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Interview mit Georg Quedens-30 Jahre Amrum Chronik…(kt)

Guad dai Georg, herzlichen Glückwunsch zu dem Bundesverdienstkreuz für Dein Lebenswerk, dem Hans-Mommsen-Preis und dem Frederik-Paulsen-Preis und vor Allem Danke für 30 Jahre Amrum Chronik. Einen wahrhaften Schatz der Inselgeschichte, den du über die Jahrzehnte zusammengetragen hast. Es wird deine letzte Amrum Chronik sein, wirklich?

Georg Quedens an seiner Schreibmaschine...

Georg Quedens an seiner Schreibmaschine...

Man sollte niemals nie sagen….doch ja, ich habe für das Jahr 2013 keine Vorbereitungen gemacht und Recherchen gemacht wie in den letzten 30 Jahren. Es wird also die letzte Chronik aus meiner Feder sein. Meine Frau hat schon in den letzten zehn Jahren gehofft, das ich aufhören werde. Die Chronik verschlingt nicht nur viel viel Zeit, sondern damit verbunden auch viel Geld. In der Zeit, in der ich eigentlich meiner Arbeit als Naturfotograf und Autor nachgehen sollte, verbringe ich in den Archiven und recherchiere. Wer, und ob, die Feder weiter geschwungen wird für die Amrum Chronik , weiß ich noch nicht und es wird sich heraus stellen.

Deine geschriebenen Worte sind unverblümt und du gehst kritisch auf Gewesenes ein, wie sind die Resonanzen darauf?

Eine Chronik ist keine Schmeichelei, sondern es werden Tatsachen und Ereignisse festgehalten, das einige diese lieber unerwähnt wünschten und nicht jeder meine Meinung über einige Themen teilt, ist mir von Anfang an klar gewesen. Meist sind es keine Lobeshymnen und auch Dinge, die nicht rund liefen, werden hier erwähnt. Das ich einigen Personen damit auf die Füße trete wußte ich schon bei meiner ersten Chronik vor 30 Jahren, doch auch wenn ich meine Meinung mit einfließen lasse, versuche ich bei den Tatsachen zu bleiben, die so passiert sind.

Es kommen drei Themen über das ganze Jahr immer wieder zum Tragen, der Bau an der Öömrang Skuul, die Seiteneinstiege und die Überfremdung auf der Insel. Welche Themen haben dich über die ganzen letzten Chroniken am meisten beschäftigt?

Das ist von Jahr zu Jahr anders, doch die Überfremdung der Insel zieht sich schon durch die letzten Chroniken. Ansonsten sind es immer wieder neue Ereignisse. So kann ich nicht direkt von einem roten Faden sprechen oder das mich irgend etwas ganz besonders beschäftigt. Die Natur und “Die Alten von Amrum”, Kirche und Schule, so wie die Feuerwehr und Geschichtliches, alles auf seine Weise ist wichtig und interessant.

In der letzten Chronik schreibst du über die Nazi-Zeit auf der Insel, wie kamst du auf das Thema? Bis heute sind die Nerven ja sehr angespannt bei dem Thema, wie waren die Reaktionen bis jetzt?

Die Chronik ist gerade erst herausgekommen, so kamen noch keine weiteren Reaktionen. Doch die Tatsachen aus vergangener Zeit werden nicht jedem gefallen, wobei es sich auch hier, wie ich schon sagte, um Tatsachen handelt. Die Kriegszeiten haben mich als Thema häufig beschäftigt und waren schon oft in den Chroniken thematisiert. Über die Nationalsozialistische Zeit auf Amrum wollte ich schon lange schreiben, doch hoffte ich noch auf Aufzeichnungen eines Insulaners, daraus resultiert auch das späte Erscheinen der diesjährigen Chronik. Die Aufzeichnungen blieben mir aber verschlossen. Aus meinem eigenen Archivmaterial kam jedoch soviel Information, das ich das Thema aufgreifen und darüber schreiben konnte.

Die Minolta Kamera ist immer dabei...natürlich nicht digital

Die Minolta Kamera ist immer dabei...natürlich nicht digital

Was möchtest du aus deinen Erfahrungen heraus den Insulanern, der Insel und den Gästen noch mit auf den Weg geben?

