Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) auf Amrum …


Nördlich des Amrum Spa in Wittdün soll das neue Gesundheitszentrum entstehen

Seit einigen Wochen planen zwei Arbeitsgruppen aus Mitgliedern der drei Amrumer Gemeindevertretungen intensiv an der zukünftigen medizinischen Versorgung  auf Amrum. Unter Mithilfe des Amtes Föhr Amrum und eines Beraters für Ärztliche Versorgung (Harald Stender) werden die Randbedingungen für ein zukünftiges kommunales hausärztliches Medizinisches Versorgungszentrum erarbeitet. Eine dieser Arbeitsgruppen befasst sich mit allen Fragen rund um das Gebäude (Lage, Größe, Finanzierung) und eine zweite Gruppe mit den organisatorischen Randbedingungen (Kassenärztliche Zulassung, Trägerschaft, Abrechnung).

Nach der jetzigen Planung wird das neue Gebäude voraussichtlich in der Gemeinde Wittdün direkt nördlich des Wittdüner Badelandes gebaut werden. Aufgrund der baurechtlichen Gegebenheiten ist an dieser Stelle eine zeitnahe Umsetzung am schnellsten möglich. Die Planung sieht vor, an dieser Stelle ein „Gesundheitszentrum“ zu errichten. Neben dem Hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrum ist auch eine zusätzliche Nutzung verschiedener Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen und der sozialen Arbeit denkbar. Hierfür läuft zurzeit ein Interessenbekundungsverfahren. Ein Zahnarzt vom Festland hat bereits sein Interesse bekundet, hier eine Zahnarztpraxis zu eröffnen.

Der finanzielle Aufwand zur Errichtung dieses Gesundheitszentrums wird sicherlich nur durch die drei Amrumer Gemeinden gemeinsam getragen werden können.  Ob dieses im Rahmen bereits vorhandener Organisationen (z.B.  Zweckverband Sicherheit und Soziales) oder eines neuen zu gründenden Zweckverbandes sinnvoll ist, wird zurzeit geprüft.

Eine kommunales hausärztliches Medizinisches Versorgungszentrum darf nur von einer Gemeinde betrieben werden. Da das Gebäude in Wittdün gebaut wird, liegt nahe, dass die Gemeinde Wittdün dieses übernehmen wird. Üblicherweise wird hierfür eine GmbH oder eine gGmbH gegründet. Diese kauft dann das notwendige Management sowie die betriebswirtschaftliche Abwicklung als Dienstleistung ein (Abrechnung mit den Krankenkassen, Personalangelegenheiten, Arbeitsverträge, Steuern). Die Hausärzte sind in dieser Konstellation Angestellte, die nach entsprechenden Tarifverträgen entlohnt werden. Inwieweit all dieses von der Gemeinde Wittdün tragbar ist, muss geprüft werden und letztendlich hat auch die Kommunalaufsicht den Vorschlag zu bewerten. Hierbei wird es sicherlich entscheidend sein, inwieweit sich die Gemeinden Nebel und Norddorf an den Kosten und Risiken beteiligen.

Die Praxis an der Mühle in Nebel

In den vergangenen Jahren ist es zunehmend schwieriger geworden, Ärzte zu finden, die eine Hausarztpraxis betreiben möchten. Schon seit Jahren hat Amrums Ärztin Claudia Derichs (Praxis an der Mühle) vergeblich versucht, Kollegen davon zu überzeugen, nach Amrum zu wechseln, um hier als Hausarzt/Hausärztin tätig zu werden.

Neben den etwa 2400 Einwohnern auf Amrum sind in den Sommermonaten zusätzlich 10.000 Urlauber zu betreuen. Hierfür gibt es drei Kassenarztsitze, einen in der Praxis Breymann in Norddorf und zwei in der Praxis an der Mühle in Nebel (zweite Stelle wegen hoher Patientenanzahl insbesondere im Sommer). Zusätzlich gibt es in der Praxis an der Mühle noch eine weitere Stelle für Ärzte/innen in der Facharztweiterbildung zum Allgemeinmediziner.

Die Planungen für das MVZ gehen von Räumlichkeiten für 4 Ärzte aus. Damit das MVZ betrieben werden kann und die Ärzte/innen angestellt werden können, müssten sie zum Zwecke der Anstellung auf ihre hausärztliche/kassenärztliche  Tätigkeit verzichten und das MVZ beantragt gleichzeitig die Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung.  Ob und wann die Amrumer Ärzte/innen dieses in Anspruch nehmen möchten, ist auch Teil der zurzeit laufenden Gespräche.

In Schleswig-Holstein gibt es bereits 9 laufende MVZ, unter anderem auf Helgoland und Pellworm. Auch im medizinischen Sektor gewinnt Worklife-Balance zunehmend an Bedeutung. Viele junge Medizinerinnen und Mediziner scheuen das Risiko und die Arbeitsbelastung von freien niedergelassenen Ärzten und möchten ihren Beruf lieber in einem Angestelltenverhältnis ausüben. MVZ sind dafür seit vielen Jahren eine attraktive Form der Berufsausübung, zumal eine Tätigkeit dort häufig auch mit flexibleren Arbeitszeiten verbunden ist.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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