Amrums neue Leuchtturmwärterin

 

Erstmals ganz nach oben hat es auf Amrum eine Frau geschafft!
Genauer gesagt, auf knapp 68 Meter über dem Meeresspiegel.

 

Im Juni ging Helmut Bechler, der rund 30 Jahre lang den Amrumer Leuchtturm touristisch betreute, in den verdienten Ruhestand. Anders als auf Wangerooge, wo der Presserummel um die bundesweite Stellenausschreibung des Leuchtturmwärters nun langsam abebbt, lief die Vergabe bei den Amrumer Versorgungsbetrieben über die Inselwebseite (amrum.de) ganz amrum-like: diskret, ohne große mediale Aufmerksamkeit und kurzfristig.

Amrums neue Leuchtturmwärterin Alex König (Foto: Kinka Tadsen)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Neue am Leuchtturm heißt Alex (wirklich Alex, nicht Alexandra!) und ist ungeheuer nett. Die freundliche Deutsch-Schweizerin mit dem Nachnamen König kommt aus Zürich. Sie ist freiberufliche IT-Projektleiterin, hat Wirtschaftswissenschaften und Sport studiert. Während des Sommerhalbjahres betreut sie nun Amrums Wahrzeichen auf der „Großen Düne“ mit immerhin 67 Metern und siebzig Zentimetern über Normalhöhennull.

Statt auf Berge steigt Alex Treppen: 297 Stufen rauf und 297 Stufen runter, zweimal täglich montags bis freitags von April bis November plus einen Samstagvormittag im Monat, immer den 2. Aufschließen, abschließen und bei Bedarf mit einem Spezialstaubsauger auf dem Rücken. Es sei denn, in luftiger Höhe findet eine Trauung statt. Dann übernimmt das morgendliche Aufschließen das Amrumer Standesamt und Alex muss erst mittags hoch.

Für die Wartung und Sicherstellung des reibungslosen Betriebs der deutschen Leuchtfeuer ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (kurz: BSH) zuständig und schickt gegebenenfalls technisches Personal. Seit der Leuchtturm im Jahre 1984 automatisiert wurde, braucht es keine Leuchtfeuerwärter mehr, aber für die touristische Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Seezeichens ist Personal erforderlich: Den Einlass regeln, Eintrittskarten und Souvenirs verkaufen, abrechnen und nachbestellen, Fragen der zahlreichen Gäste kompetent beantworten, den Turm sauber halten und vieles mehr – dafür sind die Amrumer Versorgungsbetriebe zuständig.

Im Winter (außer in der besuchsstarken Zeit um die Feiertage) ist der Leuchtturm nur einmal in der Woche begehbar, aber um den vielen kleinen und großen Besucher:innen von April bis November den Aufstieg zu ermöglichen, ist seit April Alex König auf Amrum. Die nimmt persönlich dafür einiges in Kauf: Sie muss in den Wintermonaten ausreichend Geld verdienen, um sich das halbe Jahr Arbeit auf dem Amrumer Leuchtturm leisten zu können, und wohnte bisher im Zelt auf dem Campingplatz. „Für Oktober und November habe ich eine Unterkunft in einer Ferienwohnung gefunden, aber für das kommende Jahr von April bis November suche ich noch eine bezahlbare Wohnung“, erzählt die sympathische neue Leuchtturmwärterin, „egal in welchem Ort. Ich fahre mit dem Rad.“

Menschen zu bespaßen, liegt Alex. Selbst wenn die Schlange am Kassenhäuschen so lang ist, dass sie Menschen abweisen muss, weil es sonst auf dem Leuchtturm einfach zu voll würde, behält sie die Ruhe und beantwortet geduldig und kompetent Frage um Frage: „Wissen Sie, wieviele Ziegel im Leuchtturm verbaut sind? Wofür ist die kleine Tür unten im Turm? Passt mir dieses Armband auch? Haben Sie nicht noch noch andere Postkarten? Wo ist die Bushaltestelle? Wann fährt denn der nächste Bus nach Nebel? Können Sie mir die Schneekugel einpacken? Gibt es noch Karten für die Abendführung morgen? Auch nicht mehr für nächsten Donnerstag?…“

Die Neue hat sich in der kurzen Zeit seit März, als sie sich während ihres ersten Amrum-Urlaubs bei den Versorgungsbetrieben persönlich vorstellte, gut eingearbeitet und viel Wissen über den Leuchtturm, seine Geschichte und Funktion angeeignet.

Mittwochs, wenn der Leuchtturm bis 14:00 Uhr geöffnet ist, melden sich besonders viele Gruppen und Schulklassen zur Besichtigung an, auch in der Urlaubszeit. „Ich muss den individuellen Aufstieg dann immer stark einschränken und viele Leute wegschicken. Das ist doch schade. Kannst Du bitte mal schreiben, dass der Mittwoch eigentlich den Schulklassen vorbehalten ist?“, bittet mich die engagierte Leuchtturmwärterin am Ende unseres Gesprächs und macht sich auf den Weg nach ganz oben. Nachschauen, ob niemand mehr auf dem Turm ist, und abschließen.

Wenn Sie eine bezahlbare kleine Wohnung für Amrums neue Leuchtturmwärterin haben, melden Sie sich gern bei uns in der Redaktion.

 

Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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One comment

  1. Moin,
    auch ich durfte Alex schon kennenlernen und kann nur bestätigen, Sie ist wirklich sehr sympathisch. Toller Artikel und hoffentlich finde Sie schnell eine bezahlbare Wohnung bei uns.
    Eine Kleinigkeit kann ich mir aber doch nicht verkneifen…
    Für den Betrieb und die Wartung des Amrumer Leuchturmes ist nicht das BSH zuständig, sondern das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) und hier hauptsächlich der Außenbezirk Amrum mit Sitz am Seezeichenhafen Wittdün . Gruß Henning

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