Hulkinj (=Silvester) auf Amrum …

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Es ist wieder soweit. Die Entscheidung des Jahres muss gefällt werden: hulkengehen oder Hulken empfangen?
Aufgrund der schlechten Wettervorhersage und in Erwartung eines gemütlichen Abends beim Raclette mit den Nachbarn entscheiden wir uns dazu, zu Hause zu bleiben – in der Hoffnung, dass trotz Dauerregens einige Hulken den Weg zu uns finden.

Die Hulkkiste auf dem Dachboden hätte allerdings einiges zu bieten gehabt: Hund, Katze oder Maus kann es immer werden. Für die Kinder sind die angesammelten Verkleidungen der letzten Jahre ein wahrer Schatz. Was für die Kölner der Karneval ist für die Amrumer Kinder das Verkleiden zu Silvester. Die ganz Kleinen, die von den Eltern noch begleitet oder zu den Verwandten oder Freunden chauffiert werden, freuen sich besonders auf eine Nascherei, die man erhält, wenn der Name erraten werden konnte.

Die Erwachsenen haben unterschiedliche Intentionen, wenn sie von Haus zu Haus laufen, um allen ein „Seegent nei juar!“ zu wünschen. Die einen wollen einfach gerne mal Kapitän vom Traumschiff sein oder sich in die Welt von Harry Potter stürzen, die anderen wollen einem Appell Nachdruck verleihen, wie: Schützt die Umwelt! Kein Microplastik mehr in Nord- und Ostsee! Auch die aktuellen örtlichen politischen Querelen werden gerne aufs Korn genommen. Wir sind gespannt, was uns heute Abend erwartet.

Doch zunächst laufen wir zur Süddorfer Glocke. Die Gemeindearbeiter haben das Tau an der Glocke bereits befestigt, so dass man schon am Nachmittag das neue Jahr einläuten kann. Aber im richtigen Takt- es soll kein Trauerläuten werden.
Dann geht es ab nach Hause. Es ist Zeit für die ersten Kinderhulken: Zwei Bananen haben eine kleine Hexe mitgebracht und die spanische Tänzerin wurde von zwei Mitgliedern der Mafia begleitet.
Im Laufe des Abends hört der Regen auf und auch der Wind lässt nach: Ideales Wetter, um später zur Kirche nach Nebel zu laufen. Gegen 23:45 Uhr verlassen die Gottesdienstteilnehmer die Kirche und der Posaunenchor stellt sich auf, um traditionell das Neue Jahr zu begrüßen. Mittlerweile haben sich vor der Kirche so viele Menschen versammelt, dass man sich kaum noch bewegen kann. Alle wollen nur das eine: Das Neue Jahr ohne Böllern und Feuerwerk in Ruhe begrüßen. Um 24 Uhr werden etliche Wunderkerzen angezündet und beim Blick in die funkelnden Lichter denkt so mancher, was uns wohl 2024 erwartet. Schade ist nur, dass viele Metallstäbchen nach dem Abbrennen nicht vernünftig entsorgt wurden, sondern auf dem Kirchenvorplatz gelandet sind.
Auf dem Weg nach Hause geht es noch einmal zur Süddorfer Glocke. Hier wird noch ausgiebig geläutet. Die wenigen Anwesenden haben viel Platz und stoßen auf das Neue Jahr an. Dann geht es in aller Ruhe nach Hause – und nicht nur die zahlreichen Gäste, die ihren Hund mitgebracht haben, freuen sich über die erste Nacht in 2024.

Der Morgen danach: Ein Blick aus dem Fenster zeigt, das Gartentor ist weg! Wir hätten es aushängen und in Sicherheit bringen sollen. Wie heißt es bei Wikipedia: “Die Tradition des Hulken geht eventuell auf vermummte Gestalten im Gefolge der nordischen Haus- und Familiengöttin Freya zurück, die zur Aufgabe hatten, die Menschen zu bewegen, ihre beweglichen Güter in der Winterzeit ins Haus zu holen.“ Sie Suche geht los und wir sind recht schnell erfolgreich: Das Holztor ist recht schwer und so wurde es nur ein paar Meter beim Nachbarn versteckt. Vielen Dank dafür.

Fotos: Die Redakteur:innen von Amrum-News

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Über Brunhilde Wnuck-Jessen

Brunhilde Wnuck-Jessen wurde 1956 in Dorsten geboren und machte dort 1975 ihr Abitur. Anschließend ging es zum Studium nach Köln, wo sie eine Amrumer-Clique kennenlernte. Der Liebe wegen zog sie 1984 nach Süddorf auf Amrum, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann Sönke wohnt. Nach 38 Jahren Schreibtischarbeit freut sich die Jungrentnerin nun auf viel gemeinsame Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern.

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