Versucht euer Land zu halten, passt auf ,das nicht alles aus euren Händen gerissen wird. Bleibt der Insel treu, als Gäste und auch die Insulaner, ich hoffe, dass die Persönlichkeit nicht verloren geht, die die Insel ausstrahlt. Die Jahre vergehen und die Veränderung nimmt seinen Lauf, doch bitte passt auf das wir das vorgelebte Schicksal der Nachbarinsel hier noch abwenden können, was nicht einfach sein wird, denn wir sind auf dem besten Weg dahin. Das insulare Gemeinschaftsleben wird auseinander gerissen und zerbricht an der Überfremdung, oder welche auswärtige Hausbesitzer ist aktives Mitglied in der Feuerwehr, den hiesigen Vereinen oder kann am alltäglichen Inselleben teilnehmen, das geht nun einmal nicht, wenn man nur ein paar Wochen im Jahr hier ist.

Georg, die bist nicht nur Insulaner, ” du bist Amrum” , so beschreibt Jakob Tholund dich in seiner Rede für den Frederik Paulsen Preis. Durch deine Arbeit und Leidenschaft für Natur, Sprache und Kultur deiner Heimat hast du mit deinen Büchern bleibende Werke geschaffen, was können wir noch erwarten, hast du noch Projekte für die Zukunft? 

Ohhhh ja , es gibt noch einiges was in meiner alten Schreibmaschine an Material eingespannt wird. Bücher und Artikel zu spezifischen Themen stehen noch aus und so werde ich noch einiges publizieren.  Meine Vorträge werden ein bisschen weniger, aber ganz ohne geht es noch nicht.

Wenn die Amrum Chronik in irgendeiner Art weitergeführt wird, was möchtest du zukünftigen Schreibern mit auf den Weg geben? Hast du einen ganz besonderen Rat oder Wunsch? 

Findet euren eigenen Weg. Habt starke Schultern und versucht nicht es allen recht zu machen sondern berichtet was auf der Insel passiert. Doch denkt dran es ist ein sehr hoher Zeitaufwand und reich wird man leider auch nicht. Wer aber Interesse an der Insel, ihrer Insulaner und Geschichte hat, der wird viel Spaß daran haben und oft mehr erfahren, als man denkt. Ich habe angefangen die Amrum Chronik nur für einen Menschen zu schreiben….für mich, für mich ganz alleine, um Gewesenes nicht zu vergessen und um Geschichte zu bewahren. Wer das im Hinterkopf behält, für den ist das die richtige Arbeit.

Danke Georg für das Interview

Kinka Tadsen

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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

10 Kommentare

  1. Georg Quedens spricht aus einem langen Leben auf Amrum voller Arbeit für seine Heimat heraus, deshalb haben seine Worte ein starkes Gewicht. Als Gast gingen mir die so manche Gedanken durch den Kopf, als ich wieder neue, gewaltige Häuser entstehen sah. Für die jungen Familien mit kleinen Kindern gilt ganz selbstverständlich: „Reichtum ist hier nicht zu finden.“ (aus dem öömrang-Lied). Und genauso naturgemäß stellen sie aber die Zukunft Amrums dar. Die Gemeinde Amrum muss wirklich alles dafür tun, dass in jeder der fünf Ortschaften die jungen Familien an allererster Stelle stehen, wenn es um bezahlbaren Wohnraum und Häuser für kinderreiche Familien geht…. Und einen sehr herzlichen Dank an Georg Quedens, waren es doch seine Bücher, die mich überhaupt erst nach Amrum führten.

  2. Hallo,
    ja der Georg ist ein wandelndes Geschichtsbuch.Ich hatte dieses Jahr eine Anfrage aus den USA hinsichtlich einer Familie Paulsen (jetzt Haus Altenwerder) .Habe mich darauf mit Georg in Verbindung gesetzt ,nach kurzer Info meinerseits konnte Georg ohne lange nach zu denken ,mir alles erzählen was mit der Familie Paulsen zusammen hängt und das alles ohne Computer !!! Alle Achtung.
    Nochmals Danke.
    Kai-Michael Prellwitz-Paulsen
    Wittdün

  3. Wie können Sie in einem solchen Artikel von “Überfremdung” der Insel sprechen? Wissen Sie überhaupt, was das Wort bedeutet und wo es herkommt???
    Sehr bezeichnend für eine Insel, die vom Tourismus lebt…

