Ein Gerichtsbeschluss stellt das geplante Feuerwerksverbot auf Föhr und Amrum infrage. Die Inseln wollten aus Brand- und Naturschutzgründen ein generelles Abbrennverbot durchsetzen. Wie reagieren Gemeinden, Tourismus und Gäste auf die Entscheidung?
Ein Amtsbeschluss für mehr Ruhe, Naturschutz und Sicherheit
Am 13.03.2025 hat der Amtsausschuss beschlossen, in Zukunft private Silvesterfeuerwerke auf Föhr und Amrum ganzjährig und generell zu verbieten. Mit dem Verbot möchte das Amt Föhr-Amrum die Nachhaltigkeitsstrategie der Inseln unterstützen und seine Wertschätzung gegenüber der Umwelt und den Tieren ausdrücken.
Flankierend zu diesem Beschluss hatten sich sämtliche in Frage kommende Einzelhändler von Föhr und Amrum entschlossen, künftig zum Jahreswechsel keine pyrotechnischen Silvesterartikel mehr anzubieten. Auf Amrum galt diese Praxis bereits seit mehreren Jahren.
OVG stoppt Verbot vorerst – fehlende Rechtsgrundlage
Der 5. Senat des Oberverwaltungsgerichts hat am Dienstag (9. Dezember 2025) in einem Eilverfahren ein Komplettverbot für das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen der Kategorie F2 am 31. Dezember und 1. Januar auf den Inseln Föhr und Amrum vorläufig gekippt. Ein Unternehmer, der Feuerwerkskörper verkauft, hatte gegen das Verbot geklagt.
Weil bis zum Jahreswechsel nicht mehr viel Zeit bleibt, stellte das Unternehmen zudem einen Eilantrag. Mit Beschluss vom 9. Dezember 2025 (Az. 5 MR 2/25) gab das Oberverwaltungsgericht dem Antrag statt und setzte die Verordnung vorläufig bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache außer Vollzug. Zur Begründung führte das Gericht aus, dass das Landes-Immissionsschutzgesetz keine Rechtsgrundlage für ein solches Feuerwerksverbot enthalte. Ein generelles Verbot falle in die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes für das Sprengstoffrecht.
Sorge um reetgedeckte Häuser und Tier- und Pflanzenwelt
Das Unverständnis auf den Inseln über diese Entscheidung ist groß. Auf Amrum besteht seit einigen Jahren ein Abbrennverbot für Feuerwerkskörper – insbesondere wegen der Brandgefahr für die zahlreichen reetgedeckten Friesenhäuser, aber auch zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt. Der größte Teil der Insel ist Naturschutzgebiet.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Urlauber, die den Jahreswechsel gezielt wegen des Abbrennverbots auf Amrum verbringen. Nicht nur Hundebesitzer wissen es zu schätzen, wenn keine Knallkörper, wie auf dem Festland üblich, wahllos in die Menge geworfen werden und der Aufenthalt im Freien in der Silvesternacht teilweise gefährlich werden kann.
Wie geht es weiter?

In der Pressemitteilung des OVG wird auf bestehende bundesrechtliche Regelungen unter anderem im Sprengstoffgesetz hingewiesen. Demnach kann beispielsweise verboten werden, pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2 in der Nähe besonders brandempfindlicher Gebäude abzubrennen. Auch aus Umweltschutzgründen können Einschränkungen erlassen werden. „Wir gehen davon aus, dass dieser Passus für den größten Teil der Insel Amrum mit den großen Wald- und Naturflächen und insbesondere mit den zahlreichen reetgedeckten Friesenhäusern zum Tragen kommt und auf Amrum weiterhin kein Feuerwerk möglich sein wird“, so Nebels Bürgermeister Cornelius Bendixen.

