Neue Kunstausstellung in der Amrumer Windmühle …

Die Mühle erwacht – und mit ihr die Kunst. Birgitt Sokollek und Bernd Biallas zeigen noch bis Juli ihre farbenfrohen Werke. Warum sich ein Besuch nicht nur für die Künstler selbst lohnt. 

Noch bis zum 10. Juli sind die Werke von Birgitt Sokollek und Bernd Biallas in der Amrumer Windmühle zu sehen.

Das Wahrzeichen Nebels ist aus dem Winterschlaf erwacht: Seit Anfang des Monats erstrahlt die Amrumer Windmühle nicht nur in neuem technischen Glanz (Amrum News berichtete über die Restaurierungsarbeiten), sie hat sich auch pünktlich zum Saisonstart wieder ein frisches Kunstgewand zugelegt: Birgitt Sokollek und Bernd Biallas stellen bis in den Juli hinein ihre Werke im Mühlenboden aus.

Kunst zieht wieder in die Mühle ein

Gut 50 Gäste waren zur Vernissage am vorletzten Wochenende gekommen. Während draußen die Bäume und Sträucher noch kahl waren, herrschte drinnen nicht nur buntes Gewusel, auch die Lehmwände waren geschmückt mit farbenfrohen Werken. Frühlingsgefühle trotz kalter Temperaturen.

Zum Auftakt spielten Birgitt und Rüdiger Sokollek zwei muntere, irische Folklorestücke.

Ein fröhlicher Auftakt zur Vernissage

Letzteren sagten Birgitt Sokollek und ihr Mann Rüdiger dann auch gleich den Kampf an: Mit Bouzouki und Akkordeon spielten die beiden zwei muntere irische Volkslieder, die gute Laune verbreiteten und die von der Zeitumstellung müden Glieder weckten. Ein wunderbarer Auftakt für diese Ausstellungseröffnung.

Kai Quedens im Gespräch mit Bernd Biallas.

Im Anschluss begrüßte Kai Quedens, stellvertretender Vorsitzender des Amrumer Mühlenvereins, die Gäste. Zu den Werken selbst wolle er gar nicht viel sagen, die sprächen für sich. Und auch mit den beiden Künstlern trat Quedens lieber in einen kleinen Dialog, als nur über sie zu reden. “Seit über 30 Jahren lebt ihr jetzt schon hier!”, sagt er an Birgitt Sokollek und ihren Mann gewandt. “Von der Insel auf die Insel – Birgitt stammt nämlich von der schönen ehemaligen Elbinsel Finkenwerder! Apropos – da fällt mir sofort der Maler Eduard Bargheer ein – hat er dich inspiriert?”, fragt Quedens.

“Nö!”, antwortet Sokollek entschieden – und erntet einige Lacher. “Ich finde alle Künstler toll, aber inspirieren, tun mich andere Sachen.”

“Na was inspiriert dich denn dann?”, fragt Quedens zurück.

Birgitt Sokollek vor ihren Aquarellwerken der Amrumer Natur.

Inspiration aus der Natur

Es seien die Bilder, die sie in der Natur sehe. Sie habe ein ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis, sauge alles in sich auf, speichere es ab und male es später im Atelier – alles aus der Erinnerung heraus, erzählt Birgitt Sokollek. Ihre jahrelange Erfahrung und die Technik der Aquarellmalerei gibt sie bereits seit den 70er Jahren in Kursen an Interessierte weiter. Allein in den letzten 30 Jahren auf Amrum hat Sokollek gut 5.000 Kunstbegeisterten Theorie und Praxis des Aquarellmalens vermittelt. Ihre Werke können auch im Norddorfer Gemeindehaus und ihrem Atelier in Nebel besichtigt und erworben werden.

Der Münsteraner Künstler Bernd Biallas vor der Mühle – in der Mühle.

