Sturmschäden, jahrelange Arbeit, große Unterstützung.
Auf Amrum wird ein historisches Wahrzeichen wiederbelebt.
Warum die Arbeit trotzdem noch nicht vorbei ist, zeigt sich erst jetzt.
2011 wurde die Mühle schwer beschädigt – heute ist sie fast wie neu. Ein langfristiges Restaurierungsprojekt auf Amrum findet nach vielen Jahren seinen Abschluss. Doch ganz fertig ist die Arbeit noch nicht.

Sturmschäden als Wendepunkt
„Diese Mühle ist schon etwas ganz Besonderes“, waren sich Uwe Karstens, Dr. Berthold Köster (Landesdenkmalpflege) und Rüdiger Weiß einig. Gemeinsam waren die Mühlensachverständigen auf Amrum, um mit dem Vorsitzenden des Amrumer Mühlenvereins, Volker Langfeld, den Abschluss umfangreicher Reparaturmaßnahmen zu besiegeln.
Nach den schweren Sturmschäden im Jahr 2011 wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog erstellt. Zur Schadensermittlung reisten mehrere Fachleute an: Uwe Karstens (Mühlensachverständiger), Jos Geverink, Mühlenbauer und Inhaber der Firma Groot Wesseldijk, sowie Dr. Berthold Köster von der Landesdenkmalpflege.
Gemeinsam begutachteten sie die Schäden im Detail. Der Umfang war erheblich: Insgesamt wurde ein Schaden von rund 190.000 Euro festgestellt.
Dr. Berthold Köster kam damals auf die Insel, um den Zustand des Kulturdenkmals zu begutachten. Die Mühle wurde gründlich untersucht, Schäden dokumentiert und erste Schritte geplant.
„Ich hatte gerade erst das Amt des ersten Vorsitzenden von meinem Vorgänger Hark Thomsen übernommen. Da kam einiges auf mich zu – doch der Vorstand und viele Mühlenfreunde haben mich unterstützt“, erinnert sich Volker Langfeld.

Hilfe von Fachleuten und Förderern
In den folgenden Jahren wurden Gutachten erstellt und Fördermöglichkeiten geprüft. Dank der Unterstützung der Landesdenkmalpflege konnten erste Maßnahmen schnell umgesetzt werden.
Auch internationale Hilfe spielte eine wichtige Rolle: Die Mühlenbauer aus den Niederlanden begleiteten die Arbeiten über viele Jahre hinweg. Die Firma Groot Wesseldijk übernahm die Arbeiten am Mühlenkörper, während für die Ruten (Flügel) die Firma Vaags zuständig war. „Sie haben hier Unglaubliches geleistet“, sagt Langfeld.
Viele Arbeiten wurden jedoch auch in Eigenleistung erbracht: Jürgen Tadsen, Martin Pörksen und Volker Langfeld engagierten sich intensiv. So wurden unter anderem die 68 Zähne im Kronenrad erneuert.
Auch der Windrosenbock wurde instand gesetzt, sodass sich die Kappe der Mühle wieder selbstständig in den Wind drehen kann.
Die Reetarbeiten übernahm die Firma Chr. Peters, die Eindeckung der Kappe erfolgte durch die Firma Lommatzsch.

Handwerk trifft Geschichte
Die Restaurierung verlangte nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Kreativität. Immer wieder mussten individuelle Lösungen gefunden werden, um die historische Substanz zu erhalten.
Anhand alter Beschläge und dendrochronologischer Untersuchungen ließ sich das Alter der Mühle genauer bestimmen: Sie gilt als älteste Achtkantmühle Norddeutschlands, erbaut um 1650 in den Niederlanden und seit 1771 auf Amrum in Betrieb.

Technik bringt Bewegung zurück
Ein wichtiger Meilenstein war zuletzt der Einbau eines Motors, gesponsert von Mühlenbesitzer Jochen Köhler. Bereits früher hatte es einen Motor gegeben, der jedoch später wieder entfernt wurde.
In den vergangenen zwei Jahren wurden die Voraussetzungen für den erneuten Einbau geschaffen. Bislang konnte die Mühle nur bei ausreichend Wind betrieben werden – das ändert sich nun.
Begleitet wurden die Arbeiten von erfahrenen Mühlenbautechnikern, darunter Daniel Illbrink, Hank Nengermann und Jos Geverink.
„Unser Ziel ist es, wieder Korn zu mahlen“, sagt Langfeld. „Besucher sind begeistert, die Technik in Bewegung zu sehen. Ein kleiner Junge sagte neulich: ‚Was gibt es Spannenderes?‘ – das zeigt, wie wichtig dieses lebendige Kulturdenkmal ist.“

Letzte Schritte bis zum Neustart
Der Maßnahmenkatalog ist nun weitgehend abgeschlossen. Möglich wurde dies durch die Unterstützung zahlreicher Spender, Sponsoren und Mühlenfreunde.
Ganz beendet ist die Arbeit jedoch nicht. Auch in den kommenden Monaten stehen noch technische Feinarbeiten an: So soll ein Elektromotor das Anlassen des Dieselmotors unterstützen. Zudem wird das Lager der Rutenwelle im Stirnrad überholt, da es Spiel aufweist. Beim zweiten Mahlstein muss die Position des Bunkels neu justiert werden, und auch die Zahnräder im Windrosenbock werden auf Verschleiß überprüft.
Für die kommende Saison steht dennoch eines im Mittelpunkt:
„Lasst sie drehen – die Flügel der Amrumer Windmühle.“
Am kommenden Sonntag werden die Türen der Amrumer Windmühle zum Saisonstart geöffnet, die Vernissage von Birgitt Sokollek und Bernd Biallas beginnt um 11.30 Uhr und freut sich auf viele Besucher.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

