Die Insel Amrum trauert um Hark Bohm, der am 14. November im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert Amrum einen Menschen, dessen Leben weit über die Grenzen des deutschen Films hinausgewirkt hat – und zugleich jemanden, der der Insel über Jahrzehnte eng verbunden war.
Viele Insulaner erinnern sich an Hark Bohm nicht in erster Linie als Regisseur, Professor oder Mentor, sondern als jemanden, der immer wieder den Weg zurück nach Amrum fand, in den Dünen stand, dem Wind zuhörte und sichtlich spürte, was er selbst einmal so formuliert hatte: eine tiefe Liebe zu dieser Insel.
Die Jahre seiner Kindheit, die er in den letzten Kriegsmonaten auf Amrum verbrachte, bildeten für ihn ein Fundament: prägend, widersprüchlich, hart und zugleich schützend – eine Erfahrung, die seinen Blick auf Menschen, Konflikte und Wahrhaftigkeit offensichtlich nachhaltig geformt hat.

„Amrum“ – sein letztes Werk, sein vielleicht persönlichstes
Dass sein letztes großes Werk den Titel „Amrum“ trägt, wird von vielen Wegbegleitern auf der Insel als Geschenk empfunden. Nicht als sentimentaler Rückblick, sondern als bewusste Entscheidung: Die Rückkehr zu jenem Ort, der ihn geprägt hatte und den er – bei aller Distanz eines hanseatischen Wahl-Hamburgers – niemals losgelassen hat.
Das Buch „Amrum“ und die Verfilmung durch seinen langjährigen Weggefährten Fatih Akin haben der Insel eine neue Sichtbarkeit verliehen. Vielleicht ist es aber mehr als das: Ein Vermächtnis, vielleicht sogar die Krönung seines Lebenswerks.
Denn während Filme wie „Nordsee ist Mordsee“ oder „Yasemin“ nationale Bedeutung erlangten, ist „Amrum“ eines dieser seltenen Werke, in dem sich ein Mensch seinem Ursprung noch einmal bewusst zuwendet – ruhig, ehrlich und ohne Rücksicht auf modische Erwartung.

© Kinka Tadsen
Ein Filmemacher zwischen Welt und Wattenmeer
Hark Bohm war vieles zugleich: Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler, Mitbegründer wichtiger Hamburger Filminstitutionen und über Jahrzehnte prägende Figur des deutschen Kinos. Sein Engagement für junge Filmschaffende – allen voran Fatih Akin – hat Spuren hinterlassen, die weit über den Norden hinausreichen.
Doch bei aller Professionalität und bei aller nationalen -und auch internationalen- Bedeutung blieb ein Teil seines Lebens stets Amrum zugewandt. Er sprach oft und öffentlich davon, wie stark die Insel ihn geprägt habe, und kehrte – auch im hohen Alter – immer wieder zurück. Nicht mit Pathos, sondern mit der stillen Selbstverständlichkeit eines Menschen, der weiß, wo ein Teil seines Herzens schlägt.
Trauer, Dank und stille Wertschätzung
Die Nachricht seines Todes hat auf Amrum entsprechende Betroffenheit ausgelöst – in Gesprächen auf der Straße, in Erinnerungen älterer Insulaner, die ihn noch als Jungen kannten, und in der jüngeren Generation, die sein Werk vor allem aus dem Kino kennt und weitere Inselperspektiven der Vergangenheit vermittelt.
Die Inselgemeinschaft spricht seiner Familie ihre herzliche und aufrichtige Anteilnahme aus.
Zugleich möchten wir Hark Bohm danken:
– für sein ehrliches Interesse an den Menschen dieser Insel,
– für die Wertschätzung, mit der er Amrum erzählte,
– für seine künstlerische Hingabe,
– und für seine Liebe zu unserer Insel, die in seinem letzten Werk noch einmal deutlich spürbar wird.
Ein Bild, das bleibt
In der letzten Einstellung des Films „Amrum“ steht Hark Bohm am Strand, den Blick auf die Nordsee gerichtet. Es ist ein stilles Bild, das sehr gut passt.
Für viele Amrumer wird dieses Bild bleiben: ein Mann, der Abschied nimmt, ohne große Worte. Ein Mann, der auf seine Insel schaut – so, wie man auf etwas schaut, das ein Teil des eigenen Lebens geworden ist.
Die Insel Amrum nimmt Abschied von Hark Bohm. Und Amrum wird ihn nicht vergessen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

Auch wir können nachfühlen wie es sich anfühlt Abschied von der Insel zu nehmen. Nach über 40 Jahren Amrum erleben, genießen, leiden und wohlfühlen konnten wir dieses Jahr nicht nach Amrum kommen. Eine böse Krankheit meiner Frau hat uns das nicht ermöglicht.
Wir hatten das Glück Hark Bohm noch kennen zu lernen. Ein ganz ruhiger, sympathischer Mensch dem man sofort vertraute. Unsere Anteilnahme ist mit allen Insulanern.