Mitten in Sturm, Schnee und Regen beginnt neues Leben.
Auf Amrum sorgt ein neugeborenes Kalb bei Landwirt Oke Martinen für Staunen und Sorgen zugleich.
Welche Entscheidung alles veränderte, zeigt diese Geschichte.

Das Jahr ist noch jung, doch das Wetter zeigt sich bereits von seiner rauen Seite. Schnee, Regen, Wind und Tauwetter bestimmen die Schlagzeilen – und den Alltag von Landwirt Oke Martinen. Täglich versorgt er seine Tiere auf dem Hof sowie die Belted Galloways, die zur Landschaftspflege in den Amrumer Dünen unterwegs sind.
Als Martinen in der vergangenen Woche einen Wetterschutz für die Tiere errichtete, traute er plötzlich seinen Augen kaum. „Zwischen den sieben Belted Galloway Färsen kam mir auf einmal ein ganz kleines schwarzes Tier entgegen. Da dachte ich nur: Was? Wie bitte?“, erzählt er. Ein Bullenkalb – erst wenige Stunden alt.
Eigentlich hätte das gar nicht passieren dürfen. „Alle Tiere wurden zuvor tierärztlich untersucht. Eine Geburt war nicht zu erwarten“, erklärt Martinen, der die Belted Galloways seit rund sieben Monaten betreut. Die robuste Rinderrasse stammt ursprünglich aus Schottland und ist bekannt für ihre Widerstandsfähigkeit. Mit ihrem dichten, langen Fell kommen Belted Galloways gut mit Wind, Kälte und kargen Flächen zurecht. Genau deshalb wurden sie gezielt zur Pflege der Dünenlandschaft nach Amrum geholt.

Doch für ein neugeborenes Kalb waren die Bedingungen zu extrem. „Schnee, Regen, Wind und dauernde Nässe – das ist für so ein junges Tier einfach zu viel“, sagt Martinen. Vor allem das nasse Fell bereitete ihm Sorgen. Die Entscheidung fiel schnell: Der kleine Bulle wurde in Sicherheit gebracht, mit nach Hause genommen und wird nun mit der Flasche großgezogen.
Der starke Schneesturm wenige Tage später bestätigte dieses Vorgehen. Aus Vorsicht holte Martinen auch die übrigen Belted Galloways in den Stall. Seitdem gehört neben der täglichen Arbeit auf dem Hof auch die intensive Betreuung des Jungtiers zum Alltag. Mehrmals am Tag bekommt der kleine Bulle seine Milch.
Getauft wurde er auf den Namen „Sir Henry von Martinen“. Noch ist Henry allein untergebracht, doch das soll sich ändern. Sobald er stabil und kräftig genug ist, könnte er Gesellschaft von Kälbern bekommen, die Martinen im Spätsommer selbst aufgezogen hat.
„Unverhofft kommt oft – und meistens anders, als man denkt“, sagt Martinen schmunzelnd. Für ihn ist Sir Henry nicht nur ein überraschender Neujahrszuwachs, sondern auch ein kleines Winterwunder auf vier Beinen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum


Herzlich Willkommen auf der schönsten Insel, kleiner Sir Henry.
Du hast Dir wirklich einen perfekten Ort und einen tollen Zieh-Papa ausgesucht.
Ich freue mich, wenn ich Dich zum ersten Mal irgendwo in den Dünen am Leuchtturm entdecken kann.
Katja