Das war der Winter 2025/26 auf Amrum …

Sechs Wochen Dauerfrost, hohe Schneeverwehungen und Polarlichter über der Insel: Der Winter 2025/26 wird auf Amrum als einer der außergewöhnlichsten der vergangenen Jahrzehnte in Erinnerung bleiben.

Der erste Schnee fiel im November 2025

Es ist zwar bereits viel über den diesjährigen Winter geschrieben worden, dennoch erscheint es lohnenswert, eine kurze Zusammenfassung des „Winters 2025/26“ zu geben. Von Anfang Januar 2026 bis kurz vor Biike erstreckte sich die längste Frostperiode auf Amrum seit 15 Jahren. Etwas mehr als sechs Wochen lang herrschten durchgehend eisige Temperaturen, teilweise mit zweistelligen Minusgraden. Zudem dominierte eine wochenlange Ostwindlage, die die gefühlten Temperaturen auf unter minus 15 Grad sinken ließ und den Fährverkehr massiv durcheinanderbrachte. Kräftige Schneefälle ließen die Insel tagelang unter einer dichten weißen Decke verschwinden. Nicht nur während des Wintersturms Elli, der Anfang Januar weite Teile Mitteleuropas überquerte, führte der böige Wind an bekannten exponierten Stellen – etwa im Bereich der Nebeler Mühle, zwischen Süddorf und Nebel sowie am Klööwenhuuch zwischen Nebel und Norddorf – zu heftigen Schneeverwehungen. Die Räumdienste hatten alle Hände voll zu tun. Schneeglätte auf festgefahrenen Straßen und Bürgersteigen machte das Vorankommen vielerorts beschwerlich. Mitunter musste der Busverkehr eingestellt werden, und auch die Schule fiel aus. Alle Verkehrsteilnehmer passten sich jedoch den widrigen Bedingungen an; Unfälle oder schwerere Verletzungen wurden nicht bekannt.

Vom ersten Schnee über Polarlichter bis zum Biikefeuer

In der Nacht vom 20. auf den 21. November 2025 fiel der erste Schnee – und viele hofften auf weiße Weihnachten. Dieser alljährlich neu aufkommende Wunsch wurde jedoch, wie so oft, nicht erfüllt. Zwar herrschte über die Feiertage und „zwischen den Jahren“ freundliches, kühles Wetter, doch von Schnee war weit und breit nichts zu sehen. Das änderte sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 2026 schlagartig: Amrum versank in einer Winterwunderlandschaft. Schlitten wurden ausgepackt und in inseltypischer Weise genutzt. Zwischen heftigen Schneeschauern gewann man mitunter den Eindruck, als präsentierten sich Amrums Wahrzeichen in „Schwarz-Weiß“.

Um den 19. Januar herum waren zudem phantastische Polarlichter am Nachthimmel zu beobachten – ein im letzten Jahr gar nicht mehr so seltenes Naturschauspiel über der Nordsee.

Durch die anhaltende Ostwindlage bildeten sich insbesondere an der Wattseite großflächige Eisflächen, von denen sich tidebedingt ganze Ströme von Eisschollen hin und her bewegten. Auch an der Seeseite hinterließ das ablaufende Wasser an den Flutsäumen Spuren in Form von gefrorenem Meerwasser. Bis zum 17. Januar schneite es nahezu täglich mehrfach. Erst am 18. Januar änderte sich die Großwetterlage: Der Ostwind ließ nach, und ein kristallblauer Himmel ließ die Insel noch einmal in ihrer ganzen Winterschönheit erstrahlen.

Pünktlich zu den Biikefeuern war es dann vorbei mit dem prachtvollen Winterwetter. In der Nacht zum 21. Februar setzte Regen ein, und es begann zu tauen, sodass die vielen Besucher an den fünf Feuern auf Amrum – wie so oft – mit schlammigen Böden zurechtkommen mussten. Immerhin blieb es am Biikeabend von oben trocken. Am folgenden Tag sorgten heftige Regenfälle dafür, dass auch die letzten Schneereste verschwanden. In den letzten Februartagen lag häufiger Nebel über der Insel. Wenn sich jedoch die Sonne durchsetzen konnte, war der nahende Frühling bereits zu erahnen.

Nach der üblichen Weihnachts- und Neujahrspause, in der alle Bauarbeiten auf Amrum ruhten, konnten witterungsbedingt auch nach dem 5. Januar nur wenige Baustellen den Betrieb wieder aufnehmen. Insbesondere der Neubau des Medizinischen Versorgungszentrums stand bis zum 24. Februar komplett still, da der nächste Bauabschnitt – das Gießen der Betonzwischendecke – aufgrund des Dauerfrostes nicht stattfinden konnte.

Ein außergewöhnlicher Winter im historischen Vergleich

In Erinnerung an Feb 2010 – Wittdün unterhalb des ehemaligen Fähranlegers 3

Wie eingangs erwähnt, handelte es sich um die längste Frostperiode seit 15 Jahren. In den vergangenen Wintern gab es auf Amrum meist nur wenige Frost- oder Schneetage. Man muss bis in den Winter 2009/2010 zurückblicken, um eine noch längere Kältephase zu finden. Damals herrschte von Mitte Dezember 2009 bis Mitte März 2010 über 13 Wochen hinweg Dauerfrost. Auch vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Klimawandel verliehen selbst Meteorologen diesem Winter das Prädikat „außergewöhnlich“. Der Winter 2010/11 brachte dann ebenfalls – in mehreren Phasen – noch einmal längere Zeit Schnee und Eis. Danach folgten auf Amrum überwiegend milde Winter.

Als kälteste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in Norddeutschland gelten übrigens 1962/63, gefolgt von 1928/29, 1939/40 und 1946/47.

Vorfreude auf den Frühling

Auch wenn dieser Rückblick den Titel „Das war der Winter 2025/26“ trägt, ist ein weiterer Wintereinbruch in den kommenden Wochen nicht ausgeschlossen. Er dürfte jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine sechs Wochen mehr andauern.  Zwar begann am 1. März der meteorologische Frühling, der kalendarische folgt am 20. März – doch kurze Schneefälle oder Nachtfröste sind selbst im April keine Seltenheit.

Selbst eingefleischte Winterfans müssen irgendwann akzeptieren, dass auch der schönste Winter einmal endet. Und inzwischen dürfte es wohl kaum jemanden geben, der sich nicht auf den Frühling freut.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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