Pink statt anonym: Im Wittdüner Zentralmarkt wird jetzt offen geflirtet. Neue Einkaufskörbe sollen Singles ins Gespräch bringen – ganz ohne App. Ob daraus schon mehr entstanden ist? Der Marktleiter hat da ein Versprechen …

Seit knapp vier Wochen hat der Wittdüner Zentralmarkt ein paar neue Mitarbeiter. Dienstkleidung: pink. Berufsbezeichnung: Flirtbeauftragte. Wie bitte? Zugegeben – das neue Personal kommt eher einsilbig daher, eine Art Stummer Diener 2.0. Was nicht bedeutet, dass die neuen Kollegen ihren Job nicht ernst nehmen.
Flirten statt Tindern
Im Klartext heißt das: Edeka hat nun knallig pinke Einkaufskörbe im Sortiment, die eine Einladung zum Flirten sein sollen. Offline statt online, turteln statt tindern. Wer sich einen der neuen Flirtkörbe schnappt, signalisiert: Sprich mich an, ich bin Single!
“Die Idee kam mir bei einem Besuch in meiner früheren Ausbildungsstätte”, erzählt Marktleiter Finn Müller. “Die hatten die Körbe schon eine Weile im Laden und bekamen viel positives Feedback. Und da dachte ich mir, gerade für Amrum, wo ja nicht so viele Menschen leben, wäre das doch eine schöne Idee.”
Gut gemeint – und anders genutzt
Gut angenommen wird die Idee in jedem Fall – wenn auch zuweilen aus unterschiedlichen Gründen. “Die Farbe passte so gut zu mir und macht einfach gute Laune. Mal was anderes als das triste schwarz”, erklärt eine Kundin ihre Wahl des pinken Einkaufskorbes. Dass sie da einen Flirtkorb gegriffen hat, war ihr nicht bewusst. “Erzählen Sie das bloß nicht meinem Mann!”, lacht sie.
Ähnlich berichtet eine Kassiererin über ihre Beobachtungen: “Viele, meist Frauen, aber mitunter auch Männer, nehmen den Korb, weil er schick und neu ist. Das ist immer ganz lustig, wenn es Kund*innen sind, von denen man genau weiß, dass sie verheiratet sind.”
Hat es schon gefunkt?

Ob bereits Menschen durch den Korb ins Gespräch gekommen sind oder sich gar Paare gebildet haben, weiß Finn Müller leider nicht. Selbst von anderen Märkten in Deutschland, wo es die Aktion bereits seit circa einem Jahr gibt, hat er noch nichts gehört. Aber: “Wenn sich bei uns auf Amrum tatsächlich ein Pärchen über den Flirtkorb kennenlernt, dann gibt’s einen Sektempfang bei uns!”, verspricht der Marktleiter.
Vielleicht bald auch in Nebel und Norddorf
Und wie sieht es mit den Edeka-Märkten in Nebel und Norddorf aus? Singles gibt’s sicher auch dort, die knalligen Körbe vermisst man hier allerdings noch. “Die Kollegen schauen sich das erstmal an, wie es bei uns läuft – und springen dann eventuell auf den Zug auf.”, sagt Finn Müller. “Witzig finden die Aktion jedenfalls alle – sowohl Mitarbeiter*innen als auch Kund*innen.” Und das ist am Ende doch das Wichtigste: Den Alltag ein wenig freundlicher zu machen und ein Lächeln ins Gesicht der Menschen zu zaubern – gerade im Winter, gerade zur Weihnachtszeit. Damit ist doch schon viel erreicht.
Ps.: Der Zentralmarkt hat vollstes Verständnis dafür, dass Alleinstehende auch außerhalb des Edekas ihre Bindungsbereitschaft signalisieren wollen – dennoch freut sich Finn Müller über jeden pinken Korb, der seinen Weg auch wieder zurück in den Laden findet 😉
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum


Also mir sind diese Körbe bisher noch nicht aufgefallen, sind die irgendwo “versteckt” oder grade “Aus” gewesen? 🙂
Und was für ein Glück das es kein Gesellschaftliches Stigma (mehr) ist Single zu sein. Mir scheint eher man müsste umgekehrt den (weniger werdenden) Verbandelten oder Verheiraten eine Pflicht zum Tragen eines (Ehe-, Partnerschafts-) Ringes geben. Dann könnte man diese auch leichter Erkennen wenn sie doch mal versehentlich einen Bunten Korb schnappten.
BTW. Wie wäre es (nach Alter Sitte) neben den Pinken dann auch Blaue Körbe hin zu stellen? Allerdings, ich weiß nicht ob sich dann nicht jemand “erregt”. Welche Farben werden denn LGBTQ+ zugeschrieben? Vielleicht wird’s dann doch “zu Bunt” 😉
Immerhin, die Idee hat was. Offline gibt es auch keine Daten die jemand verkaufen könnte – von einem Flirtgespräch in der Kassenschlange, in den Gängen oder wo die Videoüberwachung des Marktes so hin reicht… “irgendwas ist ja immer”. K.M.