Mystische Orte auf Amrum 07 – Haus Burg 54°40´33´´ N  /  8°20´52´´ E


Ein ganz spezieller „Mystischer Ort“ ist Haus Burg, das auf einem Hügel am Wattufer südlich von Norddorf liegt. Geht man über den Geestrücken von Nebel nach Norddorf fällt dem Betrachter dieses alleinstehende, von Bäumen umrankte Anwesen in Blickrichtung auf die Amrumer Odde sofort ins Auge. Ursprünglich soll an dieser Stelle ein bronzezeitliches Hügelgrab gewesen sein, auf dem in der Wikingerzeit eine Turmhügelburg und in der Nähe ein Hafenplatz errichtet worden war. Münzfunde weisen hierbei in etwa auf das Jahr 1000 n. Chr. hin, wobei diese Anlage nicht mit letzter Sicherheit als Burg (Öömrang: „Borag“) eingestuft werden kann.

Haus Burg bei Norddorf und Blick auf die Odde

Anfang der 1930er Jahre wurde der Hügel von den Vorfahren des noch heutigen Privatbesitzers erworben, die 1934 das Haus Burg errichten ließen. In dem stolzen Friesenhaus wurde schließlich 1951 die weit über Norddorf hinaus bekannte und beliebte „Teestube“ eingerichtet.

Der Steinsarg aus der Wikingerzeit

Als Beweis für eine frühere Kultstätte wurden beim Bau des Hauses bei Ausschachtarbeiten des Kellers Muschelhaufen, Urnen und ein Steinsarg gefunden. Letzterer wurde zunächst nach Föhr verkauft, später jedoch zurückerworben und per Schiff über das Wattenmeer direkt bis vor die Haustür gebracht, wo er bis heute noch steht. Auch stießen die Arbeiter auf ein Skelett, was für große Aufregung auf Amrum sorgte. Das Alter der menschlichen Überreste wurde zu Lebzeiten auf etwa 20 Jahren geschätzt, und man dachte zunächst an einen „alten Germanen“, da sich ja am selben Ort auch die vorgeschichtliche Grabstätte befand.

Schädel mit Kerzendekoration
Bildquelle des Totenschädels: Georg Quedens

Den sehr gut erhaltenen Schädel ergatterte die Nichte der Bauherren, nahm ihn mit nach Hause und dekorierte damit ihr Mädchenzimmer indem sie ihn mit einer Kerze versah und als Lampe benutzte. Bald kam jedoch die Obrigkeit ins Spiel, da man zum Entschluss kam, dass ein derart gut erhaltenes Skelett wohl kaum aus der Bronzezeit stammen könne. Der Inselarzt Dr. Wilhelm Ide bestätigte jedoch den „alten Germanen“ und die Nichte durfte den Schädel behalten.

Rasch kam die Amrumer Gerüchteküche in Gang, denn man hatte einmal am Wattufer ein Kleiderbündel gefunden. Man munkelte, dass von drei Föhrer Brüdern, die aus Amerika zu Besuch auf ihrer Heimatinsel verweilten, über das Watt zu einem Tanzvergnügen nach Amrum gekommen waren, jedoch nur zwei davon wieder nach Föhr zurück kehrten um dann eiligst wieder nach Amerika zurück zu reisen. Sicher hätten die beiden den dritten umgebracht und auf dem Grabhügel verscharrt. Nun wurden Skelettteile nach Berlin gebracht, wo ein Professor für Orthopädie, ein Onkel der Nichte, die Knochen beurteilte und zu dem Entschluss kam, dass diese höchstens 25 Jahre in der Erde gelegen haben, und der Tote nicht durch einen Schlag auf dem Kopf umgekommen sei, sondern vermutlich durch einen Messerstich. Die Knochen wurden nach Amrum zurückgeschickt, und da keine Identität des Toten zu ermitteln war, wurden sie im April 1938 auf dem Heimatlosenfriedhof beigesetzt. Auf Föhr waren keine drei Brüder bekannt, die in Amerika gewesen seien, und aus einem Amrumer Tagebuch war zu entnehmen, dass so ungefähr 35 – 40 Jahren vor dem Fund der Leichenteile ein Schwede, ein Däne und ein dritter Mann unbekannter Nationalität über das Watt nach Amrum gekommen seien von denen nur letzterer zurückkehrte und später über den Schweden berichtet haben soll, dass dieser den Dänen umgebracht habe, jedoch verschwunden sei. Da die Namen aller dieser Männer unbekannt waren, wurden die polizeilichen Ermittlungen eingestellt.

Wie eingangs bereits erwähnt wurde im Jahr 1951 die „Teestube“ eingerichtet, die wegen der einmaligen Lage am Wattenmeer zwischen Norddorf und Nebel, und insbesondere auch wegen der Koch- und Backspezialitäten der Betreiber, rasch ein viel besuchtes Lokal wurde.

Am Abend des 29. Juli 1962 brannte das Reetdachhaus bis auf die Grundmauern nieder, auch ein Großteil des wertvollen Mobiliars wurde ein Raub der Flammen. Als Ursache für das Brandgeschehen wird ein Funkenflug aus dem Schornstein auf den Dachstuhl hin angenommen, welches durch einen böigen Wind rasch angefacht wurde. Zudem war die eilig herbeigeeilte Feuerwehr machtlos, da keine Wasserleitung bis zu dem abgelegenen Haus reichte und auch kein Wasserpumpen aus dem Watt möglich war, da gerade Ebbe herrschte.

Haus Burg bei Sturmflut …

Ein Jahr nach dem Brand ließ die Besitzerin das Haus originalgetreu wieder aufbauen und begann erneut mit dem Betrieb der Teestube. 1976 wurde der Betrieb verpachtet und 1981 durch den Enkel der Besitzerin zusammen mit seiner Frau wieder als Familienbetrieb übergenommen und bis ins Jahr 2012 bewirtschaftet. Seitdem gibt es leider die Teestube im Haus Burg nicht mehr, unvergesslich sind jedoch die köstlichen und täglich frisch gebackenen Kuchen, die dort serviert wurden.

… und nachdem die See sich zurückgezogen hat

Als absolut interessant und sehenswert muss man auch heute noch die exponierte Lage von Haus Burg bezeichnen.  Die Hügellage schützt das Anwesen vor Überflutung und ist bei extrem hohen Wasserständen, ähnlich einer Warft auf den Halligen, von der Umwelt abgeschnitten.

Die Geschichten um „Haus Burg“ sind faszinierend, spannend und gruselig zugleich und haben diesen Ort  sicher zurecht einen Platz in der Serie „Mystische Orte auf Amrum“ finden lassen.

 

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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