Die letzte Tour …

Für viele Nebeler war Jens Winkler weit mehr als nur der Mann mit dem gelben Auto. 46 Jahre lang brachte Jens Winkler den Menschen ihre Post ins Haus. Nun endet eine Familienära, die die Insel über Generationen geprägt hat.

Der 19.11.2025 war für die Nebeler Bürger ein denkwürdiger Tag. Es war der letzte Arbeitstag ihres Postboten Jens Winkler. Nach 46 Jahren im Postdienst, davon 38 Jahre auf Amrum und fast 20 Jahre in der Gemeinde Nebel, geht Jens nun in den Ruhestand.

Tschüss

Eine Familie im Dienst der Post

Die Familie Winkler ist eng mit der Post verbunden. Schon der Vater Günther war von 1955 bis zu seiner Pensionierung 1993 Postbote in der Gemeinde Nebel, und Mutter Helene sorgte 21 Jahre für Sauberkeit im Postamt Nebel. Auch Bruder Karl Wilhelm war von 1973 bis zu seiner Pensionierung 2024 im Postdienst auf Föhr tätig. Zählt man alle Dienstjahre der Familie Winkler zusammen, ergeben sich 152 Jahre im Dienste der Deutschen Bundespost. Mit der Pensionierung von Jens geht die Ära der Postfamilie Winkler nun zu Ende.

Vom Schalter zur Zustellung

Nach seiner Ausbildung im Postamt Niebüll arbeitete Jens in den Postämtern Leck, Westerland und Wyk. In dieser Zeit wurde er auch ins Beamtenverhältnis übernommen. 1987 kehrte er dann nach Amrum zurück. Damals hatte noch jeder Ort auf Amrum ein eigenes Postamt, und Jens arbeitete sowohl am Schalter als auch in der Zustellung. 2005 trat er in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm den Zustellbezirk Nebel.

Abschied von einer Institution

Abschied in den Ruhestand: Betriebsleiter J.Ridder überreicht ein Präsent an Jens

Zur Verabschiedung waren B. Pietsch (Standortleiter Föhr-Amrum) und der Betriebsleiter aus Husum, J. Ridder, nach Amrum gekommen. „Mit Jens verlässt eine Legende den Postdienst. Wir und auch deine Postkunden werden die letzten 46 Jahre nicht einfach vergessen“, so Betriebsleiter Ridder. „Wir wünschen dir alles Gute für die Zukunft – genieße deine Tage im nächsten Lebensabschnitt.“

Für die Nebeler Bürger und auch für Gäste war Jens eine Institution, die verlässlich jeden Tag die Post ins Haus brachte. Aber nicht nur die Zustellung schätzten die Nebeler an ihm: Er war stets gut gelaunt, hilfsbereit und hatte immer Zeit für einen kurzen Small Talk. Auch der eine oder andere Extradienst wurde erledigt, wenn jemand Unterstützung benötigte – da wurde schon mal ein Rezept in der Apotheke eingelöst oder eine Mülltonne vor die Tür gestellt.

„Jens hat die Post fantastisch vertreten. Seine freundliche, zuverlässige und hilfsbereite Art war schon sehr außergewöhnlich“, so Nebels Bürgermeister Cornelius Bendixen. „Wir danken ihm für all die Jahre, in denen er uns die Post gebracht hat und wünschen ihm für seinen Ruhestand alles Gute.“

Was Jens an seiner Arbeit liebte

Auch am letzten Tag wurden noch Pakete ausgeliefert

Wie denkt Jens selbst über seine Vergangenheit und Zukunft als Pensionär? „Mir hat meine Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht, der Kontakt zu meinen Kunden war mir wichtig. Wenn ich einen Brief oder ein Paket zugestellt habe, dann nicht nur an die angegebene Anschrift, sondern an die Menschen, die dort wohnen. Der regelmäßige Kontakt zu meinen Kunden wird mir sehr fehlen“, sagt Jens, „etwas mulmig ist mir schon, wenn ich daran denke, dass das nun der Vergangenheit angehört.“

Der Zustelldienst bei der Post ist durch den zunehmenden Paketversand deutlich anstrengender geworden. Teilweise gilt es, bis zu 100 Pakete am Tag zuzustellen. Geht man von einem durchschnittlichen Gewicht von 5 kg pro Paket aus, sind das 500 kg rein ins Postauto und dann noch einmal 500 kg zur Zustellung – das können dann schon einmal eine Tonne am Tag sein.

„Ich bin täglich etwa 15.000 Schritte gelaufen, das sind ca. 11 km“, so Jens. „Das hat mich immer fit gehalten, aber manchmal war ich abends auch geschafft.“ Rechnet man das aufs Jahr hoch, kommen mehr als 2.000 km zusammen – in 20 Jahren Zustellung in Nebel entspricht das ungefähr einer Erdumrundung.

Neue Wege im Ruhestand

Jens Winkler (3. Von rechts) im Kreis seiner Kollegen

Bis vor einigen Jahren war Jens sehr aktiv im Tennis und Fußball – die Leidenschaft ist geblieben, das Spielfeld wurde jedoch ins Wohnzimmer verlegt.

Zukünftig hat Jens nun Zeit für seine Hobbys. Als Vorsitzender des Amrumer Angelvereins und bei der Unterstützung seines Sohnes in dessen Hotel wird ihm die Zeit sicher nicht lang werden.

Amrum News wünscht alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt – ohne die Post.

Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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2 comments

  1. Auch uns ist Jens über die vielen Jahre auf der Insel (1989 – 2025) ans Herz gewachsen. Wir hatten unzählige Gespräche und Begegnungen, oft versehen mit dem Hinweis, „ ich habe schon gesehen, dass ihr wieder da seid“. Dazu dann der Hinweis auf das wöchentliche Fußballspiel der Gäste gegen den TSV. Später haben wir gemeinsam oder gegeneinander bei den Ü 40 – Senioren gespielt, immer verbunden mit einer dritten Halbzeit bei einem kühlen Flens. Jetzt kann er sich aufs Angeln verlegen, wo er ja auch nicht ganz ungeschickt sein soll !? Die tolle Verabschiedung und den gelungen Bericht darüber hat er sich redlich verdient.
    Wir wünschen ihm einen langen und gesunden Ruhestand und freuen uns wenn wir uns 2026 bei unserem nächsten Besuch auf der Insel vielleicht über den Weg laufen.
    Herzliche Grüße
    Manfred und Jutta Durlak

  2. Hallo Jens,

    alles Gute im Ruhestand und möge dir nie Langweilig werden.

    Heiko

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