Der Öömrang Ferian i.f. feiert 50 Jahre Jubiläum


 

Am 25.05.24 feiert der Öömrang Ferian i.f. sein 50-jähriges Jubiläum. Seit 50 Jahren ist Jens Quedens der 1. Vorsitzende des Öömrang Ferians i.f., des Amrumer Vereins. Der Verein wurde 1974 als Gesellschaftsverein gegründet. Inspiriert von der Idee seiner Tante,  leistet Herr Jens Quedens seit über 50 Jahren für den Amrumer Verein herausragende Arbeit zur Erhaltung der Kultur, Sprache, Geschichte und Natur Amrums. Seine Tante hatte sich beklagt, dass sich niemand für die Interessen und Belange der Amrumer*innen einsetzt, wohl aber für die Gäste der Insel viel gemacht wurde. Diese Beschwerde hat einen Stein ins Rollen gebracht, der vieles ausgelöst hat und das kann nun einmal getrost gefeiert werden.

Herr Jens Quedens eröffnet um 12:30 Uhr vor dem Öömrang Hüs die Festivitäten mit einer Rede. In dieser quittiert er den Umstand, dass er auch seit 50 Jahren der 1. Vorsitzende des Vereins ist mit: „Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass der erste Vorsitzende, wie der Papst auf Lebenszeit gewählt wird.“, und produziert damit Gelächter und Geschmunzel in der Menge. Danach möchten viele der Gäste ein Grußwort sprechen. Insgesamt 12 Redner bekommen die Gelegenheit dazu. Viele Worte des Dankes für 50 Jahre Engagement zum Erhalt der friesischen Kultur, der Amrumer Geschichte, Sprache und der Amrumer Natur, erreichen den Verein und damit auch die vielen Ehrenamtlichen und Freiwilligendienstler, die über die Jahre viele 1000 Arbeitsstunden für den Verein geleistet haben. Dankend erwähnt Herr Jens Quedens, dass ohne die vielen Amrum-Liebhaber*innen und Neu-Insulaner*innen die Erfolge des Vereins nicht möglich gewesen wären.

Unter den Rednern ist auch der Minderheitenbeauftragte Johannes Callsen, der vom Ministerpräsidenten Daniel Günther schön grüßen lässt, Michael Kruse, der Chef des Nationalparkamts und Dr. Tordis Batscheider, die stv. Landrätin von Nordfriesland. Herr Michael Kruse, der Leiter das Nationalparkamts stellt einige Daten der Vereinsgeschichte heraus: 1983 übernahm der Amrumer Verein die Schutzgebietsbetreuung; 1988 wurde im Naturzentrum Norddorf die Eröffnung gefeiert; „2008 nahm der Verein endlich die Scheuklappen ab und wurde Nationalpark-Partner.“ 2023 konnte die Wattwerkstatt eröffnet werden.

Der Nationalpark Leiter Herr Michael Kruse schenkt dem Öömrang Ferian i.f. eine Eiche

Treffend bringt Herr Michael Kruse auf den Punkt: „Wir schätzen die akzentuierte Ansprache von Herrn Quedens. Wir nehmen die Anliegen ernst und an der einen oder anderen Stelle entlocken sie uns ein Lächeln.“ Weiter führt er fort: „Wir unterstützen Sie und beglückwünschen das professionelle Auftreten, das auch durch das hauptamtliche Personal möglich wird.“ Charmant endet er mit einem „lütt“ Gastgeschenk, wie er sagt. Es ist eine junge Eiche, die herbeigetragen wird. Jens Quedens weiß sofort einen Platz am Öömrang Hüs für sie. Im Schatten hinter dem Buffet darf sie dann friedlich warten, bis sie ihren neuen Stammplatz mit ihren jungen Wurzeln, gegründet auf dem gemeinsamen Engagement der Vergangenheit und der guten Zusammenarbeit der Zukunft, durchziehen darf.

Der Nachmittagsteil ab 15:00 Uhr wird von Michael Hoff, der Amrum Touristik in Kooperation mit dem Team des Naturzentrums ausgerichtet. Den Auftakt macht der Shanty Chor mit u.a. „The Wellerman“, einem neuseeländischen Walfänger-Song, bei dem das Publikum beim Kampfruf „UH!“ mitmachen darf und dies auf gerne tut.