Für Amrums Tourismuschef Frank Timpe ist das Kippen des Verbots eine sehr einseitige Betrachtungsweise: „Es ist für mich völlig unverständlich, dass die gängige und allseits akzeptierte Praxis, auf Amrum über Silvester keine Feuerwerkskörper abzubrennen, jetzt gekippt werden soll. Für den existenziellen Tourismus sind das die vollkommen falschen Signale! Einheimische und Urlauber demonstrieren seit Jahren, wie schön ein Jahreswechsel ohne Böllerei sein kann. Alle sind sich bewusst, dass wir im Nationalpark Wattenmeer leben, in dem der Schutz von Umwelt und Natur Priorität haben sollte. Uns erreichen verständlicherweise aktuell zu dem Thema zahlreiche Rückfragen von verunsicherten Gästen. Gerade das Böllerverbot ist seit Jahren ein wesentliches Reisemotiv für viele unserer Besucher. Deshalb werden wir im engen Austausch mit unseren Gemeinden wie auch den Verantwortlichen des Amtes alles daransetzen, die bewährten und von der breiten Insel- und Gästegemeinschaft positiv gelebten Strukturen zu erhalten-ohne Böllerei. Ungeachtet dessen darf auf Amrum aus Natur- und Sicherheitsgründen nahezu flächendeckend ohnehin nicht geböllert werden. Die Rechtsgrundlagen wurden in den vergangenen Jahren dahingehend überhaupt nicht hinterfragt oder angezweifelt. Diese Praxis der Akzeptanz und gleichzeitigen Kurs der Vernunft sollten wir weiterhin im besten Sinne insbesondere für unsere Gäste auch konsequent und kompromisslos beibehalten. Knallt woanders!“
Ob und inwieweit die vorhandenen Bundesgesetze Anwendung finden können und ein Böllerverbot auf Föhr und Amrum aufgrund des Sprengstoffrechts möglich ist, wird derzeit geprüft. Die Gemeinden, das Amt Föhr-Amrum und die Touristikchefs appellieren jedoch schon jetzt an alle Einheimischen und Gäste, in der Silvesternacht auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zu verzichten.
Die Open Petition „Eilt- keine Silvesterknallerei auf Amrum“ hat schon innerhalb weniger Stunden 1400 Unterstützer gefunden. Wer diese Petition unterstützen möchte: www.openpetition.de/petition/online/eilt-keine-silvesterknallerei-auf-amrum
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

Niemand auf Amrum vermisst Böllerei an Sylvester. Auch die Touristen nicht. Im Gegenteil… viele kommen über den Jahreswechsel nach Amrum, weil nicht geböllert werden darf (durfte).
Bitte alles dafür tun, dass es auch so bleibt.
Welches Unternehmen (Name?) hat denn gegen das Böllerverbot geklagt?
Grüße
Gernot
Gibt es irgendeinen Weg, wo man seinen Protest dagegen deutlich machen kann.
Wir haben uns schon so auf unseren herrlich ruhigen Silvester Urlaub auf Amrum gefreut, ruhig für Menschen, Natur und Tiere. Und nun sowas.
Natürlich freuen wir uns trotzdem auf unseren Urlaub, aber sowas muß absolut nicht.
Die Sachsen
13.3. bis 9.12.25,,, fast NEUN Monate hat sich dieser “Unternehmer” Zeit gelassen um dann “wegen der Kurzen Frist” einen Eilantrag zu stellen? Fehlen hier einfach noch Informationen wie z.b. wann der von dem Verbot erfuhr und warum ihn das für die Nordseeinseln nun speziell Tangiert – oder spielen da doch vordergründig Finanzielle Eigeninteressen eine Rolle. Denn wer anders als ein Produzent von Feuerwerkskörpern könnte ein Interesse haben ein Verbot seiner Produkte an zu fechten – in einem so kleinen Bereich. Der wird kaum nur HIER tätig sein. Also, WAS soll das wirklich?
