Für die Fahrgäste der MS „Norderaue“ wurde die Überfahrt am Donnerstagmorgen zu einem besonderen Erlebnis. Damit im Ernstfall alles klappt, trainieren die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), die Marine und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) verschiedene Rettungsverfahren. Auch zivile Rettungshubschrauber fliegen deshalb immer wieder Schiffe der WDR gezielt an. Doch was sich kurz nach dem Ablegen der Fähre über dem Wattenmeer abspielte, war selbst für die Crew kein alltäglicher Anblick.

Plötzlich wird es laut über der Fähre
Die fahrplanmäßige Fähre MS „Norderaue“ verließ um 9:30 Uhr den Fähranleger in Wittdün. Kurz nach Erreichen des zentralen Wattstroms tauchte der Rettungshubschrauber „Northern Rescue 01“ von der Station St. Peter-Ording auf.
Der Hubschrauber nahm gezielt Kurs auf das Fährschiff. Für die Crew und die Fahrgäste begann ein ungewöhnliches Schauspiel.
Training für den Ernstfall
Nicht immer können Patienten direkt vom Seenotkreuzer an Bord genommen werden. In solchen Fällen ist die Seilwinde des Rettungshubschraubers ein wichtiges Hilfs- und Rettungsmittel.
Deshalb wird das sogenannte Winchen regelmäßig trainiert. Dabei wird ein Luftretter aus dem Hubschrauber auf das Oberdeck eines Schiffes abgeseilt.
Das Auf- und Abseilen von Rettungspersonal oder Verletzten wird direkt auf See oder an Bord fahrender Schiffe geübt. Jeder Ablauf muss dabei sicher funktionieren.

Wenige Meter über dem Oberdeck
Eine besondere Herausforderung ist das Zusammenspiel von Schiff und Hubschrauber. Dabei kommt es vor allem auf die Zusammenarbeit zwischen dem Fährkapitän und dem Hubschrauberpiloten an.
Der über 14 Meter lange Airbus Helicopters H155 schwebt nur wenige Meter über dem Oberdeck der MS „Norderaue“. Der Lärm ist ohrenbetäubend.
Kurz darauf seilt sich der Luftretter aus dem Hubschrauber ab. Jeder Handgriff muss sitzen. Wenige Sekunden später steht er sicher auf dem Oberdeck (dem markierten Winchplatz) der Fähre.
Rettung mit der Seilwinde
Das Manöver dient nicht nur dazu, Rettungspersonal auf ein Schiff zu bringen. Auf diese Weise können auch Patienten von einem Schiff aufgenommen und per Seilwinde in den Hubschrauber gebracht werden.
Was während der Übung spektakulär aussieht, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung auf einen möglichen Rettungseinsatz.
Ein besonderer Einsatz – aber kein Notfall
Im beschriebenen Fall handelte es sich um ein Routinetraining. Betriebsleiter Nick Obert von der WDR würde solche Manöver gerne häufiger ermöglichen.
„Gerne würden alle Kapitäne der Reederei mal an einem solchen Manöver teilnehmen“, sagt Obert. Doch das sei nicht immer möglich. „Das muss auch immer passen, denn es handelt sich schließlich um einen Rettungshubschrauber, der jederzeit zu einem ‚echten‘ Notfall eingesetzt werden kann“, so Obert weiter.
Für Crew und Fahrgäste der MS „Norderaue“ blieb damit ein beeindruckender Anblick über dem Wattenmeer – und zugleich der Blick auf eine Rettungstechnik, bei der im Ernstfall jeder Handgriff sitzen muss.
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