Aktionstag der Apotheken auch auf Amrum …


Apothekerin Julia Kruggel mit ihrem Team, Iris Aschenbrenner und Julia Kosthorst von der Louisen Apotheke in Wittdün informierten.

Auch die beiden Amrumer Apotheken haben am gestrigen Dienstagvormittag am Aktionstag des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein teilgenommen. Beide Apotheken blieben bis zum Nachmittag für den Besucherverkehr geschlossen. Potentiellen Kunden wurde der Sinn und Zweck dieser Aktion in Informationsgesprächen nahegebracht. Ein Notdienst wurde aufrechterhalten, Patienten mit tagesaktuellen ärztlichen Rezepten, bzw. Schmerzpatienten, wurden bedient, alle anderen auf den Nachmittag vertröstet.

„Stellen Sie sich vor uns gäbe es nicht mehr, was würden Sie dann machen?“ So versuchte die Wittdüner Apothekerin, Julia Kruggel, zu Beginn der Gespräche ihre abgewiesene Kundschaft zu informieren.

Tatsache ist, dass immer mehr öffentliche Apotheken in Schleswig-Holstein ihren Betrieb schließen und somit eine Unterversorgung der Bevölkerung mit Medikamenten droht. Gab es 2008, also vor 15 Jahren, noch 739 Apotheken in Schleswig-Holstein, sind es aktuell nur noch 529. Somit ist jeder 5. Standort innerhalb der letzten Jahre verloren gegangen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein Großteil der betreibenden Apotheker hat die Altersgrenze erreicht, Nachfolger sind kaum zu finden. Kaum noch ein Hochschulabsolvent wagt den Sprung in eine Niederlassung. Ein kostendeckendes Arbeiten ist nur schwer möglich, die wirtschaftliche Perspektive fehlt. Personalkosten, Einkaufspreise, Nebenkosten, Inflationsrate, alles ist enorm angestiegen. Die letzte Honorarsteigerung hat vor 10 Jahren stattgefunden, hingegen ist der Apothekenabschlag, den Apotheken für jedes auf einem Kassenrezept verordneten Medikament an die gesetzlichen Krankenkassen abgeben müssen, von 1,77 € auf 2,00 € erhöht worden. Damit kann keine Apotheke den Betrieb mehr im Sinne des ursprünglichen Auftrags, der Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten, aufrechterhalten. Nicht von ungefähr umfasst das Sortiment einer Apotheke schon lange nicht nur Medikamente. Hygieneartikel, Kosmetika und viele andere Dinge des täglichen Gebrauchs sind erhältlich.

Die Apotheke blieb zu. Apothekerin Sibylle Franz von der Möwenapotheke in Norddorf.

„Ein weiteres großes Dilemma ist der ewige Bürokratismus!“ beklagt die Norddorfer Apothekerin, Sibylle Franz. Derzeit ist sie täglich bis zu 2 Stunden mit Büroarbeit beschäftigt. Insbesondere die aktuelle Lage mit Lieferengpässen bei vielen gängigen Medikamenten bedeutet einen enormen Zeit- und auch finanziellen Aufwand. So fordert der Apothekerverband hier eine finanzielle Entschädigung durch einen sog. „Engpass-Ausgleich“ ebenso wie eine Reduzierung bzw. Abschaffung des „Retaxationsverfahrens“. Dieses erlaubt den Krankenkassen die Verweigerung der Erstattung eines bereits abgegebenen Arzneimittels bei Formfehlern auf einem Rezept, auch wenn der Fehler nicht durch die Apotheke verursacht wurde, und dies sogar rückwirkend für 2 Jahre.

Auf einem Aktionsplakat des Apothekerverbandes steht:

Wir hängen uns rein, die Regierung lässt uns hängen. Wir machen alles möglich, um Patientinnen und Patienten trotz Lieferengpässen mit lebensnotwendigen Medikamenten zu versorgen. Das Mindeste, das wir dafür brauchen, sind einfache Regeln und ein faires Honorar. Hierzu erwarten wir von der Regierung größtmögliche Unterstützung.

„Die goldenen Zeiten einer Apotheke sind schon lange vorbei! Jetzt geht es um die Existenz! Wir wollen auch in Zukunft für die Amrumer und ihrer Gäste da sein, dafür brauchen wir Unterstützung!“

So ist auch der einhellige Tenor der beiden Amrumer Apotheken.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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