Heidepflege auf Amrum – früher und heute …


M. Tadsen hat den Nachmittag eröffnet.

Der offene Gesprächskreis der Kirchengemeinde St. Clemens hat am letzten Mittwoch im März zum Thema: „ Heidepflege früher und heute“ eingeladen. Von früher gibt es in den Köpfen der anwesenden älteren Generation noch etliche lebendige Bilder, aber wie sieht das Projekt Heidepflege heute aus ? Was kann die junge Projektkoordinatorin Naturschutz – Hanna Zimmermann, die als Referentin für diesen Nachmittag gewonnen werden konnte – berichten ?
Der kleine Veranstaltungsraum im St. Clemens-Hüs füllt sich schnell, so dass noch Tische und Stühle herbeigeschafft werden müssen, aber pünktlich um 15 Uhr ist die Kaffeetafel österlich eingedeckt und es gibt auch einen Platz für den Beamer, den H. Zimmermann mitgebracht hat, um das Projekt anschaulich darstellen zu können.
Als alle einen Platz gefunden haben, begrüßt Marlies Tadsen als Gesprächsleiterin die gesellige Runde und lädt zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen ein. Diese Kaffeezeit nutzt H. Zimmermann, um sich noch einmal vorzustellen, denn obwohl die dynamische, junge Naturschutzkoordinatorin bereits seit Juli 2021 auf Amrum arbeitet, ist sie noch nicht allen Anwesenden persönlich bekannt. (Weiteres zur Vita von Hanna Zimmermann, ihren Projektideen und schon verwirklichten Vorhaben sind gerne den bereits auf AmrumNews veröffentlichen Berichten zu entnehmen.)

Zunächst liegt noch etwas Unsicherheit in der Luft: Auf der einen Seite  scheinen sich die Gesprächsteilnehmer  zu fragen: Was macht der Naturschutz mit großen Maschinen mit unserer Heide ? Auf der anderen Seite blickt die Referentin etwas skeptisch: Möchten die älteren Amrumer, dass alles so bleibt wie es ist und sehen sie die Heidepflegemaßnahmen eher negativ? Aber schon bald wird deutlich, dass alle auf gleicher Wellenlänge sind.  Die ersten anerkennenden Blicke erhält H. Zimmermann als sie davon berichtet, dass man auf Amrum und Sylt die letzten Küstenheidebereiche findet, für die es eine besondere Verantwortung zur Erhaltung gibt.  Alle nicken begeistert als es heißt, dass es vor allem darum geht, Vegetation aus der Heide zu entfernen, die diese überwuchert – wie z.B. die Traubenkirsche oder die Kartoffelrose und die flachwurzlige Kiefer. Leider ist die Heide gegenüber diesen Gehölzen nicht konkurrenzstark!  Ob hiesige Schulkinder behilflich sein können, kann in dieser Runde leider nicht ausdiskutiert werden. Die älteren Semester, die zu Hause immer im helfen mussten und auch beim Anpflanzen vom Dünengras in der Jugend aktiv beteiligt waren, meinen aber, dass man die Idee mal in die Schule tragen könnte ( vielleicht um Biologieunterricht aktiv zu gestalten ???),

H. Zimmermann erklärt, wo zusammenhängende Heidegrundstücke bearbeitet werden konnten.

Eine Heide-Grundstücksbesitzerin meint: „Wir finden es toll, dass unser Grundstück fachgerecht bearbeitet wird –  ohne, dass wir was dafür bezahlen müssen. Wir freuen uns schon jetzt auf die blühende Heide in der Zukunft!“
Hier erläutert die Referentin ein weiteres Problem: Naturschutz ist kein Denkmalschutz! Während beim Denkmalschutz der Eigentümer verpflichtet ist, sich um den Erhalt zu kümmern, nimmt das Land SH und die entsprechende Behörde (in diesem Fall die Naturschutzbehörde) den Eigentümern diese Verpflichtung ab.

Und da sind wir beim „Früher“: Die älteste Teilnehmerin der Runde (94 Jahre alt) berichtet, dass es zu ihren Kinderzeiten noch kein Problem mit verholzter Heide gab. Die Heide hatte keine Zeit zu verholzen, sie wurde regelmäßig gemäht und als Heizmaterial verwendet oder zu Besen gebunden. Es gab damals auf Amrum noch keine Bäume und die Dünen waren noch nicht begrünt. Zum Ende des 2. Weltkrieges sei ein Flugzeug in den Dünen abgestürzt. Das Metall wurde zum Bau von kleinen Heizöfen genutzt – sogenannte „Hexen“- und an die Flüchtlinge verteilt, damit diese nun ihre Unterkünfte mit Heide erwärmen konnten. Dann kam der Wohlstand und mit ihm andere Heizquellen.

Das Fazit des Nachmittags: Natur bleibt Natur – wenn das Ökosystem funktioniert.
Die Gesprächsteilnehmer wünschen H. Zimmermann zum Abschluss der Veranstaltung, dass sie während der verbleibenden 3  Jahre ihrer Projektzeit auf Amrum viel erreichen kann und hoffen, dass sie noch länger bleiben möchte.  Alle sind sich einig: Dies war ein lehrreicher Nachmittag bei dem man viel Neues erfahren konnte, ohne dass man das Gefühl hatte, in der Schule zu sitzen!
Übrigens: H. Zimmermann freut sich, wenn sie Bilder oder alte Postkartenbekommen könnte, wo Amrum noch mit wenig Vegetation zu sehen ist.

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Über Brunhilde Wnuck-Jessen

Brunhilde Wnuck-Jessen wurde 1956 in Dorsten geboren und machte dort 1975 ihr Abitur. Anschließend ging es zum Studium nach Köln, wo sie eine Amrumer-Clique kennenlernte. Der Liebe wegen zog sie 1984 nach Süddorf auf Amrum, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Sönke wohnt. Nach 38 Jahren Schreibtischarbeit freut sich die Jungrentnerin nun auf viel gemeinsame Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern.

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