Populär gesprochen, Was ist wichtiger: Das ein Gierhals mehr Gewinn macht oder das Risiko seiner Produkte Mensch und Tier sowie Immobilien beschädigen zu könnten? Im besten Fall wird “nur” ein Hund erschreckt, im Schlimmsten Fall könnte ein ganzer Ortskern in Flammen aufgehen (was es m.W. hier früher schon mal gab). Schönen Dank auch für’s drauf Schei**en, Herr “Unternehmer”! 🙁 K.M.
Moin,
ich stimme Herrn Martinen zu. Interessant ist tatsächlich, wer ist der Unternehmer? Und wozu die ganze Aufregung? Wenn keine Böller und Raketen verkauft werden, da sind sich die Bürgermeister doch einig (oder ?), bzw. gekauft werden, gibt es auch kein Feuerwerk auf den Inseln. Aber das ist wohl zu einfach gedacht
Allen ein schönes Weihnachtsfest und einen knallfreien Jahreswechsel wünscht Ilse Ch.
Nur, weil auf der Insel keine Böller verkauft werden, heißt das doch nicht, dass keine abgeknallt werden können. Das Festland ist doch nur eine kurze Reise entfernt, um sich selbiges zu besorgen oder aber mitgebracht wird. Grenzt doch schon an Diktatur, dass den Wunsch der Insel, sprich der Bevölkerung und der vielen Gäste, die gerade darum zu dieser Zeit auf der Insel sind, übergangen wird. Ich denke das dieses doch eigentlich von der Insel selber, also den Betroffenen entschieden werden muss. Die Tiere von Bauer Martinen und die aller anderen erleiden Qualen.
U. Schinkel
Das ganze hat die Firma “Pyroland” aus Scheeßel angezettelt. denen geht es natürlich gar nicht um Amrum, sondern sie haben sich einen vermeintlichkleinen Gegner ausgesucht, um grundsätzlich, ihr über kommenes Geschäftsmodell zu retten…
https://m.facebook.com/Pyroland/photos/gern-geschehen-pyroland-rettet-silvester-wie-gern-w%C3%BCrden-wir-das-%C3%BCberall-laut-ve/1301129248725674/?locale=de_DE&http_ref=eyJ0cyI6MTc2NTU1NTYyNDAwMCwiciI6IiJ9
Beeindruckend was man auf Amrum für eine Vorstellung von Silvester an Land hat, kann ich so nicht bestätigen 😀
Immerhin besteht für die Verantwortlichen jetzt etwas mehr Klarheit wie sie Einschränkungen von Silvesterfeuerwerk begründen und formulieren müssen.
Die Entscheidung des Gerichts ist auf Grundlage der vorliegenden Fakten auch absolut nachvollziehbar.
Wer Feuerwerk so pauschal verbieten möchte, sollte sich auch mit der “angeblichen” Rechtsgrundlage auseinandergesetzt haben, die Überraschung der Gemeinden über die Entscheidung spricht Bände.
Nichtsdestotz wünsche ich allen die es sich wünschen ein ruhiges Silvester. Und allen anderen ein wunderschön bunten Nachthimmel im Rahmen der Feuerwerkseinschränkungen 🙂
Kleiner Tipp:
Wählen Sie am besten kompetente Lokalpolitiker, die Einschränkungen formulieren können, die vor Gericht bestand haben^^
Es grüßt vom Festland,
das Festlandei
Die Firma Pyroland hält sich tatsächlich für Helden (siehe Link bei Ralf Wunderlich), weil sie das Verbot gekippt haben.
Man kann denen aber schreiben, dass sie keine Helden sind… 😉
Habe ich getan.
Wer bei Facebook ist, kann natürlich auch dort einen Kommentar hinterlassen.
Zum Selbst-informieren: Die “Gegenseite”
https://www.pyroland.de/Feuerwerksverbot-Gerichtsurteil
https://www.pyroland.de/Boellerverbot-Warum-ein-generelles-Verbot-keine-Loesung-ist
Und den Hinweis von ‘Festlandei’ hätte es m.E. NICHT gebraucht. Denn
1. ist wohl jeder Oppositionelle der Ansicht er könne es ja vieel besser. Was zu beweisen wäre!
