1,2,3,4… für die Möwen sind wir hier …


Ehrenamtliche Naturschützer leisten einen wichtigen Beitrag zum Vogelschutz auf der Möwenbrutvogelkartierung 2024

Himmelfahrt, was für ein Wochenende; Möwen, soweit das Auge reicht. Wenn man am Ende der Möwenzählung die Augen schließt, dann fliegen sie vor dem inneren Auge immer noch umher. Die Amrumer Dünen, ein riesiges Gebiet und in den Dünentälern, auf den Anhöhen und in den Übergangsbereichen brüten jedes Jahr Hunderte von Möwen. All diese Möwen an einem Wochenende zu zählen wird nur durch die Hilfe der vielen ehemaligen FÖJ und BFDler*innen des Öömrang Ferian i.f., dem jetzigen Team der Schutzstation Wattenmeer auf Amrum, dem Team der Vogelwärter der Odde vom Verein Jordsand, dem LfU und der DLRG Norddorf möglich. Allen voran gilt ein besonderer Dank Leonie Enners, die mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der Vogelkartierung die Einführung in die Zählmethodik übernimmt und dem Landesamt für Umwelt vertreten durch Henning Volmer, der in diesem Jahr eigens für die Möwenbrutvogelkartierung angereist ist.

Die häufigste Möwenart, die in den Amrumer Dünen brütet, ist die Heringsmöwe. Mitten unter den Heringsmöwen brüten meist auch einige Silbermöwen (1-10%). In wenigen Tälern kehrt sich das Bild und die Silbermöwen sind in der Überzahl während unter ihnen auch 2-5% Heringsmöwen brüten. Der Bestand der Silbermöwen scheint über die Jahre weiter zu sinken, während die Zählungen der Heringsmöwen in diesem Jahr einen Anstieg von ca. 2000 Brutpaaren im Vergleich zum Vorjahr zeigten. Insgesamt konnten rund 7650 Heringsmöwenbrutpaare und 400 Silbermöwenbrutpaare festgestellt werden.

Außerdem brüten in einigen Dünentälern Kolonien von Sturmmöwen. Die Sturmmöwe war in diesem Jahr mit rund 1000 Brutpaaren im gesamten Gebiet vertreten. Eine der vielleicht erstaunlichsten Sturmmöwenkolonien brütet auf dem FKK-Zeltplatz. Die Sturmmöwen haben hier ganze Dünenkessel „übernommen“. Der FKK-Zeltplatz hat sich bewusst dazu entschieden, diese Täler den Möwen zu überlassen, um den Gästen eine Erfahrung im Einklang mit der Natur zu ermöglichen. Mit rund 300 Brutpaaren ist die Sturmmöwenkolonie auf dem FKK-Zeltplatz eine der größten Kolonien im NSG „Amrumer Dünen“. Die Sturmmöwen sind hier sehr an Menschen gewöhnt und lassen sich nur schwer von den ehrenamtlichen Naturschützer*innen aufscheuchen, um in der Luft gezählt zu werden. Diese jährliche Störung ist bisher noch nötig, um den Bestand der Möwenbrutvögel zu erfassen. In einigen Jahren wird das Befliegen mit Drohnen und anschließender Auswertung über KI möglicherweise erschwinglich genug sein, um die traditionelle Zählung abzulösen, die in diesem Jahr zum vermutlich 25. Mal durchgeführt wurde.

Dieses Jubiläum muss natürlich mit einem kleinen Lied gefeiert werden, das sich die HBFDlerin Charlotte Latzel auf dem Dünenwanderweg in der Nähe des Zeltplatzes ausdenkt. Damit sorgt sie nach zwei anstrengenden Kartier-Tagen weiterhin für gute Laune und Motivation, die sich mit den schwindenden Kräften langsam zu den Möwen in die Luft aufzuschwingen droht. Charlotte Latzel geht voran und singt vor: „1,2,3,4… für die Möwen sind wir hier.“ Die Öömies wiederholen im Chor ihre Worte: „5,6,7,8… Auf Gelege gib schön acht!… 9 und 10… der Vogelschutz muss weiter gehn`.“

Felix Deuringer zeigt sich als besonders engagierter Möwenschützer und bleibt bis zur letzten Zählung hoch konzentriert. Zum Abschluss überprüft er noch einmal die Karte, ob wirklich alle Dünentäler gezählt sind, erst dann stimmt er in die erleichterte Stimmung nach erfolgreicher, getaner Arbeit ein. Mit einem kleinen Mittags- Snake beendet das Team die ereignisreichen Tage. Komisch, jetzt möchte fast keiner mehr auf der Bank am Wegesrand sitzen, sondern lieber zum Fuße der Dünen auf der Erde. Ob das Team der Natur im Naturschutzgebiet Amrumer Dünen an diesem Wochenende wohl doch viel nähergekommen ist als gedacht? Jedenfalls fühlt sich diese angenehm erschöpfte Naturnähe einfach herrlich an. Gerne wollen alle im nächsten Jahr wieder dabei sein, wenn es heißt, „1,2,3,4 für die Möwen sind wir hier.“. J

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Über Anna Kienitz

Anna Kienitz, 1988 geboren, verbrachte die ersten 18 Jahre ihres Lebens im mittelhessischen Klein-Altenstädten, bevor sich ihr Leben während eines Work and Travel Jahres in Neuseeland schlagartig veränderte. Dem Sog zu fernen Meeren folgend studierte sie Biologie im Bachelor und Küsten- und Meeresmanagement im Master auf Island. Als stellvertretende Leitung einer Meeresschutzstaion arbeitete sie in Südostasien und verbrachte ein Jahr als Umweltwissenschaftlerin beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg. Jetzt hat sie eine abwechslungsreiche Aufgabe und ihren Platz am Meer auf Amrum gefunden. Sie leitet das Naturzentrum in Norddorf und gehört als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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