Vor der Öffnung: Legionellen prüfen und spülen, spülen, spülen!


Stephanie Prinzler aus Norddorf beprobt Trinkwasseranlagen und Schwimmbäder.

Wer nach der langen Corona-Pause den Vermietungsbetrieb wieder aufnehmen möchte, sollte rechtzeitig daran denken, für eine einwandfreie Beschaffenheit des Trinkwassers Sorge zu tragen. Spülen, spülen, spülen lautet die Devise. Wird ein Gebäude nach längerer Stagnation wieder in Benutzung genommen, ist die einwandfreie Wasserqualität im Sinne der Trinkwasserverordnung sonst nämlich nicht gewährleistet. Mindestens alle drei Tage sollten  a l l e  Leitungen des Hauses während einer temporären Nicht-Nutzung gründlich durchgespült werden, heißt es in den Empfehlungen des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums. Spätestens sieben Tage, bevor der alltägliche Betrieb wieder aufgenommen wird, soll der zeitliche Abstand zwischen den Spülungen höchstens noch 24 Stunden betragen.

Viele Wohnungseigentümer*innen sind sich ihrer Verkehrssicherungspflichten aus der Trinkwasserverordnung gar nicht bewusst. Sie verlassen sich auf die Hausverwaltung oder ihren Vermietungsservice, ohne konkrete Vereinbarungen getroffen zu haben. Wenn aber ein Gebäude oder Teile davon längere Zeit nicht genutzt werden und kein regelmäßiger Wasseraustausch in der Trinkwasserinstallation stattgefunden hat, können sich in dem stehenden Wasser gesundheitsgefährdende Keime gebildet haben und durch die Leitungen zum Verbraucher gelangen.

Besonders gefürchtet sind Legionellen, die warmes Wasser zwischen 25 und 50 Grad Celsius lieben und sich deshalb vorzugsweise in Warmwasserspeichern (Boilern) vermehren. Über die Vernebelung des Wassers unter der Dusche können sie in die Atemwege gelangen und schwere Krankheiten auslösen.

Sofern zur Wassererwärmung ausschließlich Durchlauferhitzer zum Einsatz kommen oder keine Duschen bzw. Installationen, durch die Trinkwasser vernebelt wird, vorhanden sind, ist keine regelmäßige Untersuchung auf Legionellen vorgeschrieben. Doch die Betreiber von „Großanlagen zur Erwärmung von Trinkwasser“ (Warmwasserspeicher mit mehr als 400 Litern Inhalt oder mehr als 3 Liter Wasser in mindestens einer Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwasser-Erwärmers und der 1. Entnahmestelle) sind verpflichtet, ihre Trinkwasseranlage in regelmäßigen Abständen auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Für Betriebe mit Duschen und großen Warmwasserspeichern wie Hotels, Pensionen, Herbergen, Campingplätze und Ferienwohnungen, Kliniken, Pflegeheime, Schulen und KiTas, Schwimmbäder, Fitness-Studios und andere Sporteinrichtungen gilt die Legionellen-Untersuchungspflicht jährlich, für privat genutzte Mietshäuser nur alle drei Jahre. Bei Gebäuden von Eigentumswohnungen mit zentraler Warmwasserversorgung muss die Untersuchung erfolgen, sofern mindestens eine Wohnung vermietet, also nicht vom Eigentümer selbst genutzt wird.

Wenn das Wasser in der Dusche zentral aus einem Warmwasserspeicher kommt, muss bei Vermietung auf Legionellen geprüft werden.

Aktuell weist das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein darauf hin, dass es nach einer Aufhebung der Betriebsunterbrechungen infolge der Corona-Maßnahmen zu Engpässen bei den Untersuchungsstellen kommen kann. Um einwandfreies Trinkwasser an Dritte abzugeben und etwaigen Beeinträchtigungen des Betriebs vorzubeugen, empfiehlt das Ministerium insbesondere den Betreibern von Beherbergungsbetrieben (Ferienanlagen, Ferienwohnungen- und häusern, Campingplätzen, Jugendherbergen, Hotels, Gasthöfen, Pensionen, privat genutzten Zweit- oder Drittwohnungen), aber auch Sporteinrichtungen wie Schwimmbädern oder Fitness-Studios, sich um eine zeitnahe Beprobung auf Legionellen zu bemühen.

Auf Amrum bietet Stephanie Prinzler aus Norddorf solche Beprobungen an. 2017 hat sie sich in Kiel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) zur zertifizierten Legionellenprüferin ausbilden lassen und ist seither berechtigt zur Probenentnahme nach §15 (4) der Trinkwasserverordnung und zur Beprobung von Schwimmbädern.

„Als wir im November 2016 auf die Insel kamen und ein Objekt mit Ferienwohnungen übernahmen, erhielten wir kurze Zeit später vom Gesundheitsamt eine Aufforderung, unsere Warmwasseranlage auf Legionellen untersuchen zu lassen. Wir waren die Einzigen in der Straße, eine routinemäßige Stichprobe. Die Untersuchung hat 600 Euro gekostet. Das nun jährlich zu bezahlen, fanden wir ganz schön happig, und so kamen wir auf die Idee, dass wir uns doch selbst ausbilden lassen und die Dienstleistung auch anderen auf Amrum anbieten könnten“, erzählt Stephanie – frei nach dem Motto „von der Insel, für die Insel“.

„Die Proben müssen dem Gesundheitsamt ein repräsentatives Bild der gesamten Anlage liefern. Mindestens drei Entnahmen an verschiedenen Stellen sind notwendig“, sagt die Fachfrau. „Wenn sich die Kunden bei mir melden, verweise ich sie zunächst an die Amrumer Sanitär- und Haustechnik Unternehmen Bohn und Nielsen, denn für die Beprobung braucht es Entnahmeventile an der richtigen Stelle.“ Die Wasserproben schickt sie nach Kiel an das UKSH; etwa zehn Tage später liegt das Ergebnis vor. Die Logistik hat Stephanie genau ausgelotet, denn die Proben müssen binnen 24 bis 28 Stunden im Labor sein. „Ich kann jeden Tag zwei Proben entnehmen, ohne in Hektik zu geraten. Ich starte um 8:00 Uhr und muss bis 10.45 Uhr fertig sein, damit die Tests noch auf der Fähre kommen.“

Die Beprobung samt Laboruntersuchung, Information an das Gesundheitsamt und Erinnerung an die nächste Fälligkeit bietet Stephanie Prinzler zu einem Pauschalpreis einschließlich Mehrwertsteuer an. Für eine einfache Anlage mit drei Beprobungsstellen liegt der zurzeit bei 240 Euro, aber es kommt natürlich auf die Größe der Anlage und die örtlichen Gegebenheiten des Gebäudes an. „Mag sein, dass die Angebote einiger Wettbewerber vom Festland auf den ersten Blick günstiger erscheinen, doch die müssen sehr viele Proben nehmen, während sie auf der Insel sind, und man weiß vorher nicht, was an Fahrt-,  Rüst- oder Übernachtungskosten noch obendrauf kommt. Bei mir gibt keine versteckten Kosten, und ich bin zeitlich flexibel. Sollte beim Kunden mal etwas Unerwartetes dazwischenkommen, sei es eine Krankheit oder dass die Heizungsanlage defekt ist oder was auch immer, entstehen keine Kosten. Als Amrumerin muss ich ja nicht extra anreisen.“

 

Kontakt: Stephanie Prinzler, Dünemwai 18, 25946 Norddorf, Tel. 04682/9983411

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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