Neben der wohlbekannten historischen Mühle in Nebel gibt es in Süddorf noch eine weitere Mühle, die sich am Uasterstigh hinter Bäumen und Büschen versteckt. Sie ist wesentlich kleiner und auch jünger als ihre große Schwester auf dem Mühlenhügel.
Wie Georg Quedens in dem Buch „AMRUM – Landschaft, Geschichte, Natur“ schreibt, wurde bereits 1882 durch Volkert Quedens, den späteren Begründer des Seebades Wittdün auf Amrum, eine Mühle auf dem Hügelgrab „Redenhuuch“ aufgestellt. Der Fischer fuhr mit seinem Schiff an Munkmarsch auf Sylt vorbei, als er beobachtete, dass die Bockwindmühle, die dort 1775 errichtet worden war, gerade abgebrochen wurde. Kurzerhand landete er an, kaufte das Material und transportierte es nach Amrum.
Wenig später verkaufte er die Mühle an Heinrich Andresen, den Sohn eines Föhrer Landwirts. Dieser hatte für Quedens dessen Land bestellt und war kein gelernter Müller, eignete sich die dafür notwendigen Fertigkeiten jedoch an. Dabei stellte er fest, dass die Mühle nicht leistungsfähig genug war. Deshalb ließ er sie 1893 durch die heutige Mühle, einen sogenannten Kellerholländer mit windgängigen Segelflügeln, ersetzen. Diese vom Festland stammende Mühle bekam keine Windrose, sondern musste mithilfe eines „Steerts“ gegen die Windrichtung gedreht werden. Sie war bis 1942 in Betrieb. Im Jahr 1922 wurde die Mühle unterkellert. Dabei wurde in einer Steinsetzung ein Baumsarg mit Überresten eines männlichen Skeletts sowie ein Bronzeschwert gefunden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Mühle, wurde dann aber 1952 von zwei Hamburger Architekten erworben, die umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen ließen und sie als Wohngebäude nutzten. Der einst vorhandene Steert und die Mühlentechnik sind seitdem nicht mehr vorhanden.
Bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 wurde die Mühle von der Witwe eines der beiden Hamburger Architekten bewohnt. Viele Gäste und auch Amrumer werden sich an „Toni Rechtern“ erinnern, die oft am Gartentürchen stand und vorbeikommende Leute dazu einlud, die Mühle und den Garten zu besichtigen: „Soll ich Ihnen mal die Mühle zeigen?“
Nach einigen Jahren des Leerstandes wurde das Gebäude samt Garten wieder von Privatpersonen erworben und wird weiterhin als Wohnraum genutzt.
Weit über die Insel Amrum hinaus bekannt geworden ist die Mühle, die den Namen „Bertha“ erhielt, durch die Modellbaufirma Faller. Seit 1960 dient sie dort als Vorlage für das „Faller-Modelleisenbahngebäude H0 Windmühle Bertha“.
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