Wie ein freundlicher Zugchef der Deutschen Bahn auf einer Chaosfahrt die Reisenden erfreut hat – eine Glosse

Wenn die Deutsche Bahn zur Odyssee wird, der Humor aber nicht verloren geht: Ein Zugchef sorgt auf einer chaotischen Fahrt von Düsseldorf nach Amrum für Lacher und gute Laune – trotz Verspätungen, Zugausfällen und misslungenen Sitzplatzreservierungen. Lesen Sie die lustige Geschichte einer Reise voller Missgeschicke, die trotzdem mit einem Lächeln endet.

 

Es war wieder einmal soweit: Wir sind verreist und erlebten wieder einmal eine Chaosfahrt. Nun habe ich schon einige „Reiseberichte“ für Amrum News verfasst und eigentlich dachte ich, dass es langweilig sein würde, schon wieder über die Probleme bei Reisen von und nach Amrum zu erzählen. Aber dann sagte ich mir, dass es mal eine nette Geste wäre, über die Freundlichkeit und Fröhlichkeit eines Bahnmitarbeiters zu berichten.

Der neue ICE nach Sylt fährt bereits

Wir, meine Frau Claudia und ich, reisten zur Gartenparty meines Sohnes, der 40 Jahre alt geworden war, nach Düsseldorf und danach weiter zum Verwandtschaftstreffen bei Claudias Mutter in Bonn. Um den Stress der langen Autofahrten zu vermeiden, fuhren wir am Vortag der Party bereits mit der W.D.R. und der NEG ans Festland, um in Deezbüll im Hotel Landhafen einen netten Abend zu verbringen. Es war für uns übrigens ein Novum, die NEG in Deezbüll anhalten zu lassen, was völlig problemlos geschah. Für den eigentlichen Reisetag hatten wir einen durchgehenden Intercity ab Niebüll bis Düsseldorf gebucht, der uns tatsächlich ziemlich pünktlich, mit nur 8 Minuten Verspätung, zum Düsseldorfer Hauptbahnhof brachte. Bemerkenswert war hierbei, dass unterwegs eine Durchsage mit dem Hinweis erfolgte, dass es auf der Strecke von und nach Sylt schon lange keinen Bordservice mehr gäbe und dass es eine der letzten Fahrten mit dem IC sei, und ab dem 1. Mai der neue „ICE L“ eingesetzt werden würde. Einige Tage später erschien im Insel Boten / SHZ ein großer Artikel mit der Überschrift „Neuer ICE nach Sylt fährt bereits“.

Am Düsseldorfer Hauptbahnhof hatten wir einen Mietwagen bestellt, mit dem wir uns frei bewegen konnten: Gartenparty, Hotel, einen Tag mit meinen Enkeln und dann nach Bonn, wo wir bei einer Freundin übernachten konnten und einige Tage mit Claudias Mutter samt Tanten und Onkels verbrachten.

Der gebuchte Zug ist abgesagt

Für den Rückreisetag hatten wir wiederum den durchgehenden Intercity namens „Nordfriesland“ von Köln nach Westerland gebucht. Er sollte um 8:08 Uhr in Düsseldorf abfahren, wo wir zuvor noch den Mietwagen zurückgeben mussten. Ziel war es, die 15:05 Uhr Fähre ab Dagebüll zu erreichen. Um den morgendlichen Berufsverkehr am Kölner Autobahnring zu umgehen, standen wir um 4:30 Uhr auf und machten uns um 5:00 Uhr auf den Weg. Ohne Verzögerungen erreichten wir Düsseldorf Hbf, gaben den Mietwagen ab und setzten uns um 7:00 Uhr in den „Starbucks“, um ein Frühstück einzunehmen (Starbucks hat übrigens keine Toiletten; gut, dass ich vorher beim Mietwagenservice noch mal war…). Kaum gesessen, meldete Claudias Smartphone eine E-Mail der Deutschen Bahn: Unser gebuchter Zug fällt aus! Fluchtartig verließen wir Kaffee und Tee und suchten nach einem anderen Zug nach Hamburg. Einer war gerade vor 5 Minuten abgefahren, der Nächste, ein ICE, wurde eine halbe Stunde später erwartet. Es gelang sogar noch, 2 Sitzplätze zu reservieren, jedoch nicht nebeneinander. Allerdings fuhr dieser ICE nach HH-Altona, von wo aus wir mit der Marschbahn weiter Richtung Westerland hätten fahren können. Laut Plan wäre diese jedoch 5 Minuten nach Eintreffen unseres Zuges abgefahren, die nächste dann erst eine Stunde später. Die Hoffnungen auf die 15:05 Uhr Fähre waren geplatzt.

