Nach schweren Verkehrsunfällen oder inneren Blutungen kann schnelle Hilfe entscheidend sein. Die DRF Luftrettung erweitert deshalb die medizinischen Möglichkeiten ihres Rettungshubschraubers in Rendsburg um Blut- und Plasmakonserven für Notfälle. Welche Vorteile das für Patienten in ländlichen Regionen und auf den Inseln Schleswig-Holsteins bringt, wird im weiteren Verlauf deutlich.
Lebensrettende Versorgung bereits am Unfallort
Bei schweren Verletzungen mit massivem Blutverlust entscheidet häufig die Zeit über den weiteren Verlauf der Behandlung. Seit Anfang April startet die Besatzung des Rettungshubschraubers „Christoph 42“ in Rendsburg deshalb mit Blut- und Plasmakonserven an Bord zu ihren Einsätzen. Die Blutprodukte können direkt am Einsatzort verabreicht werden und ermöglichen eine frühzeitige Versorgung noch vor dem Transport in eine Klinik.
Für die DRF Luftrettung bedeutet die neue Ausstattung einen wichtigen Schritt zur weiteren Verbesserung der Notfallversorgung in Schleswig-Holstein. Gerade in einem Flächenland mit vielen ländlichen Regionen und Inseln können längere Transportzeiten eine besondere Herausforderung darstellen.
„Schleswig-Holstein ist ein überwiegend ländlich geprägtes, weitläufiges Flächenland, zu dem auch viele Inseln gehören“, erklärt Dr. Kai Berndt, Leitender Hubschrauberarzt an der Station Rendsburg. Mit Erythrozytenkonzentraten und Plasma stehe nun eine zusätzliche Therapiemöglichkeit direkt am Einsatzort zur Verfügung. Patienten mit schweren Verletzungen oder inneren Blutungen könnten dadurch bereits vor Ort stabilisiert und besser auf einen möglicherweise längeren Transport vorbereitet werden.
Universal-Blutpräparate für den Notfalleinsatz
Damit die Blutprodukte jederzeit verfügbar sind, betreibt die DRF Luftrettung an der Station Rendsburg ein eigenes Depot mit sogenannten Universal-Blutpräparaten. Die eingesetzten Erythrozytenkonzentrate stammen aus Blutspenden der Blutgruppe 0. Ergänzt werden sie durch gefriergetrocknetes Plasma der Blutgruppe AB.
Diese Kombination eignet sich besonders für die Notfallmedizin, da sie von Menschen aller Blutgruppen in akuten Situationen vertragen wird. Die Versorgung mit den Blutkonserven erfolgt durch die Blutbank des Instituts für Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Kiel. Das Plasma wird von der Apotheke der Schön Klinik Rendsburg bereitgestellt.
Mit der Einführung der Blutprodukte ist Rendsburg die sechste Station der DRF Luftrettung in Deutschland, die über diese besondere Ausstattung verfügt.

Positive Erfahrungen an anderen Luftrettungsstationen
Den Anfang machte bereits im Jahr 2019 die DRF-Luftrettungsstation in Greifswald. Dort startete erstmals ein deutscher Rettungshubschrauber standardmäßig mit Blut- und Plasmakonserven an Bord. Das dafür notwendige Transport- und Versorgungssystem wurde gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen, dem Universitätsklinikum Mannheim und der Universitätsmedizin Greifswald entwickelt.
In den vergangenen Jahren wurden schrittweise weitere Stationen mit Blutprodukten ausgestattet. Dazu gehören heute Greifswald, Mannheim, Regensburg, Stuttgart, Berlin-Marzahn und nun auch Rendsburg. Vor der Einführung wurden die notwendigen logistischen Strukturen aufgebaut und die Besatzungen umfassend geschult.
Die bisherigen Erfahrungen gelten als äußerst positiv. Mehr als 170 Patienten wurden inzwischen mit Erythrozytenkonzentraten oder Plasma versorgt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie hat auf die Vorteile einer frühzeitigen Blutproduktgabe hingewiesen. Zur wissenschaftlichen Auswertung beteiligt sich die DRF Luftrettung am „Blut im Notarztdienst-Register“ (BiNAR).
Christoph 42: Rund um die Uhr im Einsatz
Stationiert ist „Christoph 42“ am Flugplatz Rendsburg-Schachtholm. Zum Einsatz kommt ein hochmoderner Hubschrauber des Typs H145 mit Fünfblattrotor. Er wird sowohl für Notfalleinsätze als auch für dringende Intensivtransporte alarmiert.
Tagsüber besteht die Besatzung aus einem Piloten, einem Notarzt sowie einem Notfallsanitäter. Nachts übernehmen zwei Piloten den Flugbetrieb. Der Hubschrauber steht rund um die Uhr zur Verfügung und kann Notfallorte in einem Umkreis von rund 60 Kilometern innerhalb von maximal 15 Flugminuten erreichen.
Im Jahr 2025 wurde „Christoph 42“ insgesamt 1.513-mal alarmiert. Die Einsätze führen die Besatzung vor allem in die Landkreise Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Dithmarschen und Nordfriesland (einschließlich der Inseln). Intensivtransporte werden dagegen in ganz Schleswig-Holstein durchgeführt.
Eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas
Die DRF Luftrettung mit Sitz in Filderstadt zählt zu den größten Luftrettungsorganisationen Europas. Von 34 Stationen an 32 Standorten in Deutschland starten Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge zu Notfall-, Verlegungs- und Rückholungseinsätzen.
An 13 Hubschrauberstationen stehen die Crews rund um die Uhr bereit. An fünf Standorten kommen zudem Hubschrauber mit Rettungswinde zum Einsatz. Im Jahr 2024 absolvierte die gemeinnützige Organisation insgesamt 35.850 Einsätze.
Für den weiteren Ausbau ihrer lebensrettenden Aufgaben ist die DRF Luftrettung auf die Unterstützung ihrer Fördermitglieder angewiesen. Rund 400.000 Menschen engagieren sich bereits für die Organisation und tragen dazu bei, die Luftrettung in Deutschland dauerhaft zu sichern.
Quelle: DRF Luftrettung
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

