Nachlese zur 50-Jahr-Jubiläumswoche des Öömrang Ferian …


Dü min tüs min öömrang lun mit dem Amrumer Chor

Am 25. Februar 1974 wurde der Öömrang Ferian i.f. in Norddorf gegründet. Zum Anlaß des 50-jährigen Bestehens fanden vom 25. bis 31. Mai inselweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Neben den üblichen Veranstaltungen, z.B. Führungen im Kapitänshaus Öömrang Hüs in Nebel und durch das Naturzentrum Norddorf, gab es auch einmalige Exkursionen und Vorträge zu Kultur und Natur auf Amrum.

Auftaktveranstaltung am Öömrang Hüs

Die Auftaktveranstaltung der Festwoche fand auf dem Gelände des Öömrang Hüs in Nebel statt. Gemeinsam mit dem Amrum-Chor, unter der Leitung von Verena Zahn, wurde das Friesenlied „Dü min tüs, min öömrang lun“ gesungen. Der seit 50 Jahren amtierende Vorsitzende des Öömrang Ferian, Jens Quedens, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und geladenen Gäste, danach folgten viele Grußworte: Johannes Callsen (Minderheitenbeauftragter des Ministerpräsidenten S-H), Hauke Grundmann (Vorstand Stiftungsrat Friesenstiftung), Michael Kruse (Nationalparkamt), Dr. Tordis Batscheider (stv. Landrätin), Boy Rethwisch (stv. Amtsvorsteher/Bürgermeister Nieblum), Cornelius Bendixen (Bürgermeister Nebel – sprach für die drei Inselgemeinden und der Amrum Touristik), Robert Kleih (Ferring Stiftung), Antje Arfsten (Nordfriisk Instituut), Sven Lappoehn (Sölring Foriining), Jörgen Jensen-Hahn (Friisk Foriining), Martje Brandt (Pastorin) und Pauline Höfer (Föhrer und Amrumer Kranken-Unterstützungsverein von New York und Umgebung).

Friesinnen in Tracht

Anschließend wurde eine Gedenkminute zu Ehren der kürzlich verstorbenen Vorsitzenden des Friesenrates, Ilse Johanna Christiansen, abgehalten.

Zur Stärkung und netten Gesprächen traf man sich zum Abschluss am reichhaltigen Buffet.

Nach dem Festakt folgte die erste öffentliche Veranstaltung auf dem Sportplatz an der Mühle in Nebel. Der Öömrang Ferian stellte sich und seine Aktivitäten dort vor. Die Amrumer und Föhrer Trachten konnten nicht nur beim Tanz bestaunt werden, auch der Nachwuchs präsentierte sich in ihren Trachten. Für die musikalische Unterhaltung sorgte der Amrumer Shantychor.

Vereinsvorsitzender Jens Quedens (li.) und Johannes Callsen (Minderheitenbeauftragter des MP SH)

Ein von Karin Simon moderierter bunter „friesischer“ Abend im Gemeindehaus Norddorf mit Auftritten des Männergesangverein Föhr-West, Keike Faltings & Nils Angus sowie einem Sketch der Öömrang Teooterskööl rundete den ersten Tag der Festwoche ab. (wir berichteten)

Der frühere Direktor der Ferring-Stiftung, Prof. Dr. Volkert F. Faltings aus Utersum/Föhr, hat in einem Vortrag am Sonntag, die wirklichen Geschehnisse um die Meuterei auf der Brigg „Braganza“ nachgezeichnet und frei Erfundenes von historisch belegbaren Fakten getrennt.

Prof. Dr. Volkert Faltings und die Meuterei auf der Braganza

Die Presse in Europa und Amerika berichtete damals über die Ereignisse während und nach der Meuterei am 5. August 1838 mitten auf dem Atlantik in Höhe der portugiesischen Insel Madeira. Dabei wurden die Geschehnisse immer mehr dramatisiert und so einiges frei hinzu erfunden. Dabei wurde auch das Bild über Cornelis Tückis, bishin in die heutige Zeit, verfälscht.

„Geboren auf Föhr, gestrandet vor Borkum, gehängt in New York“.

Im Juni 1839 wurde der Föhrer Seemann Cornelis Tückis aus Toftum/Föhr in New York wegen Meuterei auf der Brigg „Braganza“ und Mord an ihrem Kapitän gehängt.

Abendveranstaltung im Gemeindehaus Norddorf

Danach folgte ein spannender Vortrag über „Inselnordfriesische Redewendungen und bildhafte Ausdrücke aus der Seemannssprache“. Es wurden gängige Begriffe die in der Seefahrt benutzt wurden beschrieben. So z.B. Fregatte, aus nautischer Sicht ein Schiffe mit einer Vollschiff-Takelage und im friesischen umgangssprachlich übersetzt eine aufgedonnerte Frau. Unter vollen Segeln = aufgedonnert.

Dr. Stefanie Klooß bei der Rekonstruktion einer Grabkammer des Naierhuuch

Unter den Augen vieler interessierter Zuschauer fand am Montag die Rekonstruktion einer Grabkammer der 4000 Jahre alten Grabstätte Naierhuuch, an der Bushaltestelle Norddorf-Mitte, statt. Am Abend folgte ein Vortrag von Dr. Stefanie Klooß, Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH), über die neuesten eisenzeitlichen Ausgrabungen unter dem Thema: „Auf Amrum unter Sand bewahrt“. Sie beschrieb die Aufgaben des ALSH und berichtete über die Ausgrabungen am Grabhügel Naierhuuch in Norddorf (2021) und im Dünental um das eisenzeitliche Haus hinter der Vogelkoje Meeram Nebel. Wegen der vielen Aufgaben findet derzeit keine Fortsetzung der Ausgrabungen in den Dünen statt.

