Ausflug ins dänische Wattenmeer – Erlebnisbericht einer abenteuerlichen Reise …


Ballum – Filmkulisse mit Sandweg

Am Sonntagmorgen trafen wir (die Betreuer*innen des Öömrang Hüs) uns am Wittdüner Fähranleger. Mit dem Fährschiff ging es in Richtung Dagebüll wo der Bus und weitere Freunde des Öömrang Hüs für die geplante Tagestour des Öömrang Ferian bereits warteten.

Mit einem eigens für die Fahrt eingeladenen befreundeten „Reiseführer“, dem gebürtigen Horsbüller Heimatforscher Sönnich Volquardsen, führte die Fahrt an der Westküste entlang durch die Kööge über den „Grenzübergang“ Rosenkranz an Højer vorbei in die Bilderbuchidylle von Vesterende-Ballum.

Haus am Watt – im Hintergrund Rømø

Dort wurde ein Zwischenstopp eingelegt um einen weiteren Drehort, neben Amrum und Hamburg, von Fatih Akins neuen Kinofilm „AMRUM“ in Augenschein zu nehmen. Hier wurde z.B. auf der asphaltierten Straße Sand aufgetragen, denn Ende des 2.Weltkrieges (wo die Handlung des Films spielt) gab es noch keine asphaltierten Straßen auf Amrum! Auch musste ein Reetdachhaus ohne Baumbestand gefunden werden, es gab auf Amrum so gut wie kein Baumbestand! Freie Sicht auf das Wattenmeer, hier in der Marsch gibt es keinen Deich! Bei Sturmfluten kommt das Wasser bis an einige Häuser und dann wird mit Sandsäcken versucht sich vor den Fluten zu schützen. Die Einwohner von Ballum haben damals verhindert, dass in ihrem Dorf ein Deich entsteht. Durch einen Deichbau hätten sie Flächen abgeben müssen und damit Rechte am Land verloren und das wollten sie nicht.

In Ballum wurde die Filmcrew fündig und dreht hier den Film weiter. Im Hintergrund des „Film-Hauses“ sieht man das Wattenmeer und die dänische Insel Rømø.

Der A.P. Møller und Frau Chastine Mc-Kinney Møllers Fond stiftete 2009 3,1 Millionen Euro für die Sanierung der alten Häuser in Ballum. Damit wurde das alte charakteristische Ortsbild wiederhergestellt. Die Urgrossmutter von Reeder Arnold Mærsk Mc-Kinney Møller stammte von hier.

Von Vesterende-Ballum führte die Fahrt weiter in die älteste Stadt Dänemarks nach Ribe, da wir aber nicht mit dem Bus in die Stadt fahren konnten ging es – aus Zeitgründen – direkt weiterin Richtung Zielort.

Mandø – Gydeführung

In der Nähe von Vester-Vedsted gibt es einen Parkplatz für die Mandø-Busse, dass sind speziell gebaute Traktorbusse, die von dort aus seit mehr als 30 Jahren Gäste/Bewohner nach und von der Wattenmeerinsel Mandø transportieren. Die Fahrt ist Gezeitenabhängig und führt durch den Nationalpark Wattenmeer zu Dänemarks einzige Insel, die nur bei Ebbe erreicht werden kann. Sie liegt zwischen den Inseln Rømø und Fanø.

Mandøbus Schotterweg

Die abenteuerliche Fahrt führte uns über einen 6,82 Kilometer langen Schotterweg, der 55 cm über dem Wattboden liegt und durch Buhnen befestigt ist bzw. über den „Ebbevey“, ein mit Pricken abgesteckter Weg durchs Wattenmeer, der aber nur für Traktoren („Mandø-Busse“) passierbar ist. Die Überfahrt dauert ca. 40 Minuten. Man kann auch mit dem eigenen Auto hinüberfahren, das aber sollte man sich gut überlegen und man sollte sich mit dem Gezeitenkalender vertraut machen. Einen gezeitenunabhängigen Damm lehnen die Einwohner von Mandø ab, da durch diese Maßnahme zu viele Touristen auf die Insel kommen würden und dafür ist Mandø zu klein.

Mandø – Inselmuseum

Mandø wird auch Perle des Wattenmeeres genannt (Amrum ist die Perle der Nordsee) und befindet sich im größten dänischen Nationalpark. Hier finden im Frühjahr ca. 12 Millionen Zugvögel reichlich Nahrung. Wie auch auf Amrum spielen hier die Gezeiten eine wichtige Rolle.

Auf Mandø leben 31 Einwohner im Alter von Ü40 aufwärts, die sich auf 7,63 Quadratkilometer verteilen. Es gibt keine Kinder auf der Insel.

1231 wurde die kleine Insel erstmals als königliches Eigentum erwähnt.

Auf Mandø gibt es: Kaufmann, Restaurant, Fahrschule, Fahrradverleih, Café, Mühle, Kirche, kleines Museum und einen kleinen Campingplatz.

Das Insel-Museum befindet sich in einem alten Fischerhaus. Es ist eines der am besten erhaltenen Gebäude der Insel. Hier ist das Leben der Fischer auf Mandø im 19. Jahrhundert dokumentiert und die Inselgeschichte anhand historischer Fotos, Einrichtungsgegenständen und Schiffsmodellen nachgestellt (also ähnlich dem Öömrang Hüs). Ca. 60.000 Touristen kommen jedes Jahr nach Mandø.
Nach einer Stärkung im „Klithus“, gab es vom dänischen Reiseführer (gebürtiger Mandøboere) im Traktorbus Erklärungen zur Insel, der Überfahrt und im Anschluss eine kleine Führung über die Insel.

Rückfahrt über den Ebbevey

Danach ging es wieder zurück auf das Festland, diesmal führte uns die Fahrt durchs Wattenmeer entlang der gesetzten Pricken über den „Ebbevey“. „Watt“ für ein Erlebnis! Den ganzen Tag schien die Sonne, doch zum Ende hin zog es am Horizont dunkel auf. Bis zum Bus blieb es fast trocken, doch während der Rückfahrt kam viel Regen herunter. Auf direktem Wege führte uns die Rückreise über die dänische Nationalstraße 11 vorbei an Tønder über den Grenzübergang Böglum/Sæd auf die Bundesstraße 5 über Niebüll nach Dagebüll. Die „Festländer“ wurden dort verabschiedet. Einen besonderen Dank an Reiseführer Sönnich Volquardsen, der viel Wissenswertes an uns weitergeben konnte. Wir haben viel Neues über Land und Leute erfahren.

Nach einem erlebnisreichen und abenteuerlichen schönen Tag ging es mit der Spätfähre zurück nach Amrum und alle Teilnehmer waren sich einig: „Ein schöner gemeinsamer Tag, mit einem Insider-Tipp der unbedingt weiterzuempfehlen ist“. Da muss man noch einmal hin!

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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