Wie ein Anruf beim Kapitän meine Reise rettete …

Wenn das Wetter entscheidet, ob der Termin klappt.
Ein Sturm bringt den Fahrplan der Insel-Fähren durcheinander – und wirft Fragen auf: Kommt man überhaupt nach Sylt?
Zum Glück gibt es gute Nachbarn – und besondere Ausblicke.


Auf der Fahrt durch das Mittelloch

Die Anreise mit Hindernissen

Es war die dritte Septemberwoche, in der ich einen Termin beim Hautarzt in Westerland auf Sylt hatte. Bereits Monate zuvor war dieser vereinbart worden. In den Zeiten, wenn der Adler-Express fährt, kann man Sylt relativ einfach von Amrum aus erreichen. Der Termin lässt sich für gewöhnlich gut so legen, dass eine Reise um 11:00 Uhr ab Wittdün starten kann. Kurz vor 12:00 Uhr ist man in Hörnum, nimmt den Bus nach Westerland, kann unterwegs noch etwas essen oder einkaufen und hat dann pünktlich den ersten Termin nach der Mittagspause der Praxis. Danach geht es mit dem Bus wieder nach Hörnum, und um 17:15 Uhr fährt der Adler zurück nach Amrum – mit Weiterfahrt nach Nordstrand. Um 18:00 Uhr ist man wieder zu Hause.

Für gewöhnlich klappt das alles sehr gut – vorausgesetzt, Adler fährt. Nun war es so, dass in den Tagen vor meinem Termin das Sturmtief „Zack“ den Fährplan der Adler-Schiffe restlos durcheinandergebracht hatte. Vier Tage lang fuhr der Adler-Cat überhaupt nicht, Helgoland war nicht erreichbar. Auch die Adler-Schiffe im Wattenmeer stellten ihren Betrieb ein: Zwei Tage lang fuhren weder Adler-Express noch Adler-Rüm Hart.

Am Tag vor meinem Termin fuhr der Adler-Express zwar wieder – aber nur zwischen Nordstrand und Wittdün, nicht nach Sylt. Noch immer wehte ein kräftiger Wind, und ich überlegte mir, wie ich alternativ nach Westerland kommen könnte. Bleibt eigentlich nur der Weg über Dagebüll und Niebüll auf die Marschbahn nach Westerland. Zeitlich wäre das zu schaffen gewesen: 9:30 Uhr ab Wittdün mit der W.D.R., dann NEG und Regionalzug – planmäßige Ankunft in Westerland um 14:05 Uhr. Termin: 14:30 Uhr. Danach wieder zurück.

Allerdings kann man sich auf die Marschbahn leider überhaupt nicht verlassen. Und wie es eben so ist: Am Vortag meines Arzttermins gab es zwischen Niebüll und Sylt eine Weichenstörung. Autozüge konnten stundenlang nicht fahren, und für den Personenverkehr wurde ein „Schienenersatzverkehr“ eingerichtet. Zwar war die Weiche am Abend repariert, doch es wurde weiterhin vor Verzögerungen gewarnt.


Nachbarschaftshilfe mit Direktleitung zum Kapitän

Was sollte ich nun tun? Ich rief die Hotline der Adler-Schiffe an und fragte nach, ob der Adler-Express am Folgetag wieder nach Hörnum fahren würde. Die Auskunft: „Eigentlich schon, aber das entscheidet der Kapitän morgen früh um 9:00 Uhr.“ Ich überlegte, um 9:00 Uhr zum Fähranleger in Wittdün zu fahren, um dort auf die Nachricht zu warten. Wenn die Verbindung ausfiele, hätte ich dann noch schnell Fahrkarten für Schiff und Bahn kaufen und um 9:30 Uhr auf die Fähre springen können.

Doch dann traf ich meinen Nachbarn Wolfgang Stöck, dem ich von meinem Dilemma erzählte.
„Weißt du was“, sagte er, „der Kapitän vom Adler-Express ist ein Freund von mir. Den rufe ich morgen früh an und frage ihn, was Sache ist.“

So geschah es: Kurz vor 9:00 Uhr erhielt ich einen Anruf von Wolfgang, der mir Gott sei Dank mitteilen konnte, dass der Adler wieder ganz normal fahren würde. Das nenne ich Nachbarschaftshilfe vom Feinsten – herzlichen Dank dafür!


Die Odde – Blick aus Süd-Ost

Ein besonderer Blick auf die Odde

So konnte ich planmäßig um 11:00 Uhr ab Wittdün abfahren. Zwar wehte immer noch ein kräftiges Windchen, aber die Sonne schien. Mit über 3 m über NN herrschten ausreichend hohe Wasserstände, sodass die Fahrt nach Hörnum durch das Mittelloch ging – dem großen Priel zwischen Föhr und Amrum, dicht an der Odde vorbei. Welch herrliches Erlebnis!

