Nebel stellt Weichen für Haushalt, Wohnraum und Zukunft …

Die Gemeinde Nebel beschließt zentrale Finanz- und Zukunftsentscheidungen. Haushalt, Investitionen und neue Wohnkonzepte prägen die letzte Sitzung des Jahres.

Haushalt: Umlagen bleiben größter Kostenfaktor

In der letzten Gemeinderatssitzung dieses Jahres verabschiedete die Gemeindevertretung Nebel den Gemeindehaushalt sowie den Wirtschaftsplan der Amrum Touristik Nebel. Gemessen an ihrer Finanzkraft ist die Gemeinde Nebel die zweitstärkste Kommune im Amtsbereich Föhr-Amrum und beteiligt sich an den Amts- und Kreisumlagen mit 9,5 Prozent (Wyk 40,21 Prozent, Wittdün 7,13 Prozent, Norddorf 6,26 Prozent).

Bei den geplanten Ausgaben für das kommende Jahr sind die höchsten Posten die Amtsumlage mit 1.010.700 Euro, gefolgt von der Kreisumlage mit 645.000 Euro. Ein weiterer großer Kostenpunkt ist die Zweckverbandsumlage des Amrumer Zweckverbandes Sicherheit und Soziales. Nebel beteiligt sich hier mit 481.435 Euro (40,51 Prozent). Größere Posten innerhalb dieser Umlage sind Zuschüsse für den Kindergarten in Höhe von 165.000 Euro sowie 146.000 Euro für die Altenwohngemeinschaft.

Auf der Einnahmenseite plant die Gemeinde Nebel unter anderem mit 800.000 Euro aus der Gewerbesteuer, 761.000 Euro aus dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer und 602.000 Euro aus der Zweitwohnungssteuer. Als sogenannte Zentralitätsgemeinde erhält Nebel zudem Schlüsselzuweisungen für übergemeindliche Aufgaben in Höhe von 233.400 Euro.

Investitionen 2026: Feuerwehr, Jugendzentrum und Infrastruktur

Für das Haushaltsjahr 2026 plant die Gemeinde Investitionen in Höhe von 1.140.100 Euro, wobei der größte Anteil auf die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses entfällt. Weitere Maßnahmen sind unter anderem die Erneuerung der WC-Anlage im Jugendzentrum sowie die Sanierung des Regenwasserkanals im Sösaraper Strunwai. Die geplante Kreditaufnahme für das Haushaltsjahr 2026 beläuft sich auf 950.000 Euro.

Im Finanzhaushalt, in dem Ein- und Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit gegenübergestellt werden, sind Einzahlungen in Höhe von 3.259.200 Euro und Auszahlungen von 2.987.500 Euro vorgesehen. Daraus ergibt sich ein Überschuss von 271.700 Euro.

Tourismus: Millionenprojekt Haus des Gastes

Der Wirtschaftsplan der Amrum Touristik Nebel sieht für das kommende Jahr Investitionen in einem Gesamtvolumen von 1.435.000 Euro vor. Der größte Teil entfällt dabei auf Planungs- und Baukosten für das Haus des Gastes. Für diese Investitionen ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 1.350.000 Euro vorgesehen. Die baufachliche Prüfung für den Neubau des Hauses des Gastes ist weitgehend abgeschlossen, sodass die Gemeinde in Kürze mit dem Förderbescheid rechnet.

Keine Erhöhung der Aufwandsentschädigungen

Schleswig-Holstein ist ein Flächenland, in dem viele Menschen im ländlichen Raum leben. Kommunalpolitisches Engagement – etwa als Bürgermeisterin oder Gemeindevertreter – erfolgt häufig ehrenamtlich. Die Aufwandsentschädigungen in Schleswig-Holstein sind bundesweit vergleichsweise niedrig. Mit der Änderung der Entschädigungsverordnung können Kommunen die Höchstbeträge künftig um bis zu 75 Prozent anheben. Die konkrete Höhe kann dabei per Satzung festgelegt werden. Aktuell beträgt die Aufwandsentschädigung für den Bürgermeister 740 Euro pro Monat und das Sitzungsgeld für Gemeindevertreter 35 Euro pro Sitzung. Die Gemeindevertretung Nebel beschloss, dass eine Erhöhung in Zeiten knapper Kassen das falsche Signal wäre. Es bleibt bei den bisherigen Sätzen.

