Baumfällarbeiten geben Rätsel auf …


Das WSA-Grundstück

Beim Gewerbegebiet Süddorf sieht man gerade den Wald vor Bäumen nicht mehr. Nicht, weil das dichte Fichtendickicht den Blick versperrt. Im Gegenteil: Man kann den Wald an der Kurve nach Süddorf nicht mehr ausfindig machen. Vergangene Woche fanden hier umfangreiche Fällungen statt. Übrig geblieben ist nur ein karger Bestand aus zarten Birkenstämmchen. Ansonsten viel Mulch und Gehölz. Was ist hier passiert?

Ein Anruf bei der Gemeinde Nebel verrät: Das ist keine Gemeindefläche. Dieses kleine Stück Land gehört dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), das auch für den Leuchtturm gegenüber zuständig ist. Versuchen wir es also dort.

Björn Beiß, Wasserbaumeister und derzeit stellvertretend als Außenbezirksleiter tätig, kann Licht ins ehemalige Dunkel bringen: “Die Pappeln waren krank.” Vor allem die älteren Bäume seien von einem Pilz befallen gewesen, der die Baumkronen von oben her absterben lässt. Dies war bei der jährlichen Begehung der Flächen mit dem Bundesförster aufgefallen. “Im letzten Jahr schon waren die ersten Bäume von dem Pilz befallen. Da wurden bereits die oberen anderthalb bis zwei Meter von den Kronen weggefressen. Da hätten wir eigentlich schon tätig werden müssen, haben das aber schlichtweg nicht geschafft.” Mittlerweile hatte es die oberen vier Meter ereilt – da mahnte der Förster schließlich zum Handeln. Also organisierte Beiß einen Forstmulcher und ließ innerhalb kurzer Zeit die kranken Bäume entfernen. “Das war vor allem im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht notwendig”, sagt er. Denn die betroffenen Bäume standen direkt an der Straße und hätten ohne Vorwarnung – und gerade bei den derzeit herrschenden Stürmen – unangekündigt auf die Fahrbahn krachen können. Eine Gefahr, die es unbedingt zu vermeiden galt.

Nun klafft dort eine große Leere. Sind Aufforstungen geplant? “Erstmal nicht”, räumt Beiß ein, “aber da sind noch ganz viele junge Triebe auf der Fläche, die werden in den nächsten Jahren das Landstück wieder verdichten.”

Doch was ist das für ein Pilz, der so zahlreich und aggressiv Bäume befällt? Cryptodiaporthe populea oder auch Rindenbrand nennt sich der Verursacher. Dieser greift vor allem bestimmte Pappelarten an, bevorzugt Schwarzpappeln. Auf dem betroffenen Gelände in Süddorf befinden sich aller Wahrscheinlichkeit nach Hybride aus Schwarz- und Silberpappeln. Das ist auch der Grund, weswegen die Birken und Buchen auf dieser Fläche weiterhin stehen bleiben durften. Begünstigt wird die Verbreitung des Pilzes durch Stressfaktoren wie Trockenheit, Staunässe oder Frost. Die Rinde ist dadurch nicht ausreichend abwehrbereit und erkrankt schneller. Auf Amrum wird vor allem die Trockenheit der letzten Jahre den Pilz befördert haben.

Eine Frage bleibt zum Schluss. Wieso gehört diese Fläche am Beginn des Süddorfer Gewerbegebiets eigentlich zum WSA, während der Rest in Gemeindehand ist? “Das hat historische Gründe”, erklärt Beiß. “Früher, als der Leuchtturm errichtet wurde, gab es hier noch keinen Wald und keine Straße. Da war das alles Dünenlandschaft. Und damit der Leuchtturm stets gut sichtbar ist, muss das Gelände um ihn herum frei von Sand und Dünenbepflanzung gehalten werden. Da hat man damals also einfach großflächig ein Gebiet eingekreist, das seitdem in den Zuständigkeitsbereich des WSA fällt.”

Weitere Baumfällungen, die aufgrund der Verkehrssicherungspflicht durchgeführt wurden, sind übrigens entlang des Radweges auf Höhe der Blauen Maus zu sehen. Dies allerdings ist nun wirklich Gemeindeland.

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Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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One comment

  1. Der Vollständigkeit halber, und für jene die nie in Richtung Norddorf kommen: Seit mehreren Tagen wird dort auch gefällt, gelichtet oder was auch immer. Aufgefallen ist mir das im Waldstreifen zwischen Sjüürenwai und Luunstruat bis hoch über Onkel Tom’s Hütte in die Kurve hinein. Aber, Ist der Grund der gleiche, Kranke Bäume? KM.

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