Die Amrumer Trachtengruppe

Dann tritt die Trachtengruppe auf. Die langen, schönen Röcke wehen über die Tanzfläche. Leicht und anmutig bewegen sich die Tänzerinnen dahin und pflegen mit Stolz ihre Tradition. Dabei ist allein das Anziehen einer Tracht eine Herausforderung. Insgesamt dauert es oft bis zu 1,5 Studen. Um alle Details der Tracht professionell anzulegen braucht man außerdem eine 2. Person, die beim anziehen hilft. An diesem Tag sind tortz des großen Aufwands sehr viele Damen der Föhrer und Amrumer Trachtengruppe von früh morgens bis spät abends bei allen Auftritten dabei. An diesem Nachtmittag wird Herr Jens Quedens von der Trachtengruppe zum Tanz aufgefordert. Als er sich im Anschluss daran bedankt, erklärt er, dass der mit rotem Stoff versehenen Kopfschmuck Auskunft über den Beziehungsstatus der Frau gibt, die diesen trägt. Ohne die faszinierenden Auftritte der Trachtengruppe würde eine lange gepflegte Tradition in Vergessenheit geraten. Erst durch das Engagement der Frauen gelingt es, einen spannender Teil der Amrumer Geschichte und ihrer Tradition zu bewahren.

Im Anschluss an die Trachtengruppe tritt der Amrumer Shanty Chor wieder in Erscheinung und gibt dann die Bühne frei für das Team des Naturzentrums Norddorf. Die Leitung des Naturzentrums, Anna-Theresa Kienitz und drei Personen aus dem diesjährigen Freiwilligen Teams, Kira Lüdtke, Niklas Gentner und Charlotte Latzel, stellen sich und ihre Arbeit vor und verweisen für mehr Informationen auf die zahlreichen Naturführung, die der Öömrang Ferian i.f. im Amrum Aktuell abbildet. Im Hintergrund bieten Felix Deuringer am Stand des Naturzentrums, Leonie Dittmann am Stand des Nationalparks und Annika Emmert am Stand des Kinderprogramms der Amrum Touristik weitere Informationen und Attraktionen an.

Amrumer Kids treten mit einem Breakdance/ Hip Hop Auftritt in Erscheinung

Ein Highlight des Nachmittags ist der Hip-Hop Breakdance Auftritt der „Wellen und Tanz“ Kinder von Agnesa Gashi. Die Bewegungspädagogin hat im Juni 2023 auf Amrum ihre Tanzschule „Wellen und Tanz“ eröffnet, wobei Agnesa Gashi keine eigenen Räumlichkeiten hat, sondern sich für die Proben in unterschiedliche Räumlichkeiten einmietet. Leidenschaftlich gerne animiert die 31-jährige, ihre jungen Tanzschüler*innen dazu, ihre eigenen Impulse und Empfindungen durch den Tanz auszudrücken. Die Kinder Malaika und Ida tanzen sogar ein längeres Solo und sehen dabei wie professionelle Tänzerinnen aus. Auch die Kleinen Tänzer*innen ab 4 Jahren machen mit. Besonders faszinierend ist, dass die Tänzer des Auftritts auch teilweise spontan performen und dabei die Bewegungen aus kreativen Impulsen live entstehen.

Die Zukunft, die Vergangenheit und die Gegenwart alle sind an diesem Nachmittag von den unterschiedlichen Gruppen gleichermaßen repräsentiert und geben zusammen ein rundes, unterhaltsames Bild ab.

Zum Auftakt der Abendveranstaltung in Norddorfer Gemeindehaus (20:00 Uhr) mit geladenen Gästen von Föhr und Amrum, schallt die Anmoderation locker und entspannt durch den gut gefüllten Saal. Ansprechend moderiert wird der Abend von Karin Simon. Sie läutet den Abend mit dem Nationalgetränk der Föhrer, dem Manhattan, ein, der zuvor mit einer Kirsche und Miniflagge darin auf Tabletts serviert wurde. Denn, so die Devise, ohne Manhattan – auf Föhr keine Party- das hat lange Tradition und so stellt Amrum sich auf seine Föhrer Gästen ein. Der Männergesangsverein Föhr West tritt zu Jens Quedens Ehren nach 10 Jahren zum ersten Mal wieder auf Amrum auf. Alle Stimmen sind melodisch aufeinander abgestimmt. Die meisten Texte sind auf Friesisch. Zu später Stunde fließen Melodien von „The Tokens“, „The lion sleeps tonight“ in der hochdeutschen Übersetzung mit ein.

