Wenn die Insel den Winter verbrennt …

Der Wetterumschwung kommt pünktlich. Entlang der Küste lodern wieder die Biakefeuer – und in der Kirche erklingt Friesisch. Zwei Tage, die zeigen, wie lebendig Brauchtum auf der Insel ist.

Seit Anfang Januar bestimmte vor allem eines das Bild: Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Dazu ein eisiger Ostwind, der mal kräftig, mal nur als schneidende Brise über die Insel fegte. Klirrende Kälte inklusive.

Doch nun scheint dem Winter langsam die Puste auszugehen. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein vom Morgen bis zum Abend – ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch. Dass sich die Temperaturen dabei nur um den Gefrierpunkt bewegten, störte kaum jemanden. Im Gegenteil: Zahlreiche Inselbesucher nutzten die Gelegenheit für ausgedehnte Spaziergänge durch die verschneite Landschaft.

Zum Wochenende allerdings kündigt sich ein deutlicher Wetterumschwung an. Die Temperaturen sollen ungewöhnlich stark steigen und sogar in den zweistelligen Plusbereich klettern. Begleitet wird das Ganze jedoch von Regen und wechselhaftem Wetter.


Biake: Ein Brauch mit langer Geschichte

Der Wetterwechsel kommt genau zur rechten Zeit: Am Samstag, dem 21. Februar, leuchten entlang der nordfriesischen Westküste wieder die traditionellen Biakefeuer. Auf den Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Pellworm sowie auf den Halligen werden zahlreiche Biaken entzündet und tauchen die Abenddämmerung in flackerndes Licht.

Die Ursprünge des Biakebrennens reichen weit zurück. Es gilt als ältester nordfriesischer Brauch. Die Feuer sollten einst böse Wintergeister vertreiben und die neue Saat schützen. Zur Zeit des Walfangs dienten sie zudem als Abschiedsgruß für die Männer, die sich um den 22. Februar – den Petritag – auf den Weg nach Amsterdam machten, um von dort in die Fanggebiete aufzubrechen. Andere Überlieferungen besagen, dass mit dem Feuer schlicht und symbolträchtig der Winter ausgetrieben werden sollte.


Fackelzug, Strohpuppe und Grünkohl

Auf Amrum lodern ab 18 Uhr die Feuer an der Wattseite in Norddorf, Nebel, Süddorf, Steenodde und Wittdün. In Norddorf beginnt das Geschehen bereits um 17.30 Uhr mit einer Ansprache vor dem Kino. Von dort aus zieht ein Fackelzug gemeinsam zum Biakeplatz – ein stimmungsvoller Auftakt für einen besonderen Abend.

Untrennbar mit dem Biake verbunden ist auch die Strohpuppe „Piader“ (Pidder). Er thront auf dem Scheiterhaufen und steht sinnbildlich für den Winter. Fällt er ins Feuer, gilt dieser als besiegt.

Und natürlich darf eines an diesem Tag keinesfalls fehlen: das traditionelle Grünkohlessen – ein Muss für alle, die den Abend nach friesischer Art ausklingen lassen möchten.


Öömrang Hööw: Glaube in friesischer Sprache

Auch der Sonntag steht ganz im Zeichen der Tradition. In der St. Clemens-Kirche wird am 22. Februar „Öömrang Hööw“ gefeiert. Um 10 Uhr beginnt ein besonderer Gottesdienst in friesischer Sprache, im Dialekt Öömrang. Unter dem Leitwort „Wees‘m ei baang – Fürchtet euch nicht“ gestalten Pastorin Martje Brandt und ihr Team sowie der Kirchenchor einen festlichen und zugleich heimatverbundenen Gottesdienst. Die Predigt hält der gebürtige Amrumer Pastor Richard Hölck.

Friesische Lieder und Texte prägen die Feier. Ein zweisprachiges Gottesdienstheft sorgt dafür, dass alle Besucher dem Ablauf gut folgen können. Traditionell klingt der Öömrang Hööw mit dem Lied „Dü min tüs, min öömrang lun“ von L. C. Peters aus – ein musikalisches Bekenntnis zur Heimat und zur friesischen Sprache.


Die Amrum News werden über das Biake und den Öömrang Hööw berichten.

Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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