Biologe Rainer Borcherding während seines Vortrages

Am Dienstag gab es eine Exkursion mit dem Biologen und Naturliebhaber Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Unter dem Motto „Kleinode im Dünensand“ wurde die Natur im Dünensand erklärt und dabei auch so einige Raritäten entdeckt.

Es folgte „Baggern für den Artenschutz“, Rainer Borcherding unterhielt die Zuhörer mit einem von ihm ganz neu erstellten Vortrag und präsentierte ihn sehr lebhaft. Es gab nicht nur kriechendes und fliegendes zu sehen, sondern auch verschiedenen Bewuchs in der Amrumer Inselnatur. Mit eindrucksvollen Bildern wurde auch der Zweck des erforderlichen Baggerns erläutert, denn nur so haben z.B. Amphibien wieder eine Chance hier in den Dünen- und Heidetälern zu überleben bzw. sich wieder anzusiedeln.

Männergesangverein Föhr-West von 1896

Am Mittwoch sprang der Vorsitzende des Öömrang Ferian für den erkrankten Geoarchäologen Dr. Bente Majchczack, von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), ein, um am 5 Meter hohen Grabhügel Eesenhuuch in Steenodde etwas über die zahlreichen Hügelgräber aus der Jungstein-, Bronze-, und Eisenzeit zu erzählen. Leider spielte das Wetter an diesem Tage nicht mit und so kam nur eine überschaubare Anzahl Interessierter an den Eesenhuuch.

Der geplante Vortrag über die geophysikalische Erforschung von Amrums Siedlungsgeschichte musste leider Krankheitsbedingt ausfallen, soll aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Dr. Christoph Winter und Dr. Wendy Vanselow

Am Freitag berichtete zunächst Dr. Christoph Winter (CAU) über die Wiederentdeckung der Amrumer Runen. Ein ganz „heißer“ Bericht, denn erst vor einer Woche war mit der Untersuchung des Steines begonnen worden. Der Fundort des Steines auf Amrum ist unklar. Man weiß nur, dass er auf einem Acker gefunden wurde und davon gab es damals viele auf Amrum! Christoph Winter erlebte bei seinen Nachforschungen viele Überraschungen und war sehr erfreut als der Stein in Berlin wiedergefunden wurde. Mal sehen was die Auswertungen des Steines ergeben – es bleibt spannend.

Darauf folgte ein Vortrag von Dr. Wendy Vanselow (CAU), sie nahm die amrumerfriesischen Komödien von Thea Andresen und Annegret Lutz unter die Lupe. Die Amrumerin Thea Andresen und ihre Tochter Annegret Lutz haben viele Komödien in den 1970er und 80er-Jahren geschrieben und inszeniert. Darin ging es oft um die eigene Familie, um die Nachbarschaft und um die kleine Insel Amrum.

Keike Faltings und Nils Angus

Wendy Vanselow stellt dabei fest, dass in den Theaterstücken „eigentlich unbedeutende Ereignisse eine große Bedeutung zugeschrieben werden, da eben diese für den Zusammenhalt der Gemeinschaft wichtig sind“.

Auch die Darstellung von Mann und Frau waren Bestandteil der Thematik von Wendy Vanselow. Männer verfügen über weniger relevante Informationen als Frauen und sie treten Herausforderungen mit weniger Vehemenz gegenüber als das weibliche Geschlecht, so die Feststellung.

Selten gezeigte Filme, die es bis dato nur als VHS-Video oder DVD gab wurden im LichtBlick Inselkino in Norddorf („Insel im Wind“ und „Klaar Kiming“) und in der NaTour-Düne in Wittdün („50 Jahre Naturschutzgebiet Amrumer Dünen“, „42 Minuten auf Amrum“ und „Amrum“) präsentiert.

Über 50 Veranstaltungen fanden in der Festwoche des Öömrang Ferian statt. Überall, auf den Straßen, auf dem Bauernmarkt, beim Einkauf, wurde man auf die tollen Veranstaltungen angesprochen „Was für ein tolles Fest!“.

Auch die Jugend nahm rege an der Jubiläumswoche teil, im Rahmen eines „Kita – und Schultages“ nahmen erstmals vier Kita-Gruppen des Inselkindergartens Flenerk & Bütjen Jongen und die Klassen 1-7 der Öömrang Skuul an Führungen des Öömrang Ferian teil. Sie besuchten mit großer Begeisterung das Naturzentrum in Norddorf, das Öömrang Hüs in Nebel, das Eisenzeitliche Haus in den Dünen hinter der Nebeler Vogelkoje „Meeram“, sowie die Wattwerkstatt in der Jugendherberge Wittdün.

Auch die Organisatorendes Öömrang Ferian waren mit dem Verlauf der Festwoche sehr zufrieden, nur ein Event musste leider krankheitsbedingt ausfallen. Danke an alle Mitwirkenden und Unterstützern. Ein ganz besonderes Dankeschön geht an Astrid Thomas-Niemann für die sehr gute Organisation und für die perfekte Unterstützung danken wir Michael Hoff und sein Team von der Amrum Touristik.

Festschrift zum Download

Eine Festschrift mit einem Rückblick auf 50 Jahre Vereinsarbeit (1974 – 2024) wurde eigens für dieses Jubiläum gedruckt. Die Festschrift steht zum Download auf der Webseite des Öömrang Ferian unter: https://www.oeoemrang-ferian.de/50juar_Oeoemrang_Ferian_Festschrift.pdf bereit.

 

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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