Der Männergesangsverein Föhr West tritt an der Abendveranstaltung der 50 Jahr Feier des Öömrang Ferians auf

Gegen 21:00 Uhr tritt Keike Faltings mit musikalischer Untermalung ihres Gesangs auf der Gitarre von Nils Angus, auf. Die Klänge erreichten noch einmal eine weitere emotionale Tiefe und verzaubern auch den Männergesangsverein Föhr West, der im Anschluss wie als Antwort noch stimmungsvoller singt. Keike Falting letztes Lied mit dem Titel „Halag inj“ (Übersetzt Feierabend) berührt die Herzen im Saal besonders und lässt in der kurzen Umbaupause vor dem Friesen-Sketch Luft für ein paar tiefe Seufzer in Erinnerung an vergangene Tage, die heute so klar und deutlich wie sonst nie, aus den Tiefen des Gedächtnisses erwachen.

Vor dem Sketch animiert Marret Dethlefsen, die Leiterin der Amrumer Trachtengruppe zum gemeinsamen Gesang der Amrumer Nationalhymne. „Dü min tüs min Öömrang lun“, klingt es aus allen Mündern durch den Saal und hört sich getragen von den guten Sängern im Raum überraschend harmonisch an.

Im Sketch nach dem Vorbild von Loriots „Eheberatung“ werden die Besonderheiten des Küssenverlernens in langer Ehe einmal ganz friesisch aufs Korn genommen. Das Ehepaar Blöhmann wird gespielt vom Ehepaar Steffi und Thorsten Wollny. Kinka Tadsen spielt die Psychologin, die versucht daß sich das Ehepaar wieder nähert  und mit Hilfe einer selbst konstruierten Kussmaschine neue Ehefreuden erlebt. Der Saal bricht aus in schallendes Gelächter, als sie am Ende selbst den Kussmund-Dummie mit leidenschaftlichen Küssen bedeckt, nachdem ihre schwer therapiebaren Patient*innen endlich gegangen sind.

Am Ende schwingt noch einmal die Trachtengruppe ihre langen Röcke über die Bühne und tanzen den Swinger, den Keike Faltings auf ihrer Geige begleitet hat. Zwischendurch gibt es zur Stärkung eine Kartoffel-Lauch-Suppe mit veganen bis konventionellen Toppings – für alle ist etwas dabei. Wunderschön mutet auch die Tischdeko an, die mit gerollten Papierstreifen in Wellhornschnecken wie ein Glückeks, Sinnsprüche auf Öömrang an neugierige Gäste weiter gibt wie: „Diar san muar lidj uun a butel drinket, üs uun a waas.“ – Es sind mehr Leute in der Flasche ertrunken, als im Wattenmeer; eine kleine Warnung vor der Gefahr des übermäßigen Alkoholkonsums.

Leonie Dittmann informiert während des ganzen Abends über Infostellwände und Flyer des Nationalparks über das Naturgeschehen auf der Insel. Beim späteren gemütlichen Beisammensein, kümmert Jens Quedens sich seelig um seine Gäste und unterhält sich mit vielen alten Freunden, Bekannten und Zugewandten über die guten alten Zeiten, das Jetzt und die Zukunft. Auf dass 50 weitere Jahre Engagement für das Amrumer Friesisch, die Amrumer Kultur und Natur folgen und dabei alle noch ein wenig mehr zusammen rutschen, vereint im gemeinsamen Interesse und verbunden durch gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme.

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Über Anna Kienitz

Anna Kienitz, 1988 geboren, verbrachte die ersten 18 Jahre ihres Lebens im mittelhessischen Klein-Altenstädten, bevor sich ihr Leben während eines Work and Travel Jahres in Neuseeland schlagartig veränderte. Dem Sog zu fernen Meeren folgend studierte sie Biologie im Bachelor und Küsten- und Meeresmanagement im Master auf Island. Als stellvertretende Leitung einer Meeresschutzstaion arbeitete sie in Südostasien und verbrachte ein Jahr als Umweltwissenschaftlerin beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg. Jetzt hat sie eine abwechslungsreiche Aufgabe und ihren Platz am Meer auf Amrum gefunden. Sie leitet das Naturzentrum in Norddorf und gehört als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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