  4. Sehr geehrte Frau Ferraro-Wolf,
    Bitte interpretieren sie in das Wort “Überfremdung ” in diesem Zusammenhang, nichts Falsches. Das hilft keinem. Damit soll auch nicht ausgedrückt werden, das “Fremde” auf Amrum nicht gern gesehen werden, ganz im Gegenteil. Herr Quedens macht lediglich darauf aufmerksam, dass für Amrum die Gefahr besteht, dass ähnlich wie auf Sylt, die Einheimischen, also die dauernd auf der Insel lebenden Bürger, sich ein Wohnen und Leben auf Amrum nicht mehr leisten können, weil viele Immobilien verteuert an Zweitwohnungsbesitzer verkauft werden.Die Insulaner sollten darauf achten, dass ein ausgewogenes Verhältnis bestehen bleibt. Ich lebe mit meiner Familie jetzt seit 10 Jahren auf Amrum und fühle mich völlig wohl und integriert. Ich habe noch nie spüren müssen, dass ich fremd und nicht willkommen bin. Also immer schön im Ganzen betrachten, und nicht einfach einen Begriff aufgreifen, reininterpretieren und kritisieren!
    Silke Wulfert

  5. So ganz verstehe ich nicht, wie man das Interview mit Herrn Quedens so sehr missverstehen kann, um daraufhin irgendeine Art von Vorwurf zu erheben.1. Ist die Bedeutung des Begriffes “Überfremdung” generell nicht eindeutig definiert, also in vielerlei Bereichen einsetzbar und eingesetzt, 2. wird von Herrn Quedens doch ausgeführt, welche Bedeutung er dem Wort beimisst. Auch die Bedeutung des Fremdenverkehrs (ich benutze absichtlich dieses Wort!) für die Insel hebt er hervor! Aber es muss auch für die Insulaner noch eine lebenswerte Insel bleiben, sie müssen dort bezahlbaren Wohnraum finden können! Wie traurig und seelenlos wäre diese Insel, wenn man dort nur noch Touristen und “Gelegenheitsbewohner” antreffen würde!
    Alle, die Herrn Quedens einmal (nein-jedes Mal wieder!) erlebt haben, wissen, wie sehr er für die Natur, die Geschichte und das Leben auf der Insel brennt und wie sehr er die Gäste dafür begeistern kann. Nur wer Geschichte, Tiere, Pflanzen, Gebräuche, Naturgewalten usw. kennt, kann dem mit Respekt und dem Willen zum Erhalt begegnen! Ich wüsste niemanden, der mehr dafür getan hat als herr Quedens. Vielen Dank dafür!

  6. SK.Bender@t-online.de

    Aus Wikipedia:
    “„Überfremdung“ ist ein politisches Schlagwort, das im deutschen Sprachraum ein scheinbares Übergewicht von als fremd und schädlich bewerteten Einflüssen auf Gesellschaft, Kultur, Nation oder Sprache bezeichnet. Der Ausdruck wird im Rechtsextremismus oft für ausländer- und fremdenfeindliche Forderungen, Maßnahmen und Ziele benutzt.”
    -> In dem von Ihnen gemeinten Zusammenhang leider “ein bisschen daneben”.

  7. Ein Mann, der sich um Amrum und das nordfriesische Wattenmeer, höchst verdient gemacht hat und noch macht. Eine Lebensleistung die ihresgleichen sucht.
    Bitte nicht jedes Wort gleich in eine bestimmte politische Ecke drängen…oder sehen wollen.Hier wird von einer Insel und deren Bewohner gesprochen und denen sollte man mit Respekt und nicht mit “Erbsenzählertum” entgegentreten.

    “Der umgangssprachliche Begriff des Erbsenzählers für pingelige Korrektheit (Pedanterie) stammt von einem Ausspruch eines Zeitgenossen über Karl Baedeker, einen Herausgeber von Reiseführern. Beim Besteigen des Mailänder Doms ertappte der westfälische Freiherr Gisbert von Vincke 1847 Baedeker dabei, wie dieser alle 20 Stufen stehen blieb und eine trockene Erbse von der Westen- in die Hosentasche steckte. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für den späteren Reiseführer. Beim Abstieg machte er dann die Gegenprobe. Eben jener Genauigkeit verdankt er vermutlich auch seine Verewigung in Jacques Offenbachs Operette „La Vie Parisienne“, in deren englischer Übersetzung es heißt: „Kings and govermments may err, but never Mr. Baedeker“.
    Quelle: Wikipedia 😉

