Farben, Wind, Licht – alles spielt eine Rolle.
Christopher Lehmpfuhl malt draußen und anders als die meisten Künstler.
Was seine besondere Technik so faszinierend macht …

Ein Künstler zieht Blicke auf sich
Es bildet sich eine Menschentraube: interessierte Blicke, neugierige Augen – und mittendrin ein Mann mit Hut, sitzend. Um ihn herum kleine Farbeimer, eine bunte Palette, vor ihm eine große Leinwand. Wenn der Berliner Künstler Christopher Lehmpfuhl beginnt zu malen, dauert es nicht lange, bis Passanten ihn umringen und ihren Augen kaum trauen.
Der 1972 in Berlin geborene Maler gehört zu den Künstlern, die konsequent draußen arbeiten. Schon seit vielen Jahren entstehen seine Werke direkt vor Ort – mitten im Geschehen, bei jedem Wetter.

Malen ohne Pinsel
Er malt mit den Händen – direkt, ohne etwas zwischen sich, der Farbe und der Leinwand. Dicke Ölfarbe trägt er Schicht für Schicht auf und modelliert sie mit kräftigen Bewegungen. Seine Bilder wirken dadurch fast wie Reliefs.
Diese besondere, pastose Malweise ist typisch für ihn. Sie verbindet unmittelbares Arbeiten mit einer Technik, die an klassische Freilichtmalerei erinnert – nur deutlich körperlicher und direkter.

Arbeiten unter freiem Himmel
Für drei Tage war Lehmpfuhl auf der Insel, um neue Werke für eine Ausstellung im September in Rendsburg zu schaffen – zu sehen in der Galerie Müllers. Während auf Facebook Bilder von ihm am Norddorfer Strand auftauchten, stand er bereits im Nebel und malte.
Ohne Skizze, immer draußen – dort, wo die Szenerie nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren ist.
„Ich male mit allen Sinnen, die Natur malt mit. Ich sehe nicht nur das Bild – meine Werke werden auch von dem inspiriert, was ich fühle und höre. Der Wind um mich herum, die Vögel, die Menschen. Ich spüre das Wetter, das Licht der Sonne malt mit – auf all das gehe ich ein“, erzählt Lehmpfuhl.
Immer wieder greift er mit den Fingern in die Farbpalette neben ihm, mischt die Farben direkt auf der Leinwand. Aus der Nähe wirken die Bilder fast abstrakt, mit etwas Abstand entfalten sie ihre ganze Wirkung.
Über zwanzig Jahre Erfahrung stecken in dieser Technik. Obwohl er nur eine Armlänge von der Leinwand entfernt arbeitet, weiß er genau, wie das Bild aus der Distanz aussehen wird.

Zwischen Nähe und Distanz
Konzentriert, ganz im Moment, beantwortet er dennoch die Fragen neugieriger Passanten. „Ich bin es gewohnt: Wenn man draußen malt, schauen die Menschen zu. Das stört mich nicht“, sagt er und richtet den Blick wieder auf die Leinwand.
Aufwendig gesichert und transportiert
Das Bild wird direkt vor Ort fertiggestellt – doch danach braucht es Zeit: Rund sechs Monate dauert es, bis die dick aufgetragene Farbe an der Oberfläche getrocknet ist.
Die frisch gemalten Werke werden anschließend aufwendig im Auto verschraubt, damit die empfindliche Ölfarbe keinen Schaden nimmt. So gesichert können sie vorsichtig transportiert werden. Auch die Logistik hinter der Kunst ist eine Herausforderung – eine, bei der Christopher Lehmpfuhl Unterstützung von seiner Frau Erika bekommt.
Von Amrum in die Ausstellung
Friesenhäuser, Kirchen, Leuchttürme und der Strand – Motive, die ihn inspirieren. Dabei wählt er nicht immer den klassischen Blick, das Postkartenmotiv, sondern auch Ausschnitte und ungewöhnliche Perspektiven. Licht, Wetter und Atmosphäre spielen dabei oft eine zentrale Rolle.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie in wenigen Minuten aus scheinbar willkürlichen Farbschichten Bilder entstehen. Mit diesen dicken Farbschichten formt er das Motiv – und plötzlich erkennen auch die Zuschauer das, was der Künstler längst gesehen hat.
Lehmpfuhl stellt seine Werke seit vielen Jahren national und international aus, seine Arbeiten finden sich in öffentlichen Sammlungen und Museen. Im September werden seine Amrum-Bilder in der Galerie Müllers in Rendsburg zu sehen sein.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

