
Bei einem Aufenthalt in Neuseeland sah Susanne Prochnow zum ersten Mal einen Pottwal. Seitdem ließ sie das Thema Wale nicht mehr los. Sie studierte Biologie, Fischerei sowie Naturschutz und schrieb ihre Diplomarbeit über Schweinswale in der Nordsee. Bis heute verschlingt sie jegliche Literatur und wissenschaftliche Veröffentlichung über Wale. Auch auf ihren Antarktisexpeditionen und ihren Tätigkeiten als Reiseleiterin in Zusammenarbeit mit einer Whale Watching-Organisation in Norwegen stand das Thema Wale im Fokus.
In diesem Sommer ist sie Teil des ehrenamtlichen Teams, das die Pottwalausstellung im Naturzentrum des Öömrang Ferian i.f. in Norddorf auf Amrum betreut. In den täglichen Führungen erfahren die Besucherinnen und Besucher über das ganze Jahr die einzigartige Lebensweise der Pottwale und wie der ausgestellte Wal nach Amrum kam. So zieht aktuell auch Susanne Prochnow mit ihrem umfangreichen Wissen die Zuhörenden, ob groß oder klein, in ihren Bann.

Für diejenigen, die noch mehr über Wale, über die Historie des Walfanges und die heutigen Entwicklungen der weltweiten Walpopulationen erfahren möchten, hält Susanne Prochnow freitags abends den spannenden Vortrag „Welche Rolle spielt der Walfang aktuell? – Aus der Vergangenheit zur Gegenwart“. In zwei Veranstaltungen hat sie bereits vom Beginn des Walfangs bis zur derzeitigen Situation des globalen Walfangs referiert. Sie bezieht sich auf die veröffentlichten Daten der Internationalen Walfang-Kommission (IWC). Die IWC wurde 1946 gegründet, um weltweit das Management der Großwalbestände zu regeln. Durch den industriellen Walfang vor allem der Großwale waren die Bestände so stark zurückgegangen, dass dringender Handlungsbedarf bestand. „Doch jegliche Bemühungen waren zunächst erfolglos“, berichtet Susanne Prochnow in ihrem Vortrag. „Schutzmaßnahmen wie das Festlegen von Mindestfanggrößen, Mutter- und Kalb-Schutz und weitere Managementansätze für Blau-, Finn-, Buckel- oder Seiwale griffen nicht wie gewünscht. Man kannte einfach noch zu wenig die Lebensweise der Wale. Erst das vom IWC beschlossene Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 in Kraft trat, verbesserte die Lage erheblich.“ Bis auf wenige Ausnahmen wurde der Walfang ausgesetzt.
Zu den Walfängen präsentierte Susanne Prochnow neue Zahlen der IWC von 2024. „Viele Bestände der Großwale erholen sich langsam seit dem Moratorium“, so Susanne Prochnow. „Allerdings lauern zunehmend andere Gefahren für die Wale: Klimawandel, Müll, Schadstoffe, Schiffskollisionen, Unterwasserlärm und Beifang bei der Fischerei sind globale Probleme, die schwer zu dokumentieren sind.“ Besonders Walarten, die lokal begrenzte Lebensräume und keine Ausweichmöglichkeiten haben, sind bedroht. Als Beispiel nennt sie den Rückgang der kleinsten Schweinswalart „Vaquita“: Die weltweit einzige Population im nördlichen Golf von Kalifornien mit einem Bestand von ca. 5000 Tieren in den 30er Jahren ist aktuell unter 10 Tiere geschrumpft und damit akut vom Aussterben bedroht.
Bezüglich der Schadstoffe warnen bereits die Behörden einiger Länder vor dem Verzehr von Walfleisch. Besonders für schwangere Frauen oder diejenigen, die es werden wollen, sowie Kinder wird der Verzehr nicht empfohlen.
Im vergangenen Vortrag kam die Frage aus dem Publikum: Wenn es weniger Wale gibt, gibt es dann nicht mehr Fische? „Genau das Gegenteil ist der Fall“, so Susanne Prochnow. „Wale beziehen ihre Nährstoffe aus der Tiefe der Meere. An der Wasseroberfläche düngen sie mit ihren Ausscheidungen die kleinsten Algen, das Phytoplankton. Dieses bildet die Basis des Nährstoffkreislaufes und somit auch des Fischwachstums. Zudem wirkt sich der Anstieg des Phytoplanktons positiv auf das Klima aus, denn Algen nehmen das klimaschädliche Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab.“
Die letzten beiden Vorträge „Welche Rolle spielt der Walfang aktuell? – Aus der Vergangenheit zur Gegenwart“ finden statt am 1.8. und 8.8.25 um 19.30 Uhr beim Pottwal im Naturzentrum in Norddorf.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