Der ICE war pünktlich, wir fanden unsere Sitzplätze und stellten fest, dass im selben Waggon noch etliche andere Reisende waren, die eigentlich auch den ausgefallenen Zug hätten nehmen wollen. Freundlicherweise konnte ein Sitzplatztausch organisiert werden, sodass wir nebeneinander sitzen konnten. Eine Zugchefin kam, um die Fahrkarten zu kontrollieren, und wir berichteten, ebenso wie die Mitreisenden vor und hinter uns, von dem ausgefallenen Zug. Kurze Zeit später meldete sich die Zugchefin über eine Durchsage: „Ein Hinweis an alle Fahrgäste, die eigentlich mit dem IC 2310 nach Westerland fahren wollten: Sie müssen mir nicht alle die Geschichte erzählen, die habe ich jetzt schon 20-mal gehört. Ich kann Sie beruhigen. Ihr Zug ist nur zwischen Köln und Hamburg ausgefallen. Er wird ab Hamburg Hauptbahnhof wie geplant bereitgestellt. Wir werden rechtzeitig in Hamburg sein, Sie haben dann gut 30 Minuten Zeit, um in Ihren geplanten Zug umzusteigen und in Richtung Westerland zu fahren.“ Hurra! Die Hoffnung auf die 15:05 Uhr Fähre war wieder da! Und Sitzplätze hatten wir ja auch schon längst gebucht. Wg. 8, Pl. 14–16.

Der ICE kam auf die Minute genau am Hauptbahnhof an. Direkt am Gleis gegenüber war auch schon der IC nach Westerland angekündigt. Der kam aber nicht. 30 Minuten nach der angekündigten Abfahrtszeit änderte sich die Anzeige: Der Zug habe 30 Minuten Verspätung! Weitere Zeit verging. Zwischenzeitlich kam und fuhr eine Regionalbahn ab. 50 Minuten nach dem eigentlich angesagten Abfahrtstermin erschien eine Anzeige, und es ertönte eine Durchsage: „Achtung, ein Zug fährt durch!“ Tatsächlich erschien eine Lokomotive mit mehreren Wagen, die jedoch nicht durchfuhr, sondern anhielt. Merkwürdigerweise fuhr der Zug in vermeintlich falscher Richtung ein, und die Lokomotive hatte auch gar keinen Kontakt zu den Stromoberleitungen. (Wie sich herausstellte, kam der Zug rückwärts in den Bahnhof gefahren, und die erwähnte Lok war am hinteren Ende nur angehängt und sollte nach Westerland überführt werden). Die wartenden Fahrgäste verharrten stumm am Bahnsteig. Da änderte sich die Anzeige erneut, und wieder erschien der IC 2310 nach Westerland. Alle stürmten nun zum Zug und suchten nach den Wagennummern. Unseren Wg. 8 gab es nicht, nach Wg. 7 kam gleich Wg. 10. Egal, wir kletterten in die „10“, vorbei am Dienstabteil, aus dem eine Stimme ertönte: „Die Sitzplatzreservierung ist aufgehoben.“ Wir ergatterten zwei nebeneinander liegende Plätze und beobachteten staunend das Gedränge im Mittelgang: Horden zwängten sich mit Gepäck auf der Suche nach ihren Sitzen aneinander vorbei. Nach rund 10 Minuten ebbte das Geschehen ab, die meisten schienen einen Sitzplatz gefunden zu haben. Jetzt war fast eine Stunde nach dem angekündigten Abfahrtstermin vergangen, da ertönte das erste Mal die sympathische Stimme des Zugchefs, dem ich diesen Bericht gewidmet habe: „Liebe Fahrgäste, wir bitten Sie herzlich um Entschuldigung für die Verzögerung. Grund dafür ist, dass der Zug verspätet bereitgestellt wurde. Zudem hat dieser Zug entgegen der eigentlichen Planung vier Wagen weniger. Wir sind jedoch auf einem guten Weg, für alle einen Sitzplatz zu finden. Die Erste Klasse ist freigegeben, und im letzten Wagen sind noch einige Plätze frei. Dann haben wir aber noch ein weiteres, noch größeres Problem: Dieser Zug hat kein Gepäckabteil! Das heißt, dass wir keine Fahrräder mitnehmen können. Wir bitten alle, die mit Fahrrädern eingestiegen sind, wieder mitsamt ihren Rädern auszusteigen und sich eine alternative Zugverbindung zu suchen. Dieser Zug darf den Bahnhof nicht verlassen, solange Fahrräder an Bord sind. Weiterhin gestatten Sie mir den Hinweis, dass dieser Zug weder ein Bordbistro noch einen Kaffeeservice hat. Ich hoffe, dass Sie während der Fahrt nicht verdursten.“