  8. Sehr geehrte Einheimischen (Eingeborenen),
    natürlich sollte man einzelne Formulierungen nicht immer auf die Goldwaage legen, aber hier ist nicht nur von einer allzeit geschätzten Amrumer Persönlichkeit die Rede, sondern auch von einem weisen Menschen, der in einer Zeit aufgewachsen ist, als dieser Begriff eine deutliche Ausprägung hatte. Hier wäre mehr Fingerspitzengefühl nötig gewesen. Und auch Amrum ist ein Teil der Welt, der sich dieser Entwicklung (Eigentumserwerb durch Nichtinsulaner) nicht verschließen kann. Und nur die Insulaner haben es in der Hand, Ihr Eigentum an die aus ihrer Sicht Richtigen zu verkaufen. Bei mir ist hier der fade Beigeschmack entstanden, dass “Fremde” gern gesehen sind, so lange sie befristet bleibenn und ihr Geld auf der Insel lassen. Schließlich sind wir es, die Ihnen Ihr Auskommen sichern. Wenn die “Fremden” wegbleiben, sind die finanziellen Verhältnisse ihrer Bewohner auf der schönen Insel genau so wie im finstersten Mittelalter. Dann müsste wieder der Pflug angespannt werden. Also bitte ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl. Danke.

  9. Danke Georg für all die interressanten Chroniken.
    Ich habe durch diese sehr sehr viel über die “Familienzusammenhänge” auf Amrum erfahren, was mich immer brennend interressiert hat.
    Beim Thema Landwirtschaft sind und waren wir wahrscheinlich nie einer Meinung, aber das liegt in der Natur des Menschen.
    – Obwohl, mir fällt das gerade ein , auf Guskölck hattest du Ende der Achziger deinen Golf “getarnt” um die Rohrweihe zu fotografiren -wurde nichts-. Am nächsten Morgen saß die Rohrweihe beim Weideabschleppen auf dem Sturzbügel meines Treckers. Den Trecker kannte die Rohrweihe , deinen getarnten Golf aber nicht.
    So gesehen liegen wir naturmäßig gar nicht so weit von einander entfernt, oder?
    Egal wie: Ich werde deine Chronicken sehr vermisssen.
    Danke auch für so manches nette persönliche Gespräch.

    Gruß Jan

  10. Leew Georg, uk ik soonke di!
    Und ich danke ebenfalls meinem Schoepfer, dass es auf Amrum einen Georg Quedens gibt.Das Wort DANKE hat nur 5 Buchstaben, ist klein und bescheiden, wird so oft vergessen. Meine Familien lebten schon vor 400 Jahren auf unserer Insel.Es gab Armut. Nach dem Mittelalter folgte die Seefahrerzeit, die Geld auf unsere Insel brachte.Danach folgte die Auswanderungszeit.Viele US Dollar wurden auf Amrum investiert, man erhielt CAREPAKETE, wie in allen Bundeslaendern. Heute ist die Vermietung unsere Existenz.Auch dafuer bin ich meinem Schoepfer sehr dankbar, denn ohne meine Gaeste koennte ich mein Elternhaus nicht erhalten. Am Kruemwai bin ich nun die einzige einheimische Hausbesitzerin, mein Gewese ist schon seit 110 Jahren im Familienbesitz,vor 62 Jahren wurde es von meinem Vater mit der amerikanischen Waehrung gekauft. Es hat Unruhen gegeben ( Minigolf, Efeuanpflanzung, Lampenausschaltung etc. etc.), aber es sind liebe Menschen. Unser Hermann Prey scheute nicht Zeit noch Weg um meinem Vater das letzte Geleit zu geben. In seinem Gesang spuerte man seine Liebe.
    Wir haben alle das Recht auf dieser Welt und auf dieser Insel zu leben, aber es gibt auch unter uns Menschen ein Minus und ein Plus. Ich hoerte oft: ..”du kommst wieder zurueck? Sie wollen auf Amrum bleiben? Verkaufe und gehe wieder zurueck nach Amerika!” Diese Worte tun weh.
    Mein Vater verkaufte vor 49 Jahren ein Grundstueck an Familie Leibkutsch. Die Toechter, Kirsten und Iris, sind mir liebe Freunde geblieben.Im letzten Jahr verkaufte ich meinen Bauplatz am Smaeswai. Erst letzte Woche, am Richtfest, lernte ich die neuen Besitzer, Eichblatt und Ihns, kennen. Ich war angenehm ueberrascht.Die Ueberfremdung hat mich noch nicht gestoert, aber die dunklen Haeuser waehrend der Winterzeit. So traurig. Und leider ist die alte Atmosphaere nicht geblieben. Die friesische Sprache hoert man kaum. Werden die alten Sitten und Gebraeuche noch gepflegt, wie frueher?
    Fuer alle Amrumer, ob einheimisch, eingeheiratet, zugereist oder eingekauft, die freundlich und nett zu mir sind, bin ich meinem Gott dankbar.
    Ich wuensche meiner geliebten Heimatinsel eine glaenzende Zukunft, Harmonie und Frieden.

Amrumer Fotowettbewerb 2015