2. Zeigen die Ereignisse hier doch eher das es eben überhaupt nicht einfach ist. Der werfe den ersten Stein der so genial oder Wissend ist dies mit einem Federstrich (oder.. Dekret?) rechtssicher zu regeln! NOCH sind wir nicht Teil von Trumpistan.
3. Ich wohnte vor Jahrzehnten auf dem Festland in einer Großen Stadt. Und an Sylvester hörte es sich dort an wie in einem Kriegsgebiet. Und das die ganze Nacht durch. Ich finde es gut das es so was hier nicht gibt. Und ich bin von Episoden abgesehen ein Leben lang auf Amrum und hier geboren. “Billige” Kommentar vom Festland werden hier m.E. nicht gut angenommen. 😉 Fast könnte man glauben hinter dem Alias stecke ein Herr graf von sowieso… K.M.
Also ich weiß nicht, in welcher Gegend dieses Festlandei wohnt, aber in unserer Stadt wird es jedes Jahr schlimmer. Das Wort Rücksicht existiert nicht mehr in den Köpfen vieler.
Ich musste selbst schon erleben, wie mir Kinder unter Anleitung ihrer Eltern Böller beim Vorbeifahren gegen die Windschutzscheibe warfen. Kanonenschläge werden wahllos in die Menge geworfen. Jugendliche werfen Böller unter geparkte Autos und rennen weg. Mein Nachbar blieb auf dem Schaden sitzen, weil der Täter leider nicht strafmündig war und die Eltern nicht arbeiten.
Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Opfern dieser übergriffigen Rücksichtslosigkeit. Egal ob Mensch, Tier, Pflanze oder Gebäude. Keinerlei Regung habe ich dagegen für jene, die sich aus eigener Dummheit selbst verletzen.
Die Politik sollte endlich den Weg frei machen, dass dieser überholte Unsinn abgestellt wird. Egal auf welcher Ebene, das Ergebnis zählt, nicht das leider übliche Gerangel, wer denn jetzt vielleicht zuständig ist oder besser nicht.
Leider ist es nicht möglich, diesen Geschäftemacher gezielt zu boykottieren, denn Vernünftige kaufen sein Zeug sowieso nicht und den anderen ist es eh egal, solange nur andere geschädigt werden.
Wieder ein typisches Armutszeugnis der heutigen Zeit.
Hallo zusammen,
Nur um einmal klar zu stellen, worum es geht: Das Gerichtsurteil hat das Verbot nicht gekippt, weil es ein Böllerverbot ist, sondern weil es aus der Sicht des Gerichts nicht vernünftig begründet wurde. Verbote erfordern eine gesetzliche Grundlage. Wenn die nicht gegeben ist, ist es ein grundlegendes Prinzip des Rechtsstaats, dass ein Verbot aufgehoben werden muss.
Und damit sind wir beim zweiten Begriff, der mir hier sauer aufgestoßen ist: “Diktatur”. Diktatur würde bedeuten, dass es keinen legitimen Weg mehr gibt, eine Regierung loszuwerden. Das ist nicht der Fall. Wie gesagt: Hier hat ein Gericht aufgrund der Rechtslage entschieden und sieht keine gesetzliche Grundlage für das Verbot. Das Verbot hat somit keine Grundlage und muss gekippt werden. Das ist Rechtsstaat. Das Verbot trotzdem aufrecht zu erhalten, wäre Diktatur. Denn dann würde sich der Staat nicht mehr an seine eigenen Gesetze halten.
Und nur um den falschen Eindruck zu vermeiden: Ich sehe, dass es gute Gründe für das Böllerverbot auf Amrum gibt und würde es im Sinne meiner Lieblingsinsel auch lieber sehen, wenn das Verbot Bestand hätte. Aber so funktioniert nun mal Recht…
Daniel Friese