Alle Jahre wieder…


Bild 1: Der Deutschunterricht von links nach rechts: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Der Erlkönig, Pidder Lüng, Trutz Blanke Hans, Der Zauberlehrling, Der Totentanz und vorne Der Panther und unsere Deutschlehrerin

Kommt nach Weihnachten die Hulken-Zeit – eine meiner liebsten Zeiten hier auf Amrum. Ich gehe seit ich denken kann an Silvester Hulken, früher noch mit meinen Eltern und dann über die Jahre hinweg mit vielen Freund*innen. Für mich gibt es keine schönere Tradition als sich Silvester mit Freund*innen zu verabreden, sich gemeinsam zu verkleiden und zu all unseren Bekannten zu gehen und ihnen einen guten Rutsch und „a seegent nei juar“ zu wünschen.

Anders als man vielleicht glauben mag oder es früher der Fall war, steckt in den Kostümen und in den Ideen viel Arbeit. Das frühere „Hulkkiste“ am Abend des 31. Dezembers öffne, sich eine Kostümierung schnappen die da ist und los geht’s, trifft zumindest auf meine Hulkgruppe nicht zu. Wir haben meist bereits während des Hulkens oder Rummelpottlaufen, wie es auf dem Festland heißt, eine Idee fürs nächste Jahr. Diese Idee reift dann das ganze Jahr über aus und spätestens ab Ende November beginnt dann die Planung: Was brauchen wir an Material, wer ist dieses Jahr überhaupt dabei, ist die Idee umsetzbar und die ganz große Frage, die alle Vorbereitungen in letzter Sekunde zerstören kann… wie wird wohl das Wetter?

Die leuchtenden Quallen vom letzten Jahr …

Die Idee unseres Hulkthemas in diesem Jahr geht bereits ins Jahr 2020 und auf Corona zurück. Da die Schule so oft ausgefallen war, wollten wir den Deutschunterricht in Form von Balladen in die Wohnzimmer bringen. Leider fiel zum Jahreswechsel 2020/2021 das Hulken durch Corona komplett aus. Auch zum Jahreswechsel 2021/2022 trafen uns Hulken die Coronaeinschränkungen noch sehr stark, weshalb wir entschieden auch das Jahr nicht in die Häuser zu gehen. Wir sind stattdessen als leuchtende Quallen vor den Fenstern unterwegs gewesen – Hulken light, wenn man so will.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Dieses Jahr war es dann endlich soweit und wir konnten unsere Hulkidee von 2020 umsetzten. Die grobe Planung stand bereits. Wir wollten Maleranzüge passend zu den Balladen, die wir darstellen wollten, anmalen. Die Planung nahm im Dezember ihren Lauf, wir besorgten Anzüge, Farben und tauschten Ideen aus. Das Problem ist ja oftmals, dass man bereits vor Weihnachten alles zusammen haben muss, da zwischen den Tagen nicht mehr genug Zeit ist, um weitere Materialien zu besorgen oder zu bestellen. Bei uns in der Gruppe halten wir uns die Tage zwischen Weihnachten und Silvester traditionell zum Basteln der Kostüme frei. Das kann schon mal mehrere Tage in Anspruch nehmen. Dieses Jahr waren die Kostüme mal etwas simpler und es musste mal nicht genäht werden, sondern es wurde „nur“ viel gemalt.

Normalerweise geht es dann am 31. Dezember ab Nachmittag in die heiße Phase mit schminken und schnell noch Dinge mit Heißkleber an Kostümen befestigen. Dieses Jahr sah das ganz anders aus. Die Anzüge waren alle fertig und wir konnten ganz entspannt gemeinsam essen und uns eine Grundlage aufbauen. Die Schnäpse die an dem Abend noch getrunken würden, sollten schließlich nicht auf einen leeren Magen treffen. Gegen 19 Uhr kommen wir dann in der Regel spätestens los. Je nach Lust und Laune geht es dann zunächst mit dem Auto nach Steenodde oder Wittdün für die ersten Häuser, bevor die Autos dann in Süddorf abgestellt werden, um die Häuser dort und in Nebel zu Fuß abzuklappern.

Ein Foto von den wenigen Hulken, die dieses Jahr unterwegs waren …
©Ralf Hoffmann

Ich kann mich in den letzten 20 Jahren an kein Jahr erinnern, an dem das Wetter so schlecht war, wie in diesem Jahr. Wir waren ganz froh, dass wir die erste Zeit mit dem Auto unterwegs waren und so etwas Schutz vor dem Schietwetter hatten. Glücklicherweise waren unsere Anzüge zumindest die ersten ein bis zwei Stunden wasserfest. Leider hat das Wetter wohl vielen anderen Hulken die Laune verdorben loszugehen. Normalerweise ist vor allem die Begegnung zwischen den unterschiedlichen Gruppen ein Highlight des Abends. Dieses Jahr sind uns leider so gut wie keine anderen Hulken begegnet. Trotzdem ist es immer wieder eine Freude als Hulk die Häuser der Insel unsicher zu machen. Auch das obligatorische Treffen um 12 Uhr vor der Kirche in Nebel fiel weniger bunt aus als in den Jahren vor Corona.

Trotz der ungünstigen Bedingungen nach mehreren Jahren Corona-Pause und dem Wetter in diesem Jahr kann ich nur sagen, dass ich mich schon wieder aufs nächste Jahr freue. Ich hoffe dann begegnen uns auch wieder mehr Hulken auf der Straße, die Lust haben diese einzigartige Tradition aufrecht zu erhalten, denn wo ist es sonst schon normal an Silvester ohne zu klingeln in fremde Häuser zu gehen und als Belohnung dafür auch noch was zu Naschen oder Schnaps zu bekommen. In diesem Sinne „a seegent nei juar“ und wir sehen uns im nächsten Jahr wieder verkleidet auf den Amrumer Straßen.

 

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Über Rieke Lückel

Rieke Lückel wurde 1995 in Wittdün auf Amrum geboren und hat hier ihre Kindheit und Jugend verbracht. Nach dem Abitur in Dänemark verbrachte sie ein Jahr in Neuseeland und arbeitete dort für Amnesty International, um im Anschluss ein Ethnologie und Politikwissenschafts Studium in Hamburg zu beginnen. Durch die langen Semesterferien verbringt Rieke meist den ganzen Sommer auf Amrum, um ihren Bruder bei SUP Amrum in Wittdün zu unterstützen. Bereits 2010 schrieb sie einen Artikel für AmrumNews und nun 10 Jahre und viele Uni-Hausarbeiten später möchte sie sich erneut den journalistischen Herausforderungen stellen.

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