Wind, Wasser und Wetter geben den Takt vor. Warum sich Fährabfahrten auf Föhr und Amrum manchmal verschieben – und weshalb Sicherheit immer Vorrang hat. Und warum eine verfrühte Abfahrt ausnahmsweise die beste Lösung sein kann.
Wenn Wind und Wasser den Fahrplan diktieren

Die Abfahrten der Inselfähren können aus verschiedenen Gründen nach vorne bzw. nach hinten verschoben werden. Mal ist es der Ostwind mit zu wenig Wasser, dann der Sturm mit zu viel Wasser oder gar ein Eiswinter, der den Kurs eines Schiffes bestimmt bzw. das Schiff beschädigt.
In solchen Fällen informiert die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH (W.D.R.) ihre Kunden rechtzeitig auf ihrer Homepage www.faehre.de bzw. kontaktiert die Fahrgäste mit Fahrzeug.
Es gibt immer wieder Kunden, die solche erforderlichen Fahrplanänderungen nicht akzeptieren und sich darüber bei der Reederei beschweren. Leider gehören dazu auch alteingesessene Insulaner, die seit Jahrzehnten die hier vor Ort herrschenden Naturgewalten und deren Folgen miterleben. Die W.D.R. versucht bei den erwähnten Wetterlagen immer, einen sicheren Fährplan aufzustellen.
Niedrigwasser: Zentimeter entscheiden über Abfahrt
Wann und warum kommt es zu Fahrplanänderungen?
Auch im Nationalpark Wattenmeer prägen Ebbe und Flut sowie Wind und Wellen den Takt des Nordens. Da kann es gelegentlich vorkommen, dass man sich den Kräften der Natur beugen muss.
Fahrplanänderungen lassen sich daher nicht immer vermeiden, doch die W.D.R. ist stets bemüht, die Reisenden frühzeitig darüber zu informieren.
In der Regel ist bei Ostwindlagen mit extremen Niedrigwasserständen an der Nordseeküste zu rechnen, da das Wasser durch den Wind angetrieben stärker als normal abläuft. Ab einem vorhergesagten Wasserstand von 0,40 m unter dem normalen Niedrigwasserstand (NTnw) wird der Fährverkehr aus Sicherheitsgründen vorübergehend eingeschränkt oder ausgesetzt. Eine sichere und verzögerungsfreie Fahrt über die seichten Stellen in den Fahrwassern ist dann häufig nicht mehr möglich bzw. die Schiffe fallen in den Häfen trocken.
Warum Fähren manchmal früher ablegen
In einer solchen Situation verlassen die Schiffe den Abgangshafen erst, wenn der Wasserstand eine Weiterfahrt ohne Grundberührung ermöglicht. Sehr selten kann es auch passieren, dass eine Fähre den Hafen vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit verlässt, um wenigstens die bereits an Bord befindlichen Fahrgäste und Fahrzeuge noch pünktlich zum Ziel zu befördern. Es gilt zu bedenken, dass sich im nordfriesischen Wattenmeer der Wasserstand permanent um ca. 1 cm pro Minute verändert. So kann eine um nur zehn Minuten vorverlegte Abfahrtszeit maßgeblich darüber entscheiden, ob ein Schiff noch über eine seichte Stelle fahren kann oder auf Grund läuft.
Für Fahrgäste, die zwar pünktlich zur Abfahrtszeit erschienen sind, aber trotzdem das Schiff versäumen, ist diese Entscheidung sehr ärgerlich. Die W.D.R. bittet die betroffenen Fahrgäste und Frachtkunden für diese im Kundeninteresse getroffene Entscheidung um Verständnis.
Sturm und Eis: selten, aber riskant
Auch bei Sturm aus westlichen Windrichtungen ist die Reederei berechtigt, den Schiffsverkehr aus Sicherheitsgründen oder wegen Überflutung der Molen vorübergehend einzustellen. Im Gegensatz zu einer Störung durch Niedrigwasser lässt sich das Ende eines Sturms häufig nicht präzise vorhersagen.
Änderungen im Fahrplan durch Eissituationen im Winter sind sehr selten. Insbesondere das von Wind und Tide aufgeschobene Eis kann zu erheblichen Problemen beim sicheren und zügigen Manövrieren führen. Das von der Tide zerstoßene Eis treibt mit dem Tidestrom und dem Wind zwischen den Inseln hin und her. So kommt es häufig vor, dass ein Hafenbecken vollständig eisfrei ist, während sich im anderen Hafen die Eisschollen auftürmen und das Anlegen der Schiffe teilweise nahezu unmöglich machen.
Sicherheit vor Pünktlichkeit
Jede Fahrplanänderung ist ein Ärgernis – für die Kunden und für die Reederei. Die W.D.R. stellt den Fährverkehr niemals ohne wichtigen Grund ein, sondern handelt ausschließlich im Interesse der Schiffssicherheit. Es nützt niemandem etwas, wenn um jeden Preis versucht wird, den Fahrplan einzuhalten, sodass anschließend ein Schiff wegen Beschädigung mehrere Tage lang die Werft aufsuchen muss. Daher wird in der gegebenen Situation um Verständnis gebeten.
Seit Anfang der 2000er Jahre musste übrigens lediglich eine Verbindung aus technischen Gründen ausfallen. Gerade die neuen Doppelendfähren verfügen mit vier unabhängig voneinander arbeitenden Antrieben (viermal jeweils Motor, Getriebe und Propeller) über eine sehr gute Redundanz. Fällt ein Antrieb einmal aus (was sehr selten vorkommt), ermöglichen die drei verbleibenden eine problemlose Weiterfahrt des Schiffes.
Auf der Homepage der W.D.R. www.faehre.de weist die Reederei ggf. auf aktuelle Meldungen, Fahrplanänderungen und Neues von Bord hin. Es wird empfohlen, sich am Vortag vor der Überfahrt zu informieren, ob es Fahrplanänderungen gibt.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