Das Notfallwasser

Überraschenderweise dauerte die Ausladeaktion nur 10 Minuten, und der IC 2310 „Nordfriesland“ verließ den Hamburger Hauptbahnhof. Die Aussichten auf ein pünktliches Erreichen der NEG in Niebüll waren natürlich dahin, und wir fanden uns damit ab, erst die 18:00 Uhr Fähre Richtung Amrum nehmen zu können. Damit waren jedoch die Kuriositäten rund um IC 2310 noch nicht zu Ende. Kurz nach der Abfahrt in Hamburg meldete sich wieder der Zugchef: „Liebe Fahrgäste, wie Sie sicher bemerkt haben, ist es uns endlich gelungen, die beschwerliche Reise in Richtung Sylt mit großer Verspätung anzutreten. Wir sind redlich bemüht, etwas an Zeit aufzuholen, werden jedoch die jeweils angekündigten Ankunftszeiten nicht einhalten können. Ich werde Ihnen kurz vor Ihren Zielorten die weiteren Anschlussmöglichkeiten ansagen.“

Mal etwas schneller, mal etwas langsamer ging die Fahrt über die Marschbahn bis zur nächsten Durchsage: „Liebe Fahrgäste. Mit entsprechender Verspätung erreichen wir auf dem Weg nach Westerland gleich Itzehoe. Wem das alles zu aufregend hier ist, der kann jetzt aussteigen und mit dem nächsten Gegenzug zurück nach Hamburg fahren. In Itzehoe findet ein Lokwechsel statt. Das dauert etwa 15 Minuten. Die Raucher, die nicht zurück nach HH fahren, können am Bahnsteig eine rauchen gehen. Vergessen Sie aber nicht wieder einzusteigen.“ – Es folgte lautes Gelächter bei den Mitreisenden, zumindest in unsrem Wagen.

15 Minuten vergingen, 20 Minuten vergingen, nach 25 Minuten Stillstand kam die nächste Durchsage: „Es geht leider noch nicht weiter, es gibt technische Probleme beim Umkuppeln der Loks. Wir hoffen, dass wir das schnell beheben können.“

Nach 10 Minuten ging es dann tatsächlich doch weiter und der noch immer gut gelaunte Zugchef teilte mit: „Wie Sie sicher bemerkt haben sind wir wieder losgefahren. Es gab ein Problem mit der Bremsprobe. Die am Ende des Zuges angehängte Überführungslok wollte nicht so wie wir es wollten. Aber unser Lokführer konnte das Problem lösen.“ – Es erfolgte ein Applaus der Mitreisenden, die an eine geglückte Landung eines Charterfluges erinnerte.

