Vermietung trotz Beherbergungsverbot?


Leider wurde auf dem letzten Corona-Gipfel nicht über einen Fahrplan zur Aussetzung des Beherbergungsverbotes entschieden, auch wenn viele Vermieter und Hotelbesitzer es sich gewünscht haben. Das Thema wurde auf den nächsten Gipfel am 22.März vertagt, es heißt also weiter abwarten.

Die Amrum Touristik und viele Vermieter berichten über eine zunehmende Anzahl von Urlaubsanfragen, die leider zurzeit nicht verbindlich beantwortet werden können. Seit dem 15.November stehen die Ferienwohnungen und Hotelzimmer auf Amrum leer. Viele Menschen würden gern der Isolation zu Hause entfliehen und ein paar Tage Urlaub machen, was aber momentan nicht möglich ist. Oder doch? Immer wieder gibt es Hinweise, dass sich Urlauber auf der Insel befinden. Einheimische berichten, dass sie teilweise von ihnen nicht bekannten Personen angesprochen werden, die nach dem Weg oder einer bestimmten Adresse fragen. Man kann auch beim Einkaufen beobachten, wie der eine oder andere Kunde überrascht über das Angebot auf Amrum ist. Das können eigentlich keine Bewohner der Insel oder Zweitwohnungsbesitzer sein. Auch berichten Handwerker, die länger an ein und derselben Baustelle arbeiten, dass es vorkommt, dass bei Nachbarhäusern die Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen wöchentlich wechseln.

„Ich werde häufiger von Bürgern angesprochen, die mich darauf hinweisen, dass sich ihrer Meinung nach Urlauber auf der Insel befinden, die sich nach geltender Landesverordnung gar nicht auf Amrum aufhalten dürften“ so Norddorfs Bürgermeister Christoph Decker, „leider möchte dieses niemand offiziell anzeigen“.  Auch Frank Timpe, der Leiter der Amrum Touristik bestätigt, dass dieses ein sehr emotionales Thema bei Gesprächen mit Insulanern ist.

Einige Vermieter und auch Gäste scheinen sich nicht an das Beherbergungsverbot zu halten. Dabei ist die Landesverordnung eindeutig: Zurzeit dürfen in Schleswig-Holstein keine Gäste zu touristischen und anderen privaten Zwecken beherbergt werden. https://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Coronavirus/FAQ/Dossier/tourismus.html;jsessionid=C73F5443B085CC8A1AFED33C5A9BF262.delivery2-replication.

Dieses Vermietungsverbot gilt auch für Zweitwohnungsbesitzer: Sie dürfen ihre Zweitwohnung nur selbst nutzten, sie aber nicht vermieten.

Verstöße gegen diese Verordnung sind Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Bußgeld in nicht unerheblicher Höhe bestraft werden. www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Coronavirus/Erlasse/210224_bussgeldkatalog_landesverordnung.html

Die Verfolgung eventueller Ordnungswidrigkeiten hinsichtlich des Beherbergungsverbotes ist eine schwierige Angelegenheit. Weder Polizei noch Ordnungsämter, Gemeinden oder Tourismus – Organisationen kontrollieren aktiv, ob die Verordnungen zum Beherbergungsverbot eingehalten werden. Nur wenn eine konkrete Anzeige vorliegt, wird dieser von den zuständigen Behörden nachgegangen. Die meisten Bürger scheuen jedoch eine konkrete Anzeige gegen Nachbarn, wenn ein Verdachtsfall vorliegt.

Es verwundert nicht, dass in dieser Situation viele Gerüchte über unerlaubten Vermietungen auf der Insel kursieren.  Auch wenn sich die überwiegende Mehrheit an das Beherbergungsverbot hält, vergiften einige wenige die Stimmung. Die Gefahr von Anfeindungen untereinander steigt.

Alle Einheimischen, Zweitwohnungsbesitzer und natürlich auch die Gäste einigt der Wunsch, dass die Inzidenzzahlen möglichst schnell sinken, damit das Beherbergungsverbot aufgehoben werden kann. Hierfür ist es notwendig, dass einerseits die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, aber dass sich jeder einzelne auch daran hält, die Kontakte und Besuche auf das notwendige zu minimieren. Hierzu gehört auf jeden Fall auch, dass man auf nicht notwendige private Reisen verzichtet. Dieses ist ein Akt der Solidarität für diejenigen, die die Last der Pandemie tragen, sowohl krankheitsbedingt als auch wirtschaftlich.

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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2 comments

  1. Wir würden auch gern auf der Insel sein, akzeptieren aber die Beherbergungsregelung.
    Was wir allerdings nicht verstehen und aufs tiefste verurteilen ist das wegsehen der Polizei
    und Ordnungsamt bei den im Bericht erwähnten Verstössen. Was für eine Rechtsauffassung
    hat die Polizei und das Ordnungsamt auf Amrum? Hier sollte eingeschritten werden. Es wird verfolgt
    ob hier etwas geschieht. Auch das wegesehen sollte geahndet werden.
    Gerhard Bolm

  2. Norfried Edler

    Moin Herr Hoffmann und das gesamte AmrumNews-Team,

    Danke für diesen Artikel in der Hoffnung, die “Unvernünftigen” mögen dies beherzigen.
    Auch wir als Vermieter haben von diesen Gerüchten auf der Insel gehört und können aus eigener Erfahrung berichten, dass es in den vergangenen Monaten während der Lockdowns bzw. der Beherbergungsverbote immer wieder Anfragen mit zwielichten, mitunter direkt erkennbaren Nachfragen nach Übernachtungen in unserem Haus, die wir alle selbstverständlich unmissverständlich abgewiesen haben.

    Es ist traurig zu erkennen, dass mitunter persönlicher Profit oder Eigennutz über den sozial notwendigen Zusammenhalt und die Verantwortung untereinander und insbesondere die Inselbewohner zu stehen scheint.

    Wir alle wollen möglichst bald wieder unsere Gäste begrüßen wollen auf der Insel, aber die Gesundheit aller steht im absoluten Fokus, da heißt es für alle zusammenzustehen und solchen Ausreißern und Ignoranten ein deutliches Stoppschild zu zeigen.
    Nur gemeinsam werden wir und unsere Gäste bald wieder wie früher unsere Insel und eine gewisse Normalität und Freiheit genießen können.

    Danke also nochmals für diesen klaren Hinweis.

    😉 Norfried Edler

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