Selbst langjährig auf der Insel lebenden Amrumern ist so ein außergewöhnlicher Blick auf die Nordspitze nur selten möglich. Das Wetter, der Wasserstand, die Lichtverhältnisse und der Sonnenstand waren optimal – so gelangen mir einige richtig gute Fotos. Der ganze Stress im Vorfeld war vergessen, und ich genoss die Fahrt auf dem Außendeck des Adler-Express.


Voller Bus, eine Sorgen weniger

Auch der weitere Verlauf der „Reise“ war unkompliziert. Zwar waren die Busse auf Sylt zwischen Hörnum und Westerland proppevoll, und ich staunte, dass – obwohl alle Sitzplätze belegt waren und einige Erwachsene bereits standen – auch noch zwei Schülergruppen mit geschätzt 40 Kindern und ihren Betreuern mitfahren konnten.

Der Termin beim Dermatologen verlief erfreulich unspektakulär. Abgesehen von ein paar altersbedingten Erscheinungen gab es keine Auffälligkeiten. (Auf meine Frage, was denn wohl die braunen Flecken auf meinen Handrücken seien, sagte er nur: „Alter!“)

Zufrieden trat ich die Rückreise an. In Hörnum wartete ich, bewaffnet mit zwei Kaffeeteilchen und einer Cola, auf den Adler. Zwar hatte es sich zugezogen, aber es blieb trocken. Der Wind hatte wieder aufgefrischt, was sich auf der Überfahrt nach Wittdün auch bemerkbar machte. Jetzt ging es an Amrums Seeseite entlang, als die Stimme des Kapitäns ertönte:
„Liebe Fahrgäste, wie Sie schon bemerkt haben, ist die Fahrt etwas kabbelig, bitte bleiben Sie sitzen oder suchen Sie sich zumindest einen festen Halt.“

Regenbogen über dem Kniepsand

Ja, es schaukelte ordentlich, die Krängung war deutlich spürbar. (Krängung bezeichnet die Neigung eines Schiffs zur Seite – eine kontrollierte Rollbewegung. Von Schlagseite spricht man erst, wenn die Schräglage unerwünscht oder gefährlich wird.)

Es zogen heftige Regenschauer über die Inselwelt, was zur Bildung eines Regenbogens führte – den ich natürlich fotografierte. Ich musste dafür kurz aufs Außendeck, aber es hat sich gelohnt. Ich habe mich gut festgehalten – und war doch froh, wieder sicher zu sitzen.


Fazit: Beide Fahrten – Wittdün–Hörnum und zurück – waren besondere Erlebnisse. Die Vorbeifahrt an der Amrumer Odde hat mich nachhaltig beeindruckt. Übrigens: Wer möchte, kann auch mit dem Ausflugsschiff „Eilun“ um die Odde fahren. Wenn die Wasserstände passen, wird eine Fahrt „Rund um Amrum“ angeboten.


Warum Hautkrebsvorsorge so wichtig ist

Auch der Besuch beim Hautarzt hat sich gelohnt. Das sogenannte „Hautscreening“ ist eine wichtige Vorsorgeuntersuchung, um Hautkrebserkrankungen wie das „Maligne Melanom“ (schwarzer Hautkrebs) oder das „Basaliom“ (weißer Hautkrebs) frühzeitig zu erkennen.

Seit 2005 haben sich die Fallzahlen nahezu verdreifacht – vor allem durch die höhere UV-Belastung. Besonders betroffen: die Jahrgänge ab 1950, oft infolge ungeschützten Sonnenbadens oder Solarienbesuchen. Jeder gesetzlich Versicherte hat ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf diese Untersuchung – durchgeführt von Dermatolog:innen oder speziell geschulten Hausärzt:innen. Auf Amrum ist das auch im MVZ möglich.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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One comment

  1. Ein vom Autor gewohnt toller Bericht mit herausragenden Fotos in Kombination mit einem sinnvollen medizinischen Appell. Besser geht es nicht…!
    Schade ist allerdings das das vom Autor in seinen Beiträgen sonst vorbildlich korrekte Gendern, wie man es auch in guten Presseartikeln gewöhnt ist, diesmal wohl der nicht rechtschreibkonformen “Doppelpunkt Unsitte” gewichen ist statt Hausärztinnen und Hausärzte oder einfach mal abwechselnd das eine und das andere. Intelligent gendern kann so einfach sein. Man kann nur hoffen das es ein einmaliger Ausrutscher bleibt?!

    Gruß
    L. Schulte

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