Weitere 5 Minuten später: „Liebe Fahrgäste, wir haben jetzt 63 Minuten Verspätung. Das bedeutet, dass Sie jetzt Anspruch auf ein Freigetränk haben. Wie ich Ihnen aber schon in Hamburg mitgeteilt habe, gibt es auf dieser Strecke schon lange keinen Speise- und Getränkeservice mehr. Was wir aber dabeihaben, ist jede Menge Notfallwasser. Das können Sie gerne bei mir im Dienstabteil im Wagen 10 abholen.“ – Die Mitreisenden reagieren mit Gelächter und Applaus. Alle liebten den Zugchef, der ja nun wirklich nichts für diese Chaosfahrt kann. Und jede Menge Mitreisende holten sich tatsächlich ein Tetra Pak Vilsa-Mineralwasser ab.

Mit 132 km/h durch Dithmarschen

Auf dem Rest der Strecke bis Niebüll hat der Lokführer dann richtig Gas gegeben, mit bis zu 132 km/h durch Dithmarschen und Nordfriesland. Und dass der Zug kurz vor Heide nochmal für einige Minuten auf freier Strecke stehengeblieben ist, hat keinen mehr aufgeregt.

Mit 59 Minuten Verspätung kam der IC 2310 dann in Niebüll an, eine Minute zu früh für einen Regressanspruch. Ab 60 Minuten hätte es eine Erstattung von 25% vom Fahrpreis gegeben ……

Falsche Angabe zum Ausstieg und nur 59 Minuten Verspätung

Ein letzter netter Kontakt zum Zugchef erfolgte dann noch kurz vor der Ankunft in Niebüll. Ich hatte mich mit dem schweren Koffer schon an die Wagentür gestellt, da wo auch eine elektronische Anzeige war, auf der angegeben wurde, dass der Ausstieg links in Fahrtrichtung sei, was ab er nicht stimmte. Der Ausstieg war rechts. Da ich die Durchsage „Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung rechts“ nicht gehört hatte, rief mir Claudia, die ein Stück in der Schlange hinter mir stand, zu: „Peter, Du stehst falsch, der Ausstieg ist rechts!“ Kurz darauf ertönte nochmals eine Durchsage vom Zugchef, der hinter Claudia war und ihren Zuruf mitbekommen hatte: „Hier nochmals der Hinweis: Der Ausstieg in Niebüll befindet sich in Fahrtrichtung rechts. Das gilt auch für Peter!“ Ich hatte das Gefühl, dass der ganze Zug lauthals gelacht hat, und beim Aussteigen habe ich mich unter Applaus der umstehenden Reisenden beim Zugführer für seine stets aufmunternden und fröhlichen Ansagen bedankt.

In Niebüll ausgestiegen fuhr dann eine halbe Stunde später die NEG nach Dagebüll, wo wir uns zum Stressabbau im „Tor zu den Inseln“ die Wartezeit mit Currywurst / Pommes auf die 18:00 Uhr Fähre verschönten. Letztendlich waren wir dann nach über 15 Stunden Reisezeit gegen 20:30 Uhr zuhause.

Frustriert und gleichzeitig amüsiert

Fazit: Um mit der Kölner A Cappella Band „Wise Guys“ zu singen: „Sänk ju for träweling wis Deutsche Bahn“! Der Song erschien 2012, das zeigt, dass die Probleme der Deutschen Bahn nicht Neues sind. Aber vielleicht werden sie ja, zumindest auf der Strecke nach Westerland, mit dem neuen ICE L weniger.