Wohnraum für Fachkräfte und langfristige Entwicklung

Auch die Fachklinik Satteldüne in Nebel steht vor der Herausforderung des akuten und langfristigen Fachkräftemangels. Ein zentraler Baustein zur Sicherung des Personals ist die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum. Die Deutsche Rentenversicherung Nord (DRV Nord) plant daher, auf klinikeigenen Grundstücken am Sateldünwai zusätzliche Mitarbeiterwohnungen zu errichten. Nördlich des Sateldünwai (Flurstück Nr. 111/1) sollen mehrere Wohngebäude ergänzt werden, wobei die bestehenden Gebäude weitgehend erhalten bleiben. Südlich des Sateldünwai (Flurstück Nr. 108/2) sowie im westlichen Plangebiet sollen Bestandsgebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Dafür ist eine Änderung des Bebauungsplans Nr. 2 „Mitarbeiterwohnungen der Klinik Satteldüne am Sateldünwai“ erforderlich.

Das gesamte Plangebiet ist als reines Wohngebiet (WR) ausgewiesen, eine Nutzung als Ferienwohnungen ist ausgeschlossen. Die weitere Nutzung ist in einem detaillierten Nutzungsvertrag zwischen der Klinik Satteldüne und der Gemeinde Nebel geregelt. Die Dauerwohnungen dürfen ausschließlich von Personen genutzt werden, die ihre Hauptwohnung im Sinne des Bundesmeldegesetzes auf der Insel Amrum haben. Eine Umwandlung in Ferienwohnungen ist ausdrücklich ausgeschlossen.

In den vergangenen zwei Jahren wurde zudem das neue Wohnraumentwicklungskonzept der Gemeinde Nebel in mehreren Abstimmungsrunden mit den zuständigen Landesbehörden erarbeitet und nun final beschlossen. Als Zentralitätsgemeinde unterliegt Nebel weniger strengen landesplanerischen Vorgaben als anderen Amrumer Gemeinden. Dennoch ist es sinnvoll, den künftigen Bedarf an Dauerwohnungen zu definieren und potenzielle Siedlungsflächen auszuweisen. Gegebenenfalls muss Nebel als Zentralitätsgemeinde sogar den Wohnraumbedarf der gesamten Insel mit abdecken, falls Wittdün oder Norddorf ihre Ziele nicht erreichen.

Für das Wohnraumentwicklungskonzept wurden fünf potenzielle Siedlungserweiterungsflächen mit einer Gesamtgröße von 12,1 Hektar festgelegt. Hinzu kommen drei gewerbliche Erweiterungsflächen mit insgesamt 7,6 Hektar, die direkt an das bestehende Gewerbegebiet in Süddorf anschließen.

Ob und wann diese Flächen tatsächlich entwickelt werden können, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben der Aufstellung entsprechender Bebauungspläne müssen Eigentumsfragen sowie naturschutzrechtliche Belange geklärt werden. Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde.

Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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3 comments

  1. In dem Bericht fehlt mir ein Detail, was evtl. nicht angesprochen wurde, aber im Haushaltsplan steht.
    Danach wird es eine Grundsteuererhöhung für Grundstücke um 39% geben. Wenn ich das richtig interpretiere. So entnehme ich, soll der jetzt gültige Wert von 238% (laut Amt Föhr-Amrum) auf 330% (laut dem Hashaltsentwurf) steigen.
    Vielleicht kann jemand aus der Gemeinde dazu Stellung nehmen.
    Auf jeden Fall eine kräftige Erhöhung für alle Grundstücksbesitzer, um den Kredit für das Haus des Gastes zu bedienen.
    Wobei mir gar nicht aufgefallen ist, dass man dieses Haus braucht, wenn man es abreißt und in der Zwischenzeit keine Räumlichkeiten mehr hat. Die Veranstaltungen finden seit Jahren auch ohne Haus des Gastes statt.
    Nur, damit der Gemeinderat tagt, sind die Millionen zu viel, dafür kann man sich auch einmieten.
    Sollte man dem schlechten Geld für die Planungen jetzt kein gutes Geld für den unnötigen Neubau hinterherwerfen, wird der Bürger dem Gemeinderat auch gerne 75% mehr Entschädigung gönnen.
    Und dann die Grundsteuererhöhung auch wieder zurücknehmen.
    Die Pflicht zum Neubau laut Bürgerentscheid läuft in 2 Monaten aus und bis dahin gibt es sicher keinen Förderbescheid (wenn überhaupt).
    Reiner Binsen

