Nachruf: Theo Heini


 

Als Theo Heini war er auf Amrum und in der Welt bekannt. Richtig hieß er Theodor Heinrich Kölzow, und der Familienname deutet auf die Herkunft aus dem Osten hin. Eben nach 1890 kam der Großvater, geboren 1873 in Rostock, als Maurer und “Handwerksbursche” nach Amrum. Louis Kölzow fand hier im Zuge des “Baubooms” des seit 1890 begründeten Fremdenverkehrs mit den Hotelbauten auf Wittdün und an der Satteldüne bei Nebel nicht nur Arbeit, sondern auch seine Frau Dora geb. Martensen, und damit einen festen Wohnsitz. Louis war ein Original und machte sich besonders in der Nazizeit auf der Insel einen Namen. Amrum “Wählt fast einstimmig den Führer”, wie es in einem Zeitungsbericht jener Zeit heißt. Aber Louis war partout nicht auf Linie zu bringen, und einer seiner überlieferten Aussprüche lautete: “Führer befiel, wir folgen Dir. Aber nur bis zur Wittdüner Brücke”. Einige Male hatte er auch die Gestapo, die gefürchtete Polizei der Nazis, im Haus.

Theo Hein – Theodor Heinrich Kölzow

Louis und Dora hatten nicht weniger als 16 Kinder, von denen aber fast alle früh starben. Der 1894 geborene Theodor heiratete Anna Hansen und hatte mit ihr zwei Kinder, die Tochter Thea, verheiratet mit Hans Decker, später als Wirtin des “Ual Öömrang Wiartshüs” bekannt, und Theodor Heinrich, geboren am 2. Mai 1928.

Theo Heini ging nach der Schulzeit (bei Richard Wanner) in die Tischlerlehre bei Hinrich Bork. Damals gab es in Norddorf noch drei Tischlerbetriebe (Hinrich Bork, Martin Peters, Karl Flor). Im Jahre 1950 wechselte er den Beruf und wurde Maurer. Sein Vater Theodor (Tewe) hatte nämlich, begünstigt durch den damaligen Bauboom, eine florierende Baufirma aufgetan. Zeitweilig war die Fa. Tewe Kölzow mit 10 – 15 Arbeitern besetzt. Aber es gab auch Zeiten anhaltender Bauflaute, und deshalb war Theo Heini um 1957 auch als Taxifahrer bei Auto-Quedens in Norddorf zu finden. Ein Jahr darauf übernahm er von seinem Vater die Baufirma.

Aber Theo Heini blieb, auch nach Ablegen der Meisterprüfung 1962, nicht einfach Maurer. Er hatte schon 1953 eine Tochter aus wohlhabendem Hause, Ellen Beig, geheiratet. Sie soll es gewesen sein, die ihren Mann zur weiteren Berufsausbildung getrieben hat. Er machte, wie erwähnt, die Meisterprüfung, legte nach Schulbesuchen in Flensburg und Hamburg die Prüfung als Polier ab und wurde im Jahr 1962 in die Architektenkammer aufgenommen, verbunden mit der Berechtigung, als Architekt zu arbeiten. Und als solcher hat Theo Heini vor allem auf Amrum seine Spuren hinterlassen. In einer Zeit, als es darum ging, möglichst schnell für die Aufnahme von Kurgästen “umbauten Raum” zu schaffen und sich der Legostil verbreitete – auch weil die Finanzdecke bei den Insulanern noch sehr dünn war, erkannte Theo Heini, wie wichtig eine harmonische, inselgerechte Architektur, also der Friesenstil, für die Wohlfahrt des Fremdenverkehrs war. Als Erster bemühte er sich energisch um die Bewahrung dieses Stils sowohl bei der Renovierung von Altbauten als auch bei Neubauten. Als beispielsweise im Juli 1962 die Teestube “Haus Burg” am Wattufer bei Norddorf abbrannte, machte er seine Mitarbeit davon abhängig, dass der Wiederaufbau im alten Stile erfolgte. 1968 stand der Bau einer Strandhalle in Nebel an, und Theo Heini legte einen Plan vor, der die “Sturmhaube” von Kampen auf Sylt in den Schatten gestellt hätte. Aber die Gemeindevertretung folgte dem Rat eines Mitglieds, das einen “großen Bruder” als Architekt in Westerland auf Sylt wohnen hatte, und so bekam Nebel leider eine Strandhalle mit einem Flachdach wie eine Tankstelle. Nicht auszudenken, was Theo Heini zu dem “Tomatentreibhaus” gesagt hätte, das nun mitten in Nebel gebaut werden soll!

