Wintervögel im Fokus – ein Dreh für eine NDR-Reportage über Amrum …

Der Wind fegt über die Dünen, feiner Nieselregen liegt in der Luft. Doch für die Journalistin Bärbel Fening und ihr Kamerateam ist genau das der richtige Moment, um hinauszugehen – dorthin, wo Naturschutz auch im Winter stattfindet. Mit dem Team des Naturzentrums in Norddorf auf Amrum geht es hinaus zur Vogelzählung.

Naturschutz im Winteralltag

FÖJlerin Luca Hilpert beobachtet die Vogelwelt auf den Wasserflächen zwischen den Dünen.

Vogelzählungen gehören zum Winteralltag der Freiwilligen im Naturzentrum des Vereins Öömrang Ferian i.f. Idita aus der Nähe von Stockholm und Luca aus der Region Lörrach absolvieren hier ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Routiniert packen sie Stativ, Spektiv, Ferngläser, Zähluhren und Notizbücher in ihre Rucksäcke. Tonassistent Robert Bracker legt die Mikrofone an – dann geht es los zur Springtidenzählung.

Durch die Dünen zur Himmelsleiter

Der Weg führt hinter dem Naturzentrum durch die Dünen, über den Bohlenweg hinauf zur Himmelsleiter. Oben öffnet sich der Blick über Dünen, Strand und Meer. Kameramann Michael Schröder fängt das beeindruckende winterliche Panorama mit einem weiten Schwenk ein. Richtung Süden, zum Quermarkenfeuer, erstreckt sich ein weitläufiges Dünental mit flachen Gewässern – ein bedeutender Rastplatz für zahlreiche Vogelarten, auch aus dem hohen Norden.

Warum gerade heute gezählt wird

„Warum wird gerade heute gezählt?“, fragt Bärbel Fening und blickt Richtung Wasser.
Idita erklärt: „Heute ist Springtide. Mond, Sonne und Erde stehen in einer Linie, die Anziehungskräfte verstärken sich, und das Wasser steigt besonders hoch. Die Vögel ziehen sich dann in ihre Hochwasserrastgebiete zurück und rücken eng zusammen. So können wir sie gut zählen.“

Diese Zählungen finden das ganze Jahr über alle zwei Wochen statt – immer bei Springtide. Deshalb heißt diese Erhebung auch Springtidenzählung.

Entlang der Wattenmeerküste und synchron

Auf Amrum zählen alle drei Naturschutzvereine parallel in festgelegten Gebieten: der Verein Jordsand, der Öömrang Ferian i.f. und die Schutzstation Wattenmeer. Doch die Erfassung endet nicht an der Inselgrenze. Entlang der gesamten Wattenmeerküste wird zeitgleich gezählt. Nur bei dichtem Nebel oder starkem Sturm werden Termine verschoben. Die Synchronität ist entscheidend, damit Vogelschwärme nicht mehrfach erfasst werden. Nur so lässt sich feststellen, wie es den Vogelbeständen wirklich geht.

Sicherer Rastplatz im Feuchtgebiet 

Welche Vögel haben Luca und Idita gerade entdeckt? Die Zähluhren klicken in schnellem Takt, die Kamera folgt ihrem Blick. Auf den Dünenseen sitzen zahlreiche Möwen-, Gänse- und Entenarten. Bärbel Fening fragt Luca, warum die Vögel gerade hier rasten.

„Das Gebiet ist ideal“, schwärmt Luca. „Hier finden die Vögel Schutz. Es bietet weite Flächen, gute Sicht und viel Flachwasser – ein sicherer Ort zwischen den Dünen.“

Winter am Strand

Nach einigen Nahaufnahmen geht es weiter zum Strand. Der Wind bläst hier deutlich stärker. Direkt an der Wasserkante sitzt eine große Schar Sanderlinge, dicht zusammengedrängt und dem Wetter trotzend. Die Freiwilligen zählen, die Kamera bleibt nah dran. Winter am Meer.

Besucher aus dem hohen Norden

Der Nieselregen wird dichter, die Hände klamm. Dann tauchen sie auf: Schneeammern. Bärbel Fening ist fasziniert von diesen hellen Singvögeln, Besuchern aus dem hohen Norden. Sie gelten als die nördlichsten brütenden Singvögel der Welt. Luca und Idita halten zudem Ausschau nach weiteren Arten des sogenannten „Spülsaumtrios“: Ohrenlerche und Berghänfling. Beide werden entdeckt.

Zahlen, Kaffee und ein gelungenes Fazit

Stunden später sitzen alle gemeinsam im kleinen Büro des Naturzentrums. Heißer Kaffee wärmt die Finger. „Das war ein schöner Dreh mit euch heute“, freut sich Bärbel Fening.

Die Zahlen sprechen für sich: Im Zählgebiet von Norddorf bis Nebel wurden 2.578 Vögel erfasst und 27 Arten bestimmt. Am häufigsten vertreten waren Trauerenten mit mehr als 600 Individuen auf dem Meer. Auch die Journalistin zeigt sich beeindruckt.

Winterleben auf Amrum im NDR

Die Freiwilligen zählen eine Vogelgruppe am Strand; das Filmteam dokumentiert das Geschehen.

Die Springtidenzählung ist eines von vielen Themen im Nordseereport des NDR, der das winterliche Inselleben auf Amrum porträtiert: von Handarbeit und Tradition, von Gastronomen, Naturführungen und gemeinsamer Arbeit am Bohlenweg. Geschichten von Menschen, die auch in der stillen Jahreszeit auf der Insel zuhause sind.

Der Nordseereport „Amrum im Winter – Zeit für echtes Inselleben“ wird am 25. Januar 2026 um 18 Uhr im NDR-Fernsehen ausgestrahlt.

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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