Ein Münsteraner entdeckt die Nordsee

Bernd Biallas dürfte den meisten Gästen noch unbekannt sein. Er kommt aus Münster und stellt zum ersten Mal auf Amrum aus. “Ihr fragt euch sicher, wie es kommt, dass ein Münsteraner hier auf dieser kleinen einsamen Nordseeinsel ausstellt”, eröffnet Biallas seine kurze Vorstellung. “Während eines Urlaubs haben meine Frau und ich die Mühle hier entdeckt und erfahren, dass ein Teil des Erlöses aus den Kunstverkäufen zum Erhalt der Mühle beiträgt. Das fand ich eine tolle Sache! Und überhaupt: Hier, ans Meer, gehören meine Bilder doch hin!”, sagt Biallas begeistert. Denn: Es sind vor allem maritime Motive, die der Münsteraner in seinem Atelier malt. Da Münster gut 200 km vom Meer entfernt liegt, stellt sich die Frage nach der Pleinairmalerei, also dem Malen in der Natur, bei Biallas kaum. Und trotzdem: “Ich habe das auch gemacht. Aber auf gelbe und orange Ölfarben kommen so viele Fliegen und Mücken, dass ich das schnell wieder aufgegeben habe.”, lacht der Künstler. Auf Kai Quedens Nachfrage, warum seine Galerie UltraMarin heiße, antwortet Biallas: “Na das ist doch klar! Meeresbilder sind der Kern meiner Arbeit. Und Blau spielt eine wichtige Rolle – es gibt kaum ein Bild, wo kein Ultramarin drin ist.” Welch ein Glück, denn: “Ich habe mal gelesen, dass Blau die Lieblingsfarbe der Europäer sei”, weiß Quedens zu berichten. “Also wenn du mal in Japan ausstellst, solltest du vielleicht doch wieder mehr Orange verwenden”, scherzt Quedens.

Haben sichtlich Spaß miteinander: Bernd Biallas (links) mit Rüdiger und Birgitt Sokollek.

Am Ende betonten Sokollek und Biallas beide noch das Glück, das ihnen in ihrem Leben widerfahre. Einerseits das Glück, ihrem künstlerischen Schaffen nachgehen zu dürfen und stets Unterstützung von ihren Ehepartnern zu erhalten. Zum anderen das Glück, hier an diesem Ort auf dieser wunderschönen Insel auszustellen und damit auch zum Erhalt des Amrumer Wahrzeichens beitragen zu können. Für Bernd Biallas ist es außerdem ein ganz besonderes Glück, Birgitt und ihren Mann Rüdiger kennengelernt zu haben. “Das Entgegenkommen, die Unterstützung und Gastfreundschaft sind wirklich außergewöhnlich! Das habe ich in dieser Form noch nirgends vorher erlebt”, dankte der Münsteraner dem Ehepaar Sokollek gerührt.

Kunst, die den Erhalt sichert

Noch bis zum 10. Juli sind die insgesamt rund 50 Werke von Birgitt Sokollek und Bernd Biallas in der Amrumer Windmühle zu sehen. Sokolleks Bilder, ausnahmslos Aquarelle, gehen bei 140 Euro los. Eines ihrer Werke war bereits nach nur 30 Minuten verkauft – wie eine Besucherin bedauernd feststellte (“Ausgerechnet die Wellhornschnecken, mein Lieblingswerk!”). Biallas’ Werke, neben Aquarellen und Gouachen auch Ölbilder auf Leinwand und Strandholz, sind schon ab 90 Euro zu bekommen. “Das sind sehr, sehr moderate Preise”, betont auch Kai Quedens nochmal. Und für die Amrumer Mühle, mit ihren 300 Jahren vermutlich die älteste Achtkant-Windmühle Deutschlands, sind die Erlöse existenzsichernd: Allein der Unterhalt kostet jährlich rund 30.000 Euro. Die seit einem schweren Sturm 2011 notwendig gewordenen Reparaturen beliefen sich zusätzlich auf rund 190.000 Euro.

Daher: Vielleicht ersetzen Sie in diesem Urlaub ein paar Stücke Friesentorte und den üblichen Deko-Leuchtturm doch mal durch ein Original-Aquarell aus der Amrumer Windmühle…

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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