Ab den 1950/60er Jahren erfolgte in den Inselgemeinden, vor allem in Nebel, eine umfangreiche Ausweisung von Bauland zwecks Förderung des Bauhandwerks und des Fremdenverkehrs (die Gemeinde- und Kurverwaltung Nebel bot sogar in ihrem Wohnungsanzeiger für auswärtige Interessenten Bauland für 30 Pfennige pro Quadratmeter an), und es begann eine entsprechende Bautätigkeit.

Die Föhr-Amrumer Bank in Nebel

Amrum wurde nicht unbedingt schöner, aber Theo Heini behielt als Architekt seine Linie inselgerechter Baustile bei und setzte sich damit bleibende Denkmäler. Dazu gehören neben “Borag” bei Norddorf auch der Wiederaufbau des “Ual Öömrang Wiartshüs” nach dem Brand im Jahre 1986, das Gebäude der Raiffeisenbank in Nebel von außen und innen mit einem fast originalgetreuen Carl-Ludwig-Jessen-Pesel als Schalterraum im Jahre 1972, Friesenhäuser auf dem Mühlenberg von Nebel und nicht zuletzt das Friesenhaus von Inge und Uwe Dethlefsen, das Autofahrer vor der Kurve am Ortsrand von Nebel immer wieder veranlasst, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, um einen Blick auf das schöne Haus und das naturbelassene, schmetterlingsfreundliche Grundstück zu werfen. 70 bis 80 Häuser hat Theo Heini gebaut und sich auch bei Bauherren mit einem kleineren Geldbeutel um eine harmonische Architektur bemüht. Er blieb das Beispiel eines inselgerechten Baustils und hätte wohl eine Ehrenbürgerschaft verdient. Aber diese Auszeichnung erhielten andere.

Für sich selbst und seine Familie – zwei Kinder wurden dem Ehepaar Kölzow geboren – konnte im Jahre 1956 ein Friesenhaus im Wald der Westerheide bezogen werden. Es war von der Gemeinde Nebel im Zuge des erwähnten überschwenglichen Bauwesens an einen Elmshorner verkauft worden, der es aber wieder zurückgeben musste, weil die Auflage, binnen drei Jahren zu bauen, nicht erfüllt worden war. 50 Pfennige kostete damals der Quadratmeter, ein erhöhter Preis, denn in den Jahren davor hatte die Gemeinde, wie erwähnt, nur 30 Pfennige für Amrumer Grund und Boden verlangt!

Der Naturschutzwart

Theo Heini hat sich aber nicht nur als Architekt einen bleibenden Namen gemacht. Er hat sich auch im Naturschutz engagiert und wurde vom Kreis Nordfriesland als “Naturschutzwart” ernannt. Als solcher wurde er einmal mit einem kuriosen Fall konfrontiert. Nachdem in früheren Jahrhunderten die Amrumer immer wieder nach Sylt gesegelt waren, um in den Dünen der damals noch fast unbewohnten Südspitze Hörnum Möweneier und Strandholz (beides den Rantumer gehörend) zu rauben, kamen in den 1970/80er Jahren Sylter nach Amrum, um hier mit Hilfe eines Süddorfers verbotenerweise durch die Amrumer Dünen zu streifen und mit Körben und Eimern voller Möweneier nach Sylt zurückzufahren – bis sie eines Tages auf einem Bohlenweg mit Theo Heini zusammenstießen und damit auf den richtigen Mann trafen, der ihrem Treiben sofort ein Ende bereitete.

Einige Jahre war er auch im Umweltausschuss des Öömrang Ferian tätig, ebenso war er an der Geschichte seiner Heimatinsel interessiert. In seinem “Arbeitszimmer”, einer Hütte im Gartengebüsch, dürfte noch so manches seltene Foto und Dokument aus dem alten Amrum zu finden sein. Inbesondere hatte er ein umfangreiches Wissen über die Nazizeit auf Amrum und hat dieses auch auf Band aufgezeichnet.

Theo Heini starb am 13. Juli. Er wurde 94 Jahre alt!

2022 Georg Quedens     Urheberrecht beim Verfasser

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