Es geht eine Schönheit auf Reisen …

Der Künstler Matthias Menk setzt seine kleinen Tonfiguren für die Jahreskalender „Strandschönheiten“ in der Weite Amrums in Szene. Doch mitnichten leben die kleinen Plastiken nur als Models für‘s Foto-Shooting oder ihre Ausstellung am Ende der Saison. Wie wirkt eine Strandschönheit in ganz anderer Umgebung? Lassen Sie sich inspirieren…

Das Tannenbaumkleid

Es war einmal eine nordische Schönheit. Sie hieß Tanne. Tanne hatte kein Haus in Afrika, sondern ist dem Amrumer Künstler Matthias Menk entsprungen, im 15. Jahr seines Schaffens. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie noch heute.


Tanne trat ihre Reise mitten im Winter an. In ihrem immergrünen Kunstfasermantel stand sie am verschneiten Nordseestrand. Kess und zufrieden trotzte die Strandschönheit dem kalten Wind, der ihr blondes Haar zerzauste. Sie ließ ihn mit ihren Locken spielen und genoss die kühle, glasklare Luft. Ihr karminroter Schal, den sie – einer Weihnachtsgirlande gleich – um den Hals trug, flatterte sachte im Wind wie die bunten Sommerfähnchen am Strand. Tanne hatte die Augen geschlossen und träumte…


Sie träumte von ihrer Schönheit im Weihnachtskleid. Träumte, sie sei ein mit roten Kugeln geschmückter Tannenbaum in der warmen Weihnachtsstube. Vielleicht gönne ich mir einen Becher grünen Tee und wärme am Ofen meine kaltgefrorenen Hände? Ich könnte wie Santa durch den glänzeknden Kachelofen sausen und den Kindern am Weihnachtstag die Geschenke bringen. Oder gehöre ich auf dem Sims eines heimischen Kamins? In jedem Fall werde ich mit beiden Beinen wie ein Baumstamm fest im Leben netter Leute stehen und auf alles warten, was noch kommt. Wie schön muss das sein, dachte Tanne, und machte sich schon mal auf den Weg an einen neuen Ort, in ihr neues Leben.

Es begab sich nun aber im Dezember und die Sehnsucht nach Weite, Wind und Wetter auf Amrum war nicht leicht zu stillen. Tanne lief über sie Insel, kehrte mal hier ein, mal dort. Leise summte sie dazu eine Melodie aus ihrer Kindheit, die Worte frei nach Salvatore Adamo:


Es geht eine Schönheit auf Reisen.
Sie geht auf die Reise zu Dir.
Der Wind bringt sie Dir mit den Wolken,
und ich weiß, sie kommt stets von hier.


Es war so schön, an deinem Strand zu stehn.
Es ist so schön, dich immer anzusehn.
Uns schien sogar der Regen rosarot.
Sind für uns nun all diese Wunder tot?


Es geht eine Schönheit auf Reisen.
Du schickst sie rund um diese Welt.
Ich wünsch mir, dass sie am Heiligabend
von dem Himmel in meine Stube fällt.

An welchen Ort wird es Dich ziehen, holde Schönheit?

Jedes Jahr ab September gehen die von Matthias Menk geschaffenen kleinen Standschönheiten auf Reisen zu ihren neuen Eigentümer:innen. Viele verlassen schon am Ende des Sommers die Insel, andere bleiben auf Amrum und finden hier ihren neuen Platz. Doch im Umfeld der Landschaft, in der sie vom Künstler jahreszeitlich passend in Szene gesetzt wurden, bleiben sie nur auf den Fotografien. Dennoch leben die kleinen Plastiken nicht nur für diesen einen, großen Moment als Model eines Outdoor-Foto-Shootings oder für ihren kurzen Showroom-Auftritt im Hoonwerk zum Ende der Saison. Sie existieren andernorts weiter, führen ihr neues Werkleben als geschätzte Mitbewohner:innen dekorativ fort.

So auch die kleine Strandschönheit „Tannenbaumkleid“ für den Kalender im Dezember 2026. Nicht nur ihre Accessoires, Farben und Strukturen setzen hier das Thema, sondern die gesamte Figur: Die Strandschönheit im Weihnachtskleid ist ein gelungenes kleines Kunstwerk. Schon im Spätsommer fand sie ihren neuen Platz in Steenodde. Herzlichen Dank an die Besitzerin und an Matthias Menk, die dem Künstler freundlicherweise erlaubt hat, die Strandschönheit in der Adventszeit für Amrum News noch einmal in Szene zu setzen und an André Kruse in der Post-Agentur für’s Mitmachen.

Text: Astrid Thomas-Niemann / Fotos: Matthias Menk

Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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