  2. Ich frage mich hier nur ob es rückblickend Notwendig und eine Gute Idee war das Vorletzte Personalhaus auf dem Klinikgelände selbst, erst in Patientenwohnraum um zu wandeln und dann den ehemaligen Haupteingang zu überbauen. Denn mein Eindruck ist das seitdem dies Haus nicht mehr für Personal zur Verfügung stand mehrere Häuser in verschiedenen Orten die Fehlenden Personalwohnungen ersetzen mussten. Und nun wieder zurück Marsch-Marsch? Hat dabei jemand bedacht das bei einem späteren Muko-Lauf der Rasen nördlich des Sateldünwai’s dann nicht mehr als Ausweich-Parkplatz zur Verfügung stehen dürfte – wenn dort dann Wohngebäude stehen? Wird es den Lauf dann nicht mehr geben oder wo sollen Teilnehmer, Gäste u.a. dann ihre Fahrzeuge abstellen. Südlich des Sateldünwai steht hinter dem Wall und dem Asphaltweg m.W. auch zu weitem Teil eine Baumreihe, und dahinter direkt der (Einzig verbliebene) Parkplatz – der ja wg. des Muko-Laufes m.W. eh geräumt wird und… s.O. Für die jetzigen Anwohner (Personal) wird es auch enger werden nehme ich mal an. Wo vorher etliche Meter Rasenfläche waren auf der Kinder spielen konnten wird dann ein Haus stehen. Ob da Terrasse an Terrasse liegt oder ein Zuweg an der Terrasse kommt auf den Neubau an. Ich erwähne das nur weil ja schon im Zuge des MVZ-Neubaus von einer veränderten Wahrnehmung der Work-Life Balance gesprochen wurde. Und die einzigen anderen Südlich gelegenen Gebäude gehören der Nummerierung nach zum Sanghughwai. K.M.

  3. Es greift deutlich zu kurz, diesen Haushaltsplan lediglich zur Kenntnis zu nehmen und darüber zu berichten. Herr Binsen hat hierzu bereits weitergehende Hinweise gegeben.
    Die Gemeinde Nebel stellt für das Haushaltsjahr 2026 einen Haushaltsplan nach dem Modell des NKR (Neues Kommunales Rechnungswesen) in Form eines doppischen Haushalts auf. Für die Gemeinde bedeutet dies:
    • eine genauere Planung,
    • eine bessere Vergleichbarkeit über mehrere Jahre,
    • frühzeitigere Warnsignale bei finanziellen Problemen,
    • politisch klarere Entscheidungen, da Kosten realistischer abgebildet werden.
    Wenn sich die Gemeindevertretung für die Anwendung des NKR entscheidet, muss sie auch in der Lage sein, die Signale der Ergebnis- und Finanzplanung zu erkennen und richtig einzuordnen.
    Die bereits massiven Steuererhöhungen sowie die deutlich gestiegene Verschuldung haben den Haushalt 2026 gerade eben über die Ziellinie gebracht. Für 2027 weist der Haushalt bereits eine negative Liquidität von 680.000 Euro aus. Um diese Situation zu bewältigen, wird die Verschuldung weiter ansteigen. Die steigende Zinslast wird voraussichtlich erneut durch weitere Steuererhöhungen aufgefangen werden müssen. Im Ergebnis wird die von Herrn Binsen aufgegriffene Steuererhöhung gegenüber den künftig zu erwartenden Steigerungen eher eine Randnotiz sein.
    Mit der Aufstellung des Haushalts nach NKR hat die Gemeinde Nebel die Dramatik ihrer wirtschaftlichen Situation klar offengelegt. Nun gilt es, diese Warnsignale ernst zu nehmen und konsequent gegenzusteuern. In wirtschaftlicher Verantwortung ist der Controller anzuweisen, den Haushalt entsprechend kritisch und realistisch aufzustellen. Wer A sagt, muss nicht zwangsläufig B sagen, sondern sollte stets prüfen, ob A überhaupt richtig gewesen ist.
    Die derzeitige Planung zum Neubau des „Hauses des Kurgastes“ ist daher kritisch zu überprüfen. Die bislang verausgabten Kosten sind als nicht mehr beeinflussbar zu bewerten; auf dieser Grundlage ist mit einer veränderten, strukturell tragfähigen wirtschaftlichen Planung neu zu beginnen.
    Carl Lorenzen / Nebel

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