Hand in Hand seit 60 Jahren

Verkuppelt – und ein Leben lang geblieben.
Ute und Julius Peters blicken auf 60 gemeinsame Jahre zurück.
Wie aus einer spontanen Idee eine große Liebe wurde, überrascht bis heute.

Hand in Hand seit 60 Jahren- Ute und Julius vor ihrem Haus in Steenodde

Verkuppelt – und sofort verbunden

„Wir sind verkuppelt worden“, lachen Ute und Julius Peters sich an. Weitläufige Verwandtschaft und ein gemeinsam eingefädelter Kaffeenachmittag waren die ersten gesponnenen Fäden ihres Kennenlernens. „Ocke Schmidt kam mit einem großen Blumenpott an und sagte: ‚Julius hat sich verlobt‘ – da kannten wir beide uns noch gar nicht“, erzählt Julius. Und Ute ergänzt: „Meine Mutter sagte nur: ‚Na, wenn es Julius passt, uns passt das auch.‘ Da ist aus einer spontanen Geschichte von Ocke eine Liebesgeschichte mit Happy End geworden – denn nur knapp einen Monat später, am 22.April 1966 läuteten bei uns schon die Hochzeitsglocken.“

Was sich anhört wie ein Hollywood-Klassiker, ist für die aus Lübeck stammende Ute und den Amrumer Julius echtes Leben: ein Leben voller Familie, Arbeit, Reisen, Höhen und Tiefen – und auch nach 60 gemeinsamen Jahren ein Lächeln füreinander.

Julius „warb“ für seine Ute vor den Schwiegereltern mit einem kompletten Weihnachtsessen, das seine Mutter auf Amrum gekocht hatte und das er mit dem Auto bis nach Lübeck brachte. „Das hat meine Eltern schon sehr beeindruckt. Fast hätte Julius das in einer Schnapslaune wieder zunichtegemacht, aber mein Vater hat ihm schnell den Kopf gewaschen – und die Wogen waren geglättet“, berichtet Ute.


Zwischen Arbeit und großen Reisen

Viele Geschichten haben die beiden erlebt. Ute, die nach ihrer Haushaltsschule eigentlich Köchin werden wollte, kam über die Gastronomie und die Arbeit im Krankenhaus in Lübeck schließlich nach Amrum, wo sie in der Ferienvermietung und später im Fahrradverleih arbeitete. „Als ich nach Amrum kam, bin ich sehr herzlich aufgenommen worden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mich Julius Bendixen damals an die Hand nahm, mich durch Nebel führte und mich allen älteren Nebelern vorstellte“, erzählt Ute, die mit Julius Peters schließlich in Steenodde bei den Schwiegereltern heimisch wurde.

Als gelernter Tischler arbeitete Julius zehn Jahre bei Tin Gerrets und vier weitere bei Gerd Jessen, bevor er beim WSA (Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt) am Hafen begann – und dort 30 Jahre blieb. Nach der Pensionierung wartete allerdings nicht die „Rentner-Ruhe“, sondern der Alltag mit Ferienvermietung, Gartenarbeit und vor allem dem kleinen Fahrradverleih, den Ute und er von August Jacobs übernommen hatten.

Gemeinsam schauen sie auf ihre Jahre zurück, Familie ist dabei das wichtigste

Neben der vielen Arbeit blieb auch Zeit zum Reisen. „Eigentlich wollte ich nur nach Hagenbeck – wir haben das immer im Fernsehen gesehen, und da wollte ich so gerne hin. Doch Julius wollte nicht verreisen“, erzählt Ute mit einem Schmunzeln. Es wurde dann aber nicht die Fahrt nach Hagenbeck, sondern eine Reise über den großen Teich nach Amerika. Durch Zufall – wegen eines Ausfalls von zwei Insulanern – rückten sie in eine Reisegruppe von Joachim Stock nach. Von Miami über Key West bis nach New York: Es war ein Traum – und sollte nicht der letzte bleiben. Mit leuchtenden Augen berichten die beiden von weiteren Reisen nach Australien und Neuseeland. „Es war eine wirklich tolle Zeit, in der wir so viel erlebt haben. Jetzt kommen wir ja nicht mehr so weg, und schon eine Fahrt nach Norddorf ist weit – doch das Erlebte bleibt lebendig“, sind sich beide einig. Schmunzelnd erzählen sie von einem „Mister Sexy“ und einem gebrochenen Gebiss am ersten Reisetag, das in Bangkok geklebt wurde – und bis heute hält.


Familie, Freunde und ein erfülltes Leben

Freundschaften wurden in der Ferne geschlossen – doch vor allem ihr großer Freundeskreis auf Amrum ist bis heute fester Bestandteil ihres Lebens. Viele Geschichten können die Beiden über Feste zu Geburtstagen und Jubiläen erzählen. Oder einfach auch so, zu einem spontanen Freundschaftsabend bei dem gelacht und erzählt wird zusammen kommen. Gilt Ute doch augenzwinkernd als „Bürgermeisterin von Steenodde“, war sie jahrelang in der Trachtengruppe aktiv. Beide sangen im Gesangverein, Julius engagierte sich in der Feuerwehr und Ute im Kirchenvorstand.

Wie sie das alles geschafft haben – neben drei Kindern, Enkeln und inzwischen sogar Urenkeln? „Wir lieben das Leben auf Amrum und freuen uns, dass zwei unserer drei Kinder auch hier mit ihren Familien leben. Unsere Tochter in Süddeutschland kommt regelmäßig – denn Familie ist uns ganz wichtig“, sagt Ute und zeigt auf die vielen Fotos in der guten Stube.

An ihrem Ehrentag, die Diamantene Hochzeit, feiern sie klein, im Kreise ihrer Liebsten. „Wer kommt, der kommt“, sagen beide gleichzeitig. Und es wird klar: Ute und Julius – seit 60 Jahren Hand in Hand. Und hoffentlich noch viele weitere glückliche Jahre.

Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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