Anm.:
Was habe ich nicht schon alles auf meinen Reisen/Fahrten nach und von Amrum erlebt: Staus auf Autobahnen, gesperrter Elbtunnel, Flugausfälle durch Schneechaos, Bahn- und Flugverspätungen, Verkehrschaos auf Sylt, Bombenentschärfungen an der Bahnstrecke, Sturmtief und Hochwasser oder extremes Niedrigwasser, die den Schiffsverkehr lahmlegten. Alles ist auf Amrum News nachzulesen:


https://amrum-news.de/2010/12/27/wenn-ein-amrumer-eine-reise/
https://amrum-news.de/2021/09/28/wenn-ein-amrumer-eine-reise-tut-2-0/
https://amrum-news.de/2022/05/04/wenn-ein-amrumer-eine-reise-tut-3-0/
https://amrum-news.de/2024/04/29/2024-Odyssee-im-Wattenmeer-oder-es-kann-verdammt-schwierig-sein-nach-Amrum-zu-reisen/
https://amrum-news.de/2024/08/27/in-13-½-stunden-von-duesseldorf-nach-amrum-oder-die-folgen-von-sturmtief-ursula-ein-erfahrungsbericht/

Diese Schilderungen sollen niemanden davon abhalten, nach Amrum zu kommen, denn sicher klappt ein Großteil der Reisen weitgehend problemlos. Allerdings sollte man immer ein paar Vorsichtsmaßnahmen treffen: Genügend Zeit mitbringen, ggf. auf ausreichende Umsteigezeiten bei der Bahn achten und nach Möglichkeit nie auf die letzte Fähre buchen. Und genügend Nahrungsmittel und Getränke mitnehmen, damit man kein „Notfallwasser“ vom Zugchef braucht.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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2 comments

  1. Sehr geehrter Herr Totzauer,
    Wir haben uns über die Glosse sehr amüsiert. Schreiben Sie bitte weiter im Stil des netten Bahnmitarbeiters. Das war einfach klasse und mitten aus dem Leben!

  2. Helmut H aus N

    Tja wie überraschend. Die deutsche Börsenbahn kann es nicht und wird es niemals können, weil sie es auch nicht können muss. Das Geld fließt auch so und alle Manager sind versorgt.
    Meine ein für allemal letzte Reise mit DB Fernverkehr war 2008. Nach Amrum, wohin sonst. Im normal grotesk verspäteten ICE nach Hamburg ging es schon los: “Also Leute, fragt doch mich sowas nicht” (Eine DB-Zugbegleiterin, die mit Fragen nach Anschlüssen nicht nur überfordert, sondern richtig genervt und belästigt war). Wen soll man denn sonst fragen?
    Ein S-Bahn-artiges Gebilde, in dem der gebuchte und bezahlte Sitzplatz 1. Klasse überhaupt nicht existierte. Stehplatz von Hamburg nach Niebüll zwischen Fahrrädern und Anhängern. Urlaub pur.
    Letzte Hoffnung, sich noch mal setzen zu können, neg von Niebüll nach Dagebüll. Denkste. Irgend ein stinkendes, qualmendes, dröhnendes Gebilde mit Wagen aus der Steinzeit lockte eine Horde fotografierender Fanatiker an, so dass auch die letzte Bahn-Etappe zum Stehplatz entartete. Nie wieder, niemals. Die einzige Alternative zum Auto ist ein anderes Auto.
    Verkehrswende? Nicht hier. Jedenfalls nicht jetzt. Die ÖBB hat inzwischen einige Nachtzugverbindungen aufgebaut, bei denen die DBAG wie üblich versagte. Die italienische Staatsbahn folgt derzeit auf deutschen maroden kaputtgesparten Gleisen. Wien, Rom, Mailand, Florenz, selbst Neapel wird greifbar. Amrum nicht.
    Also auch 2026 Amrum mit dem Auto. Bahnfrei, also stressfrei. Auto als Rollkoffer vor die Wohnung. Strand, Einkaufen, Ausflüge, zu Fuß oder wozu gibt es den Fahrradverleih? Alles funktioniert wie von selbst, solange die DB nicht im Spiel ist.

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