sie ist seine November-Schönheit im neuen Kalender. Passt sie nicht gut in die Herbstzeit? Strickmuster könne man keramisch gut umsetzen, indem man das Holz rhythmisch in den Ton drücke. Dem Grau des Novembers habe er die Farbe hinzugefügt, eine gewagte Kombination verschiedener Rottöne, erklärt der Künstler, der als Keramiker drinnen und als Fotograf draußen arbeitet. Auf seinem Foto der Strandschönheit im orangenen Strickpulli scheint die warm Angezogene an einem Baumstamm zu lehnen und sich von der Novembersonne streicheln zu lassen. Sie habe Freude am Winter. Vom Wetter lässt sich die Schöne nicht unterkriegen – ebenso wenig wie ihr Fotograf. Letztes Jahr im November wurde der beim Foto-Shooting mit seiner Figur von einem heftigen Regenschauer auf dem Kniepsand überrascht. „Erst zogen diese wunderschönen grauen Wolken über die Dünen an der Himmelsleiter in Norddorf, aber Du weißt ja nie, wie lange das so bleibt. Plötzlich fing es an zu regnen. Keine Strandkörbe mehr draußen, kein Schutz weit und breit außer der Noppenfolie von der Keramikfigur. Lohnt es sich zu warten? Reißt der Himmel noch auf? Als Fotograf muss man das aushalten. Geduld ist gefragt. Dann kam plötzlich die Sonne heraus und warf ihre Strahlen auf die Figur. Ich habe sie direkt nach dem Schauer fotografiert, lag auf dem Bauch. In der frischen Pfütze spiegelten sich die Wolken.“

Anna Susanne Jahn. September-Stillleben. Aquarell. 28,5 x 38, 5 cm. € 890,- ohne Rahmen (gerahmt 50 x 60 cm:  € 975,-)

Anna Susanne Jahn hat ihr „September-Stillleben“ für uns ausgewählt. Eine wahre Vielfalt an Früchten, Farben, Formen. „Das sind alles echte Amrumer Früchte, zum Teil dem Verfall durch Ernte vorübergehend entzogen“, scherzt die Nebler Künstlerin, die auch eine leidenschaftliche Gärtnerin ist, und meint den kleinen, verfaulenden Weihnachtsapfel auf ihrem Stillleben. Sie habe Freude am Glanz und an den Strukturen, auch an den matten Oberflächen. Die purpurroten Cousinots auf dem Bild seien eine ganz alte Apfelsorte. Sie stammten wie der Brombeerzweig und die Pflaumen aus dem eigenen, die Birne aus Nachbarinnens Garten. „Den Weihnachtsäpfelchen kann man den ganzen Sommer beim Erröten zugucken, und die Feder, die ist von den Fasanen, die bei uns wohnen. Ab und zu schenken sie uns ein Federchen; dafür plündern sie unsere Stachelbeeren“, sagt Anna Susanne Jahn mit dem ihr eigenen Humor. Ihren meisterlichen Aquarell-Stillleben entkommt wirklich nichts, was drinnen oder draußen künstlerisch interessant ist. Sie brauche ja nur einmal durch den Garten zu laufen und habe gleich eine Schatzkiste voll. „Ich kann jetzt die Ernte einfahren im übertragenen Sinn“, freut sich die Künstlerin. Nach langen Jahren des unermüdlichen Lernens und Arbeitens habe sie so gut wie keinen Ausschuss mehr. Das September-Gefühl sei auch eines der Erfüllung, das Glück in sich selbst, doch die Ernte berge den Verfall schon in sich. Ein Hauch von Vanitas, aber ohne erhobenen Zeigefinger und gar nicht eitel.

Kai Quedens. Maria und Josef waren auch Flüchtlinge. Eitempera. 50 x 60 cm. Das Bild ist nicht für den Verkauf bestimmt.

Kai Quedens nahm das Motto „Es lebe die Vielfalt!“ wörtlich und hatte zwei ganz unterschiedliche Gemälde im Gepäck. Er malt fast immer draußen und findet seine Motive vorwiegend an den weiten Küsten des Nordwestens, ob in Norddeutschland oder der Bretagne, der Heimat seiner Frau. Doch neben einer Amrumer Landschaft in kräftigen Temperafarben hatte das Multitalent aus Norddorf – (Kai ist auch ein humoriger Erzähler friesischer Geschichten) – ein neues Portrait im Gepäck: das Bildnis einer Unbekannten mit Kind. „Das passt doch in die Zeit“, erklärt er seine Auswahl und gibt seinem Bild spontan den Titel „Maria und Josef waren auch Flüchtlinge“. Er hat das Marienmotiv vor etwa zwei Monaten gemalt, von einer Fotografie inspiriert. „Ich glaube, ich habe das Foto im Artikel einer Wochenzeitschrift aus Hamburg gesehen“, meint sich der Künstler zu erinnern, „eine Mutter mit Kind in einer Gruppe wartender Menschen auf der Flucht. Es waren noch mehr Personen auf dem Foto.“ Er hat es aus der Perspektive des Vaters gemalt, ganz auf das Wesentliche reduziert: die Mutter in Innigkeit mit dem Baby auf einer Bank, müde und erschöpft, ein kleines Gepäckstück unweit von sich. Im Warteraum eines Bahnhofs? Eine Frau mit ihrem Kind im Wartezustand, auf sich zurückgeworfen. Eitempera in gedeckten Tönen, die beinah pastellartig wirken.

Sie möchten sich zu Weihnachten mit einem Original Kunstwerk beschenken?

Ein gerahmtes Original-Aquarell von Anna Susanne Jahn kostet etwa 980 Euro, eine Original-Strandschönheit von Matthias Menk bekommen Sie ab 600 Euro, und der Preis für ein Original von Kai Quedens hängt von der Größe der Gemälde ab (die kleinsten Formate ab 600 Euro aufwärts).

Es lebe die Vielfalt! Kai Quedens, Anna Susanne Jahn und Matthias Menk (v.l.n.r.)

Die drei vorgestellten Künstler*innen bieten auch wunderbare Drucke ihrer Werke an, sei es als Postkarten oder Briefbögen, in Kalendern oder als hochwertig gedruckte Reproduktionen. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf ihre Internet-Seiten oder schauen Sie persönlich vorbei. Hier die Adressen:

Anna Susanne Jahn: http://www.anna-susanne-jahn.de/

Vor Ort Atelier & Galerie im Alten Pastorat, Smäswai 4 in Nebel auf Amrum

Matthias Menk: https://www.strandschoenheiten.com/
Vor Ort im Hoonwerk, Uasterstigh 9a in Nebel auf Amrum. Die Vernissage der neuen Strandschönheiten für den Jahreskalender findet immer im September statt.
Kai Quedens: http://www.kai-quedens.de/
Vor Ort in der Buchhandlung & Galerie im Gemeindehaus Norddorf auf Amrum, Henershuuch 5
Bezug über Galerie Gerdsen und ars mundi:
https://www.galerie-gerdsen.de/zeitgenossen/kai-quedens/
https://www.arsmundi.de/kuenstler/quedens-kai/

Print Friendly, PDF & Email

Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

schon gelesen?

Neuordnung des Katastrophenschutz-Planes für die Inseln Föhr und Amrum …

Der sog. „Katastrophenschutz“ wurde mit Beendigung des „Kalten Krieges“ nach der Deutschen Wiedervereinigung und durch …

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com